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 Gegen das Vergessen 
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Registriert: Di 18. Jan 2011, 17:49
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Den Zoo hatte es getroffen und er lag in Schutt und Asche. Die Tiere waren tot bzw. schwer verletzt, teilweise vom Feuer eingeschlossen. Antonina und eine Handvoll Tierpfleger versuchten, all den Tieren zu helfen, wobei sie selbst aufpassen mussten, sich nicht in Gefahr zu begeben.
Eines Tages war Jan plötzlich wieder da; auf abenteuerliche Weise hat er den Weg zurück nach Warschau gefunden.
Nach einigen Tagen wagten sich die beiden zurück in den Zoo, wo sie einige weitere Tierpfleger trafen. Man fand in den unmöglichsten Verstecken noch verwundete Tiere. Das Fleisch der toten Tiere (Pferde, Hirschwild und Antilopen) verteilten sie an die hungrige Bevölkerung.
Nach der Kapitulation Warschaus hatte Antonina immer noch Hoffnung: "... vielleicht bedeutet es endlich wieder Frieden und die Chance für einen Wiederaufbau."

Hans Frank, Hitlers persönlicher Rechtsanwalt, verwaltete das deutsche Gouvernement. Er war nicht nur Gründungsmitglied der Nationalsozialistischen Partei, er änderte auch die deutsche Gesetzgebung nach den Vorstellungen der Nazis, insbesondere "im Hinblick auf die Rassengesetze und den Widerstand".
Frank sorgte für die Liquidierung der polnischen Bildungsschicht. Er sorgte dafür, dass "860.000 Polen entwurzelt und anderswo angesiedelt" wurden. Dass sich 75.000 Deutsche deren Landbesitz aneignen konnten. Dass 1.300.000 Polen "als Zwangsarbeiter nach Deutschland transportiert und weitere 330.000 einfach erschossen" wurden.
Doch der polnische Widerstand lebte und war äußerst aktiv. Er "hatte so viele Zellen, dass jeder sich beteiligen konnte, egal wie alt, gebildet oder nervenstark er war".

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Lesende Grüße, Anne

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Mi 3. Mai 2017, 11:05
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Registriert: Di 18. Jan 2011, 17:49
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Moin miteinander,

erinnert ihr euch an das Buch Nackt unter Wölfen von Bruno Apitz? Petra, ich glaube, Du hast es fast zeitgleich mit mir gelesen, nicht wahr?

In diesem Buch wird ja die Geschichte von Jerzy Zweig, dem jüdischen Buchenwaldkind, erzählt. Die Kommunisten haben ihm damals im Lager das Leben gerettet.
Ich kenne ja noch den DDR-Film und auch beim Buch habe ich oftmals weinen müssen.

Gestern nun auf dem Heimweg habe ich im Kulturfunk die kurze Geschichte eines anderen Jungen erfahren: Willi Blum, ein junger Mann aus der Opfergruppe der Sinti und Roma, die in unserer Geschichtsschreibung anscheinend überhaupt nicht thematisiert wird.

Da hat es auch nicht geholfen, dass ich gerade Ede und Unku gelesen habe, denn auch in dieser Geschichte geht es hauptsächlich um den Klassenkampf, nicht um die Zigeuner.

Was mich nun gestern so erschüttert hat, ist die Tatsache, dass Jerzy Zweig im Prinzip nur überlebt hat, weil Willi Blum in den Tod geschickt wurde. Denn auf der besagten Liste, stand zuerst der Name des jüdischen kleinen Jungen, der durch den von Willi Blum ersetzt wurde.

Ich will das absolut nicht bewerten, weiß ich doch nicht, was die kommunistischen Häftlinge damals zu dieser Entscheidung bewegt hat.
Aber traurig und wütend bin ich wegen der Tatsache, dass ich über diese anderen Opfergruppen, zu denen ja nicht nur die Sinti und Roma gehören, noch nie gestolpert bin.

Ich habe mir nun heute gleich das Buch Das Kind auf der Liste von Annette Leo bestellt.

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Lesende Grüße, Anne

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Do 15. Mär 2018, 14:34
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Danke für diese überaus interessanten Hinweise, liebe Didonia. Sie machen mich sehr betroffen!

Ja, wir lasen "Nackt unter Wölfen" relativ zeitgleich. Und das Schicksal des Jungen, der für Jerzy Zweig auf die Liste kam, interessiert mich somit natürlich stark.

Wie selektiv von den Opfern berichtet wird, macht mir dein Beitrag bewusst, Didonia. Danke fürs aufrütteln! Und gut, dass mit "Der Junge auf der Liste" dem einmal etwas entgegen gesetzt wird. Und gut, dass du es gekauft hast. Wenn du es liest, berichte bitte, ich bin sehr interessiert!

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Fr 16. Mär 2018, 11:49
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Beiträge: 3753
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Na klar berichte ich, Petra. Ich habe gestern noch ein bisschen bei Amazon gestöbert. Es gibt tatsächlich nur sehr wenige Bücher über die Sinti und Roma. Oder über behinderte Menschen, insbesondere Kinder.
Ich brauche nur die Klappentexte lesen, und mein Herz fängt an zu bullern.

Und dann werde ich wütend - zum Beispiel darüber, dass rechte Verlage auf der Büchermesse teilnehmen dürfen. Oder dass die rechte Seite heute schon fast wieder gesellschaftsfähig ist und ihre Bühnen bekommen. Und über den Satz: Das muss unsere Demokratie aushalten können. Nein, das muss sie nicht. Finde ich zumindest.

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Lesende Grüße, Anne

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Fr 16. Mär 2018, 16:09
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Beiträge: 751
Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Liebe Didonia,

es passt jetzt zwar nicht zum Thema "Sinti und Roma", aber mir fällt gerade ein, dass ich hier schon seit ein paar Wochen das Thema "Kindertransporte nach England" vermerken wollte. Es passt hierher und interessiert vielleicht auch speziell dich, Didonia, im Rahmen deines Projektes.

Vor einigen Wochen habe ich im HR-Fernsehen einen Bericht über "Kindertransporte nach England" gesehen. Ein Thema, was der breiten Öffentlichkeit bis heute wohl nicht bekannt ist und wenig Beachtung findet. Das "Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt am Main" widmet sich unter anderem dieser Thematik. Im HR wurde diese anhand der Geschichte von Renata Harris vorgestellt. Renata Harris ist bis heute aktiv, um aufzuklären und zu informieren. Übrigens eine faszinierende, starke Frau, wie ich fand.

Ich setze dir mal einen Link speziell zu ihrer Geschichte. Auf der Homepage gibt es jedoch insgesamt weit mehr zum Thema "Gegen das Vergessen" zu entdecken:

http://www.juedisches-leben-frankfurt.d ... arris.html

Hier noch der Link zu Widipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kindertransport

Bei Amazon findet man beim Stichwort "Kindertransporte" einige Bücher, die sich damit befassen.

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Liebe Grüße
Claudia


Aktuelle Lektüre:
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Fr 16. Mär 2018, 16:39
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Didonia hat geschrieben:
Und über den Satz: Das muss unsere Demokratie aushalten können. Nein, das muss sie nicht. Finde ich zumindest.



Ich sehe das ein wenig anders: Wenn eine Demokratie, in der geschieht, was eine Mehrheit beschließt, sich durch Ansichten einer Minderheit bedroht sieht, ist sie nicht viel wert. Wenn ein solches Prinzip nur dadurch aufrechterhalten wird, daß andere Werte wie Rechtstaatlichkeit, Meinungsfreiheit oder generell Pluralität in einer Gesellschaft nur für jene gelten, die von der Mehrheit aber bitte bloß nicht zu stark abweichen, haben wir als Resultat genau das Land, das wir vor achtzig Jahren hatten.

Weil Demokratie sowas nicht aushalten können muß.

Muß sie nicht?

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Zuletzt geändert von Trixie am Fr 16. Mär 2018, 17:08, insgesamt 1-mal geändert.

Fr 16. Mär 2018, 16:54
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Vielen Dank, liebe Josie.

Über einen Kindertransport nach England habe ich irgendwo mal etwas auf einem Klapptentext gelesen. Ich weiß leider nicht mehr, bei welchem Buch das war. Ich glaube es war mehr ein Roman, und da bin ich mir ja oft unsicher. Es sind derzeit sehr viele Schriftsteller/innen, die in ihren Romanen den 2. Weltkrieg aufgreifen. Ich halte mich da allerdings lieber an Biografien oder Sachbücher.

Von daher vielen Dank, dass Du das Thema hier ansprichst. Ich werde mir die Seiten mal am Wochenende anschauen.

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Lesende Grüße, Anne

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Fr 16. Mär 2018, 16:57
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Trixie hat geschrieben:
Wenn eine Demokratie, in der geschieht, was eine Mehrheit beschließt, sich durch Ansichten einer Minderheit bedroht sieht, ist sie nicht viel wert.


Wenn sie eine Minderheit bleibt, stimme ich zu. Wenn ich aber sehe, was für Plattformen die Rechtsradikalen hier bei uns heute bekommen, habe ich so meine Bedenken.

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Fr 16. Mär 2018, 17:18
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Das Problem sind, denke ich, weniger die Plattformen, die sich ihnen bieten - wegen medialer Aufmerksamkeit allein wird eine kleine Gruppe nicht groß. Es sind vielmehr bestimmte Zustände, die man tatsächlich in einem Land vorfindet, die ihnen eine Grundlage bieten, der Boden, auf dem solche Gruppen aufbauen und zahlenmäßig wachsen können. Diese Zustände sollten wir besser selbst zu verändern suchen - bevor die es tun - in einem Sinne, die den wenigsten von uns dann gefallen würde.

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Trixies Platz


Fr 16. Mär 2018, 19:08
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Beitrag Re: Gegen das Vergessen
Das stimmt, Trixie.

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Fr 16. Mär 2018, 19:31
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