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 Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald 
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Registriert: Mi 2. Apr 2008, 12:56
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
JMaria hat geschrieben:
"Frühe Prosa" gibt es leider nicht mehr im Handel, außer im Shop des C. H. Beck Verlags. Anmelden und per Rechnung bestellen, alles ganz unkompliziert.

Bei den angebotenen gebrauchten Bücher bei Amazon-Marketplace handelt es sich meist um ältere Ausgaben aus den 90er Jahren, keine Anfrage von mir ergab, daß es sich um die Jubiläumsausgabe von 2008 handelt.

http://www.chbeck.de/Doderer-von-Fruehe ... duct=15270


Danke für die Info und den Link - somit habe ich soeben bestellt :mrgreen:

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


Di 5. Mär 2013, 13:27
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Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
steffi hat geschrieben:
JMaria hat geschrieben:
"Frühe Prosa" gibt es leider nicht mehr im Handel, außer im Shop des C. H. Beck Verlags. Anmelden und per Rechnung bestellen, alles ganz unkompliziert.

Bei den angebotenen gebrauchten Bücher bei Amazon-Marketplace handelt es sich meist um ältere Ausgaben aus den 90er Jahren, keine Anfrage von mir ergab, daß es sich um die Jubiläumsausgabe von 2008 handelt.

http://www.chbeck.de/Doderer-von-Fruehe ... duct=15270


Danke für die Info und den Link - somit habe ich soeben bestellt :mrgreen:



du wirst es nicht bereuen :D

in der Zwischenzeit habe ich "Das Geheimnis des Reichs" beendet und ich erahne, auf welches Ereignis er noch im "Grenzwald" Bezug nehmen wird.

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Schöne Grüße
Maria




Ich lese gerade:



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In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


Mi 6. Mär 2013, 10:49
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
In einem Essay heißt es über den Grenzwald:

(...)Doch hat Doderer auch diesen Roman nicht von den Figuren her, sondern wieder – wie auch der Titel nahelegt – vom Raum her gestaltet. Entscheidend wurde der Lokalaugen- schein der von Otto Wagner errichteten Villa Ben Tiber im Wiener Vorort Hütteldorf, wo Zienhammer den tödlichen Schuß hätte abgeben sollen.(...)

http://www.doderer-gesellschaft.org/pdf ... 6-1966.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Wagner_I


@Steffi, machst du eine Pause oder lesen wir langsam weiter , bis sich Yvonne meldet. vielleicht ist sie krank geworden, ist ganz unüblich so rein garnichts von ihr zu hören.

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Schöne Grüße
Maria




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Do 7. Mär 2013, 16:27
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Registriert: Mi 2. Apr 2008, 12:56
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
JMaria hat geschrieben:
@Steffi, machst du eine Pause oder lesen wir langsam weiter , bis sich Yvonne meldet. vielleicht ist sie krank geworden, ist ganz unüblich so rein garnichts von ihr zu hören.


Ich habe eine Pause gemacht, komme zum 4. Kapitel, aber ich denke, ich werde am Wochenende langsam weiterlesen. Ich hoffe, ihr geht es gut !

Wow, die Villa Wagner sieht toll aus ! Falls ich mal nach Wien komme, wäre sie eine Besichtigung wert !

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


Fr 8. Mär 2013, 10:41
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
Hallo Steffi,

Kapitel 4 stellt uns nun Zienhammer vor (der bereits einen kurzen Auftritt in "Das Geheimnis des Reichs" hat). Ein seltsamer, noch nicht so recht greifbarer Charakter. Er ist schweigsam, es gibt bei ihm keine Reflektion nur Reaktion auf Situationen, z.B. im 5. Kapitel als er seinen früheren Kameraden auf der tschechischen Seite wiedertrifft und sich vor seinem ranghöheren Offizier zu verantworten hat. Er wirkt unheimlich. Er paßt sehr gut ins Konzept des roman muet.

Kapitel 5 ist durch und durch autobiographisch. Dieses Wechselspiel der Gefühle, nämlich die bange Freude der Heimkehr um dann doch vor dem Ural wieder umkehren zu müssen und zurück nach Sibirien, das hat auch Doderer erlebt. Auch eine Grenze, die nicht überschritten wurde bzw. nicht überschritten werden konnte. Der Bürgerkrieg zwischen den Weißen und Roten kam ja erst noch zu seinem Höhepunkt nach 1917 (bis 1920)

hier gehts zu mehr Informationen, die auch das Lesen und Verstehen von "Das Geheimnis des Reichs" vereinfachen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Armee
http://de.wikipedia.org/wiki/Russischer ... Crgerkrieg

Ich komme zum 6. Kapitel.

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Schöne Grüße
Maria




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Mo 11. Mär 2013, 10:52
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Registriert: Mi 2. Apr 2008, 12:56
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
JMaria hat geschrieben:
Kapitel 4 stellt uns nun Zienhammer vor (der bereits einen kurzen Auftritt in "Das Geheimnis des Reichs" hat). Ein seltsamer, noch nicht so recht greifbarer Charakter. Er ist schweigsam, es gibt bei ihm keine Reflektion nur Reaktion auf Situationen


Das ist mir ebenfalls aufgefallen. Zu Anfang des 4. Kapitels hatte ich auch Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, da der Stil etwas kurz wirkte und die übliche Poesie fast ganz verschwunden schien. Nur die Szene mit der Prostituierten (weißlackiere Türen !) war dann wieder der "alte" Doderer.

Das 5. Kapitel ist ebenfalls auffallend emotionslos. Die ganze Situation muss doch wahnsinnig belastend gewesen sein, zusammengehalten nur noch von der miöitärischen Disziplin. Trotzdem schildert es Doderer so, als ob diejenigen, die wirklich an die Rückkehr in die Heimat glaubten, die Dummen gewesen wären. Ich könnte mir das auch vorstellen, dass man sich nachträglich zum Selbtsschutz einredet, dass man es eh nie gelaubt hätte. Obwohl das Kapitel ohne Gefühle auskommt, hat es mich sehr mitgerissen !

Ich komme ebenfalls zum 6. Kapitel, dabei frage ich mich die ganze Zeit, was Ventruba, der mir bisher die liebste Person ist, mit alldem zu tun hat. Bei Doderer weiß man ja nie ... womöglich kommt er gar nicht mehr richtig vor.

Danke für die links, werde ich mir gleich mal anschauen !

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


Mo 11. Mär 2013, 11:09
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
Ich habe hier noch einen interessanten link zu einer umfangreichen Dissertation bzgl. Kriegsgefangene im 1. Weltkrieg. Dieser Apathiezustand war also durchaus normal.

http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/voll ... wurzer.pdf

Auch die Situation während des Bürgerkriegs wird beschrieben. Da die Tchechen die Bahn unter Kontrolle hatte, organisierten sich viele Kriegsgefangene, um gegen die Tschechen zu kämpfen.

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


Mo 11. Mär 2013, 11:45
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
steffi hat geschrieben:
Ich habe hier noch einen interessanten link zu einer
umfangreichen Dissertation bzgl. Kriegsgefangene im 1. Weltkrieg. Dieser Apathiezustand war also durchaus normal.

http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/voll ... wurzer.pdf

Auch die Situation während des Bürgerkriegs wird beschrieben. Da die Tchechen die Bahn unter Kontrolle hatte, organisierten sich viele Kriegsgefangene, um gegen die Tschechen zu kämpfen.



599 Seiten ! Wow - muß ich mir in Ruhe anschauen. Danke für den Hinweis, daß die Gefangenen unter einem Apathiezustand litten. Wenn man nämlich in Doderers Biographie über seine Erfahrungen liest und er selbst zu Wort kommt, klingt es ähnlich wie in seinem Roman Grenzwald. Es wirkt fast heiter zu anfangs, als ob die Gefangenen das bessere Los gezogen hatten, schließlich gabs in Sibirien noch genügend Essen. Man muß sich vorstellen, daß zur gleichen Zeit die meisten Wiener hungerten. Dazu kommt noch, daß Doderer seine Berufung zum Schreiben in der Gefangenschaft fand und deswegen mag diese Zeit für ihn eine Sonderstellung inne haben. Auf der anderen Seite der Bürgerkrieg der immer näher Richtung Sibirien kam und nun auch dort das Leben noch schwieriger machte, als es sicherlich bereits war.

S. 83 - eines der seltenen Szenen die offenbart, daß es Spannungen gab.

Von Zwistigkeiten, Auftritten, Krachs und Skandalen ist kaum was zu melden. Doch entstand manche bittere Feindschaft; denn Viele hatten einander bis zum äußersten Überdrusse satt...



Zitat:
Ich komme ebenfalls zum 6. Kapitel, dabei frage ich mich die ganze Zeit, was Ventruba, der mir bisher die liebste Person ist, mit alldem zu tun hat. Bei Doderer weiß man ja nie ... womöglich kommt er gar nicht mehr richtig vor.



ob er ein Opfer des Fragments wird?
Mir war er auch die liebste Person. Wie würdest du Ventruba charakterisieren? Im 5. Kapitel fasst Doderer öfters die Gefangenen in drei Personengruppen zusammen, den Ventrubas, Slunksys und Zienhammers auch desöftern den Schweyntzkreuthers genannt.

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Maria




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Mo 11. Mär 2013, 15:54
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
JMaria hat geschrieben:
ob er ein Opfer des Fragments wird?
Mir war er auch die liebste Person. Wie würdest du Ventruba charakterisieren? Im 5. Kapitel fasst Doderer öfters die Gefangenen in drei Personengruppen zusammen, den Ventrubas, Slunksys und Zienhammers auch desöftern den Schweyntzkreuthers genannt.


Ventruba ist äußerlich mit sich im Reinen, die Kriegsgefangenschaft in Italien hat er unbeschadet, ja eigentlich bereichert durch die erlernten Sprachen überlebt, er geht in Cafés, seine künftige Frau scheint angenehm und mit seinem Vater hat er eine postive Beziehung. Sein Inneres bleibt etwas verborgen, aber insgesamt würde ich sagen, ein Mensch, dem alles gelingt, der aber womöglich auch nicht allzuviel nachdenkt. Mich erinnert er an Donald aus den Wasserfällen von Slunj, der auch alles hätte haben können, wenn er die Einsicht dazu gehabt hätte.

Halfon leidet an einer Identitätskrise, die Mutter wird stark thematisiert, Doderers Metapher mit dem Bildnis deutet auf eine andere Identität hin. Ich spekuliere mal, dass er unehelich ist ... er hat rötliches Haar, die Mutter sandblond (Perücke?) und der Vater schwarzes Haar, was sich vererben würde. Ich hab ja den Maler in Verdacht ;) Zudem ist Halfon jüdisch, was zum Identitätsthema passt, außerdem war dieser Identitätsverlust ja auch sehr bestimmend in den Zeiten vor und nach dem 1. Weltkrieg.

Zienhammer ist ja eher der Opportunist, in der Szene mit dem Major, als er angibt, er habe die Tschechen aushorchen wollen, wurde mir das bewusst, auch dass er keine Freunde im Lager hat, mehr beobachtet. Auf jeden Fall nicht gerade sympathisch.

Übrigens ist mir beim Rückblättern noch aufgefallen, dass Halfon Zienhammer erfolgreich von Schuppenflechte kuriert hat. Eigentlich wollte ich rausfinden, ob es Hinweise auf die Ex-Frau von Kovacs im Zusammenhang mit Elsa Goldstein gibt, hab aber nicht wirklich etwas gefunden, sie ist ebenfalls stattlich und kurz vor Kriegsausbruch verwitwet, über die Wohnungsaustattung findet sich aber nichts.

Also für einen handlungsarmen roman muet passiert schon erstaunlich viel :D Manchmal irritiert mich der Erzähler, gerade im 6. Kapitel (ich bin ca. in der Mitte), z.B. S.133 Wassilij Andrejewitsch Jegorow - wir kennen ihn schon als späteren Nachbarn des Doktor Alfons D. Halfon - ... da hätte ich einen dezenteren Hinweis erwartet. Aber man darf ja wirklich nicht vergessen, dass es sich um ein Fragment handelt.

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


Di 12. Mär 2013, 09:55
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Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07
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Beitrag Re: Leserunde: Heimito von Doderer - Der Grenzwald
steffi hat geschrieben:
Übrigens ist mir beim Rückblättern noch aufgefallen, dass Halfon Zienhammer erfolgreich von Schuppenflechte kuriert hat. Eigentlich wollte ich rausfinden, ob es Hinweise auf die Ex-Frau von Kovacs im Zusammenhang mit Elsa Goldstein gibt, hab aber nicht wirklich etwas gefunden, sie ist ebenfalls stattlich und kurz vor Kriegsausbruch verwitwet, über die Wohnungsaustattung findet sich aber nichts.



Die Schuppenflechte lässt mich eher vermuten, daß Zienhammer der Vater von Dr. Halfon sein könnte, denn hat nicht Halfon ebenfalls eine Schuppenflechte bekommen?

bei 'Schuppen' fällt mir so spontan 'Schlange, Drache' ein, ein Symbol das Doderer gerne hernimmt für Erinnerung und Vergangenheit.

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Di 12. Mär 2013, 18:42
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