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Irène Némirovsky
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Seite 3 von 3

Autor:  Petra [ Mo 7. Feb 2011, 16:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Irène Némirovsky

Hallo zusammen,

wenn jemand von uns es anfängt, wäre auf jeden Fall ein separater Thread sinnvoll, damit wir - wenn auch zeitversetzt - unsere Eindrücke dort niederschreiben könnten. Da dürfte genug Stoff für einen eigenen Thread enthalten sein, denke ich.

Autor:  Barbara [ Mo 7. Feb 2011, 19:06 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Irène Némirovsky

Liebe Petra,

wir werden es im Hinterkopf behalten und zur gegebenen Zeit hoffentlich nicht vergessen.

Autor:  JMaria [ Mo 3. Apr 2017, 11:20 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Irène Némirovsky

Weil es gerade reinpasst, hole ich den Ordner hervor.

Ich lese "Meistererzählungen"
mich jedes Mal, ob Erzählung oder Roman.

Das Taschenbuch von btb beinhalten 9 Erzählungen. Es geht um verborgende Leidenschaften, dunkle Geheimnisse, um Freiheitssehnsucht...

https://www.amazon.de/Meistererz%C3%A4h ... %A4hlungen

Bereits die 1. Erzählung in dem Band namens "Rausch" geht unter die Haut, die im Finnland 1918 spielt, wo Soldaten der Miliz nach versteckten Soldaten der Gegenseite suchen. Während einer rauschhaften Dorffeier, wollen diese Verfolgten das Leben spüren, und enden im Tod. Zwischen diesen harmlosen (typisch für Nemirovskys Stil) Sätzen spielt sich das ganze Drama ab...

1. Satz
Finnland in unruhigen Zeiten.

letzter Absatz:
Die Bucht ist ruhig, und der Mond erhellt die gefrorenen Wasser. Der Tag ist verstrichen. Unter dem Rumpf des reglosen Kutters ist zwischen zwei getrennten Eisblöcken ein Frauenschal hängengeblieben und schwimmt im Wasser. Wenn das Boot im Wind schaukelt, bewegt sich der Schal, und die goldenen Zechinen klingen in der Tiefe des Wassers.

Neun Meistererzählungen
-Rausch
-Sonntag
-Aino
-Ein ehrbarer Mann (bei dieser Erzählung bin ich gerade)
-Die Vertraute
-Brüderlichkeit
-Der Zuschauer
-Der Unbekannte
-Monsieur Rose
Bibliographische Angaben

Edit:
"Die Vertraute"- die Geschichte des Pianisten Roger Dange, der nach seiner Tournee zu Camille fährt, um mehr über den Unfalltot seiner Frau zu erfahren. Am Ende sieht er seine Frau in einem ganz anderem Licht, doch von der Liebe kann er nicht geheilt werden.

darüber gibt es auch eine Art Hörspiel, zwei Stimmen, Katharina Schüttler und Sylvester Groth!
Produktion: MDR 2015
Länge: 51'57
hat mir sehr gut gefallen.

Autor:  Petra [ Sa 15. Apr 2017, 16:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Irène Némirovsky

Begeistert hat mich "Suite française". Was für eine Komposition. Im Anhang bekommt man Einblick in die Notizen von Irène Némirovsky zu dem Roman. An einer Stelle merkt sie an, dass die einzelnen Teile sich wie in der Musik ausnehmen müssten, in der mal der Chor zu hören ist und mal ein Solist. Und genau dieses Gefühl vermitteln diese beiden fertiggestellten Teile. In "Sturm im Juni" vernimmt der Leser einen Chor (die Masse), im zweiten Teil "Dolce" verweilt sie mehr bei einzelnen Figuren.

Die Autorin sorgt sich hierbei auch darum, ob der Roman trotzdem einen in sich stimmigen Klang findet. Diese Sorge ist gut zu verstehen, und umso größer war mein Respekt, denn alles fügt sich zu einer meisterlichen Komposition!

Überhaupt beabsichtigte sie viele Motive aus der Musik in dem Roman einzubringen; so bedauerlich, dass wir nicht in den Genuss ihrer gesamten Suite kommen dürfen, um mehr davon aufzuspüren.

Spannend, im Anschluss an die beiden fertiggestellten Teile des Romans an den Gedanken der Autorin zu ihrem Werk teilhaben zu können durch die im Anhang veröffentlichten Notizen. Auch im Hinblick darauf, wie die weitere Handlung angelegt war (über einige Entwicklungen kann man sich dadurch ein Bild machen), und so auch eine Idee davon zu bekommen, wie es den Figuren im weiteren Verlauf wohl ergangen wäre (es gibt allerdings nur Tendenzen, denn sicher war sich die Autorin noch nicht, und wollte vieles auch vom weiteren Verlauf des Krieges abhängig machen, um die Wirklichkeit dadurch abzubilden). Denn diese Figuren, diese Schicksale, lassen einen nicht kalt.

Durch "Suite française" habe ich wieder etwas mehr verstanden. Verstanden, wie es damals war, aus einem weiteren Blickwinkel (dem französischen). Irène Némirovsky wirft ein Schlaglicht auf die große Masse. Und sie wirft parallel Licht auf einzelne Menschen. So stehen sich in dem Roman Volk und Volk gegenüber (die Franzosen und die Deutschen im besetzten Frankreich), aber auch Menschen stehen hier Menschen gegenüber.

Ein vielschichtiger und intensiver Roman, der mich ergriffen zurückließ. Dankbar war ich nicht alleingelassen worden zu sein nach den beiden vorliegenden Teilen, sondern durch den Anhang noch tiefer eindringen zu können. In Irène Némirovskys Notizen zu dem Roman (hochinteressant!) und ihren Gedanken zu der Zeit, in der sie selbst die Bedrohung deutlich wahrnahm, und richtig einschätzte, dass ihr womöglich nicht genügend Zeit bleiben würde, den Roman zu vollenden, da sie vielleicht das Ende des Krieges gar nicht mehr erleben wird. Im Anschluss an diese Notizen folgt Korrespondenz, die hautnah miterleben lässt wie Irène Némirovsky verhaftet und deportiert wurde. In welch bodenlose Angst und Verzweiflung das ihren Mann gestürzt hat, der schließlich später ebenfalls deportiert und getötet wurde. Es wurde alles versucht, um sie zu retten. Diese Verzweiflung schmerzt allein schon beim lesen. Wie unerträglich muss sie gewesen sein! Auch für die beiden Töchter. Darin liegt auch der Grund warum das Manuskript so lange unentdeckt blieb. Die Töchter haben nicht die Kraft gefunden zu lesen, was ihre Mutter schrieb und wo sie mitten herausgerissen wurde.

Abschließend folgt noch eine biographische Notiz von Myriam Anissimov über das Leben von Irène Némirovsky. Ebenfalls hochinteressant, und neugierig machend auf alle ihre anderen Werke.

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