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 Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel 
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Registriert: Mi 2. Apr 2008, 12:56
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
Auf S. 130ff unterhalten sich im August 1825 zwei Ungenannte aus dem Berliner Künstlerverein. Wer das wohl gewesen sein mag ?

Ich vermute auch, dass mit Peter Schlehmihl eigentlich Chamisso gemeint ist. Schließlich war der interessanterweise auch mal Page bei Luise von Preußen.

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Gruss von Steffi

:lesen:
John Banville: Eclipse


Mo 20. Okt 2014, 18:29
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Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
steffi hat geschrieben:
Auf S. 130ff unterhalten sich im August 1825 zwei Ungenannte aus dem Berliner Künstlerverein. Wer das wohl gewesen sein mag ?



Vielleicht sollte dieses Gespräch nur dazu dienen, zwei Ansichten zu sehen, übrigens sehr feinsinnig gemacht.

Es spiegelt das wider, was mir beim Lesen öfters in den Sinn kam, die Insel auf der einen Seite wie eine Arche Noah, als Schutz, denn hätte Marie in der Welt draußen eine Chance gehabt? Auf der anderen Seite auch eine grausame Art, wie die Insel des Dr. Moreau, die durchdringenden Blicke, die Marie ausgesetzt ist und sie sich abwechselnd als Monster, Tier, Ding sehen lässt, ist einer Vivisektion im übertragenen Sinne zu sehen.

?... "Dieses Geschöpf hat, mit Verlaub, nichts, aber auch garnichts mit der göttlichen Ordnung zu tun......"

"Es ist genau so, wie du es sagst. Und dennoch: Aus den Augen jenes Wesens sprach mich etwas an....

Ich mußte plötzlich daran denken, wie sehr wir doch die Knechte unserer Zeit sind, ohne eigentlich zumessen, was die Dinge, die wir aufgeben oder verlieren, in Wirklichkeit bedeuten."




Dennoch habe ich mal nachgeschaut welcher Schriftsteller zu dieser Zeit Mitglied der Preußischen Akademie der Künste war, unter Johann Gottfried Schadow und fand nur Goethe, der 1825 bereits 76 Jahre war. Wäre interessant zu wissen, ob es Vorbilder gibt.


Zitat:

Ich vermute auch, dass mit Peter Schlehmihl eigentlich Chamisso gemeint ist. Schließlich war der interessanterweise auch mal Page bei Luise von Preußen.


Und schnallte sich seine Siebenmeilenstiefel an um nach Griechenland zu reisen (S. 142) :mrgreen:

Jedenfalls ist das Verweben von Märchenhaften und Realität sehr fein gemacht. Das Lesen macht große Freude.

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Maria




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In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


Di 21. Okt 2014, 14:18
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Registriert: Mi 2. Apr 2008, 12:56
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
:mrgreen: Immerhin hatte Chamisso eine Weltreise hinter sich !

Und natürlich die Bezüge zwischen Schlemihl (also Chamissos Schlemihl) und Marie sind auch vorhanden. Beide aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Ich lese es auch sehr gerne. Der Stil hat sich mir Marie und der Weiterentwicklung der Insel verändert.

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Gruss von Steffi

:lesen:
John Banville: Eclipse


Di 21. Okt 2014, 15:34
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Registriert: Do 8. Mai 2008, 11:12
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
Was mich immer ziemlich ratlos den Kopf schütteln lässt, ist dieser Ex-und-Hopp-Umgang mit den Tieren und Pflanzen auf der Insel. Da werden aus allen Ecken der Welt exotische Tiere auf die Insel gekarrt, bei denen es doch schon vorprogrammiert ist, dass die unter den klimatischen Bedingungen keinesfalls überleben können, geschweige denn die miserablen Bedingungen, unter denen sie gehalten werden. Bezeichnend dafür ist z. B. die Geschichte mit dem Elch, dessen Ernährung man einfach mal so auf Getreide und Kartoffeln umstellen will, denn der Unterhalt der Tiere soll möglichst wenig Geld kosten. Parallelen zur heutigen Zeit lassen sich gerade in Bezug auf unseren Umgang mit Nutztieren und Massentierhaltung ziehen. Die Szene, als Marie in der Ruine die verbrannten Tierkadaver entdeckt, spricht für sich.

Gelungen finde ich es auch, wie der Autor immer wieder die Sicht auf Schönheit in Frage stellt und den Anspruch an “Schönheit”, ein Anspruch, der ja auch heutzutage in vielen Bereichen Menschen einschränkt und ausgrenzt.

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Yvonne


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Di 21. Okt 2014, 16:38
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
JMaria hat geschrieben:
steffi hat geschrieben:
Auf S. 130ff unterhalten sich im August 1825 zwei Ungenannte aus dem Berliner Künstlerverein. Wer das wohl gewesen sein mag ?



Vielleicht sollte dieses Gespräch nur dazu dienen, zwei Ansichten zu sehen, übrigens sehr feinsinnig gemacht.

Ich vermute auch, dass der Autor hier keine bestimmten Personen im Sinn gehabt hat, sondern dass es eher um die Unterhaltung an sich ging, die ich übrigens auch sehr feinsinnig fand, sodass ich sie mir gleich zweimal durchgelesen habe.

Ich ertappe ich mich übrigens öfters mal dabei, Passagen in dem Buch mehrmals zu lesen. ;)

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Yvonne


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Di 21. Okt 2014, 16:45
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
steffi hat geschrieben:
:mrgreen: Immerhin hatte Chamisso eine Weltreise hinter sich !

Und natürlich die Bezüge zwischen Schlemihl (also Chamissos Schlemihl) und Marie sind auch vorhanden. Beide aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Ich stelle fest, dass sich bei mir hier eine Bildungslücke auftut. Ich hab zwar von Chamisso schon mal was gehört, und mir ist auch Peter Schlemihl ein Begriff, aber die Geschichte an sich kenne ich nicht. Deshalb hab ich mir jetzt gleich mal die günstige Anaconda-Ausgabe geordert. :mrgreen:

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Di 21. Okt 2014, 16:57
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
Hallo zusammen,

@Yvonne, ich habe mich auch schon dabei ertappt, wie ich manche Sätze mehrmals lese.

Eigentlich sollte man glauben, daß so eine Menagerie der Umgebung eine Aufwertung geben würde, doch mit dem Beginn der linearen Struktuierung des Bodens durch Linné wird es absurd, gruslig und grausam realistisch.

Auch Marie erkennt, daß der Titel "Schloßfräulein" nur noch ein Karnevalskostüm ist. (S. 145)

Ich habe mit dem 5. Kapitel "Die Menagerie" begonnen.

Übrigens, dieser Harry, über den Marie begierig in der Vossischen Zeitung las, ist dieser hier:

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Harry_Maitey
Leider ist die Vossische Zeitung erst ab 1918 digitalisiert, sonst hätte man die Artikel evtl nachlesen können.

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Maria




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Di 21. Okt 2014, 16:58
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
JMaria hat geschrieben:
Ich habe mit dem 5. Kapitel "Die Menagerie"

Ich bin mit dem 6. Kapitel bereits fertig und werde jetzt mal eine Pause einlegen, bis ihr "nachgerückt" seid, sonst nehme ich vielleicht zu viel vorweg.

JMaria hat geschrieben:
Übrigens, dieser Harry, über den Marie begierig in der Vossischen Zeitung las, ist dieser hier:

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Harry_Maitey

Super, danke für den Link, Maria.

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Di 21. Okt 2014, 17:08
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
Auch ich lese manche Passagen zweimal. Mich fasziniert, wie er elegant die Dinge beschreibt. Ich finde es auch spannend, herauszufinden welche Themen Hettche anschneidet. Schönheit, vielleicht im Hinblick auf die Gesellschaft, und Menschenwürde.

Ist euch aufgefallen, dass zu Beginn Christian mit seiner Zottelhose wie ein Faun wirkt ? Mit seinem Weggang und der Umgestaltung der Insel verfliegt das märchenhafte.

Zu Beginn ist die Pfaueninsel und ihre Bewohner zauberhaft, märchenhaft. Alles geht einen ruhigen, natürlichen Gang. Als es dann die Möglichkeiten gibt, die Natur zu beherrschen, wird dieses getan. Der Umbau dient ja nicht dem Zweck, dass alles ästhethisch und natürlich ist, sondern um das zu tun, was möglich ist. Die Humboldt-Uni Berlin wurde 1810 eröffnet, eine Uni nach naturwissenschaftlichem Verständnis. Die Natur ist nicht mehr angenehm und schön. Und so, wie die Tiere achtlos sterben, so stirbt ein Stück der Menschenwürde.

Ich bin im 6. Kapitel.

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John Banville: Eclipse


Do 23. Okt 2014, 11:47
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
Nein, die Zottelhose hab ich garnicht so registriert. Bestimmt übersah ich noch einige märchenhafte Elemente. So auch der Scherenschnitt den Peter Schmehil von Marie machte. Das hat doch etwas schattenhaftes.

Die Romantik verabschiedet sich immer mehr, die Technisierung hält Einzug. So auch dieses seltsame mechanische Gerät an der die Kammerzofe kurbelt im Kapitel 5.

Die sexuelle Komponente im Buch irritiert mich schon. Das Inzestverhältnis zwischen den Geschwister, der König und Marie, ihre Sehnsucht nach Gustav. Es ist so traurig.

Ich bin auch im 6. Kapitel.

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Maria




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Do 23. Okt 2014, 14:39
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