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Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel
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Seite 4 von 4

Autor:  steffi [ So 26. Okt 2014, 19:26 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Ich finde, je weiter man in der Geschichte kommt, desto trauriger wird es auch. Neben den Menschen entwickelt sich die Flora auf der Pfaueninsel auch immer mehr zur rational gestalteten Kun8st. Ich finde es sehr schön, wie Hettche sich dafür Gustav aussucht um diesen Zeitgeist einzufangen.

Ich bin etwas vorgeprescht, weil ich bis Freitag nicht da bin und komme zum 9. Kapitel.

Autor:  JMaria [ Do 30. Okt 2014, 11:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Schönen Urlaub, steffi :)

Im 6. Kapitel ist Gustav zurück und das Verhältnis zwischen ihm und Marie scheint sich zu verbessern. In den Diskussionen, zum ersten Mal äußert sich Marie über die Bücher die sie liest, sind sie auf Augenhöhe.

Doch man spürt, das Gustav nicht begehren möchte....

"Pflanzen Begehren nicht. Und sie fügen keinem ein Leid zu."

In einem vorherigen Kapitel wurde ja erwähnt, daß er sich als Pflanze sieht, Marie hingegen als Tier.

Autor:  JMaria [ Mo 3. Nov 2014, 11:17 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Hallo steffi, hallo Yvonne,

ich habe das Buch am WE beendet und es fällt mir nicht leicht, aus der Geschichte aufzutauchen. Maries Schicksal, wie es Thomas Hettche beschreibt, bewegt mich zutiefst. Schonungslos geht er vor und wie oft in Märchen ist ein Stück Grausamkeit darin bereitet, ein großes Stück Grausamkeit. Ihr Mut, mit 60 Jahren von der Insel zu kommen, kam zu spät. Nur am Ende ihres Lebens hatte Marie noch eine bewegendes Erlebnis mit einem jungen Besucher aus Ceylon. Auch wie sich die Natur die Pfaueninsel zurückholt, gerafft erzählt, fand ich gut gelöst.

Raffiniert zieht der Autor in ausgewählten Szenen den Leser immer wieder mit rein, besonders grausam (sag ich mal) ist die Stelle auf S. 251 und 252, da heißt es:

Jenes Wort, mit dem diese Geschichte damals begann und dem wir gefolgt sind zu ihr und in dem wir sie begafft haben, ebenso, wie wir in dem Wort Königin jene junge Frau mit den flackernden Wangen begafft haben, die nun schon über ein Vierteljahrhundert tot war. Monster. Nichts bedeutete dieses Wort nun noch für Marie.

das ist schon eine starke Aussage uns wie Gaffer erscheinen lassen, gleich wie die Besucher der Pfaueninsel. Der Autor traut sich was.

die märchenhafte und grausame Realität, die wunderbaren Beschreibungen der Insel und der Natur werde ich so schnell nicht vergessen.

Autor:  steffi [ Mo 3. Nov 2014, 13:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Ich habe es ebenfalls gestern ausgelesen. Ich kann meine Gedanken noch gar nicht so in Worte fassen, zuviel ist da einfach hineingepackt. Was ich aber nicht negativ meine.

JMaria hat geschrieben:
Jenes Wort, mit dem diese Geschichte damals begann und dem wir gefolgt sind zu ihr und in dem wir sie begafft haben, ebenso, wie wir in dem Wort Königin jene junge Frau mit den flackernden Wangen begafft haben, die nun schon über ein Vierteljahrhundert tot war. Monster. Nichts bedeutete dieses Wort nun noch für Marie.


Diese Stelle hat mich auch beeindruckt. Wie leicht ist es doch, unersättlich nach immer neuen Geschichten zu gieren und den tatsächlichen Menschen zu vergessen.

Autor:  YvonneS [ Mo 3. Nov 2014, 14:23 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Hallo ihr Beiden,

diesmal hänge ich etwas hinterher, mir fehlen noch drei Kapitel. Ich bin in der vergangenen Woche kaum zum Lesen gekommen und übers Wochenende war Familie da. Ich werde das Buch aber in dieser Woche ganz sicher fertiglesen.

Autor:  JMaria [ Mi 5. Nov 2014, 11:34 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Das traurige ist, daß Marie nie als Frau gesehen wurde, entweder als eine Monstrosität, eine Kuriosität, eine Märchenfigur, eine Mißgeburt, je nach Ansicht des einzelnen auf der Insel, ob Gärntner Fintelmann, Architekt Linné oder die vielen Besucher die auf die Insel kommen. Selbst der König beutet sie sexuell aus. Als man hoffen konnte, dass mal einer in ihrem Leben sich für sie interessierte und für sie kochte, was an sich ja sehr sinnlich beschrieben wurde, endete es wie üblich in Ausbeutung ihres Körpers.

Autor:  YvonneS [ Do 6. Nov 2014, 10:45 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Hallo Steffi und Maria,

ich habe das Buch mittlerweile auch beendet, muss das Ganze aber noch bisschen sacken lassen und werde dann am WE noch meinen Senf dazu geben. Es war definitiv ein sehr gutes, sehr dichtes Buch.

Autor:  steffi [ Do 6. Nov 2014, 12:11 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Ich finde, es gibt einige traurige Stellen im Buch, insgesamt war es für mich recht melancholisch. Auf Kosten des Fortschritts wird so viel zerstört und es gibt viel Grausamkeit auf der Welt. Auch von Menschen, denen man das gar nicht, so wie Gustav, zutraut, die sich aber der Sache beugen. Auch aufgrund von Unüberlegtheit bzw. mangelnder Empathie.

Das war für mich eigentlich das Traurigste und zugleich das Deutlichste - dass man mit unüberlegtem Handeln so viel zerstören kann.

Autor:  JMaria [ Fr 28. Nov 2014, 14:42 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Erster Bayerischer Buchpreis geht an Schriftsteller Hettche für "Pfaueninsel"

Das lässt sich doch sehen, nachdem er in diesem Jahr bereits den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, ebenfalls für die "Pfaueninsel" bekommen hat.

Autor:  steffi [ Sa 29. Nov 2014, 20:11 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Leserunde: Thomas Hettche - Pfaueninsel

Das ist super !

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