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 Woodrell, Daniel: Winters Knochen 
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Registriert: Do 27. Mär 2008, 13:34
Beiträge: 11808
Beitrag Woodrell, Daniel: Winters Knochen
Woodrell, Daniel
Winters Knochen

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Genre: Erzählung
Seitenzahl: 223
Verlag: Liebeskind
Format: HC
Preis: 18,90 €
ISBN: 9783935890762
Bewertung: 9 Punkte
(von 10 möglichen Punkten)

Inhalt:

Jessup Dolly taucht unter, als der Winter kommt. Seiner Familie, die in bitterarmen Verhältnissen im Hinterland von Missouri lebt, fehlt es an allem. Sie haben kaum etwas zu essen und nicht einmal genug Feuerholz, um das Haus warm zu halten. Aufopferungsvoll kümmert sich Jessups sechzehnjährige Tochter Ree um ihre pflegebedürftige Mutter und die beiden jüngeren Brüder. Doch dann passiert das Unvermeidliche. Die Polizei steht vor der Tür und teilt Ree mit, dass ihr Vater, der schon einmal wegen Drogengeschäften im Gefängnis war und nun erneut unter Anklage steht, das Haus für seine Kaution verpfändet hat. Wenn Jessup nicht bei Gericht erscheint, verliert seine Familie alles, was sie hat. Ree bleibt eine Woche Zeit, um ihren Vater zu finden tot oder lebendig.

Meine Meinung:

In einer Pressestimme der Chicago Tribune zu dem Buch heißt es: "Sätze wie in Stein gemeißelt.“ Das stimmt. Gnadenlos und ohne Schnörkel stehen die Sätze da, und beschreiben den Winter und das Leben dort im Hinterland von Missouri, in all seiner Härte. Die dort ansässigen Clans, deren Gesetze man mehr achten muss, als die Gesetze des Landes, leben seit Generationen dort.

Tief verwurzelt mit dem Land und den rauen Wintern dort, haben sich die Menschen ihrer Umgebung angepasst. Zeigen sich genauso schroff und unwirtlich. In dieser rauen Welt ist es eine Schwäche, so etwas wie Liebe oder Gnade zu empfinden. Eine Schwäche, die gefährlich ist. Denn es geht ums Überleben – ums Überleben der Clans und ums Überleben des Einzelnen. Jeder muss gucken wo er bleibt, und sich innerhalb der Regeln der Clans bewegen. Wer nur eines von beidem nicht beherrscht oder die Regeln nicht einhält, hat sein Leben verspielt. Innerhalb dieser Gesetzmäßigkeiten muss die Lösung um Jessups Verbleib liegen. Und mit diesen Grundsätzen muss nun Ree ihre Brüder aufziehen, und ihnen Härte beibringen, da der Vater verschwunden, und die Mutter geistig der Welt entrückt ist. Da gab es kleine, aber erschütternde Szenen. Man möchte ihnen entfliehen, wie der kleine Bruder von Ree, dem Dinge gezeigt und beigebracht werden, von denen er am liebsten gar nichts wissen will. Aber in dieser Welt muss man sich den unschönen Dingen des Lebens stellen, sonst hat man keine Chance. Ree trägt dieses Wissen in sich. Schließlich ist sie selbst unter diesen Bedingungen aufgewachsen und kennt es gar nicht anders. Eine Alternative stellt sich ihr gar nicht.

Je weiter sie sich durch das Dickicht des Schweigens kämpft, dass die Clans um Jessups Verschwinden breiten, umso mehr möchte man sie bewundern für ihren Mut, der eigentlich kein Mut, sondern die blanke Verzweiflung ist. Mutig erscheint es nur solange man die Dringlichkeit nicht in vollem Umfang erfasst, die diese Angelegenheit für Ree hat. Für einen Menschen, der das bisschen verteidigen muss, was er im Leben hat.

Daniel Woodrell findet intensive und kraftvolle Beschreibungen für die Landschaft, den Winter, und für die Figuren. Alles erscheint vor dem inneren Auge so karg und so präzise. Ich war unterwegs mit Ree, habe den Schnee gesehen, die Kälte gespürt, und habe Rees Entschlossenheit erlebt.

Mir ist die Geschichte unter die Haut gegangen, doch das geschah ganz allmählich. Gerade weil es der Geschichte vollständig an Sentimentalität fehlt, und Ree einfach nur tut, was sie tun muss, war ich immer stärker ergriffen. Weil mir ihre Not und ihre ausweglose Situation dadurch noch stärker bewusst wurden. Und die Unausweichlichkeit so mancher Dinge, die am Ende dieser Suche erkennbar werden. Daniel Woodrell hat das Buch brillant zu Ende geführt. Wieder kein Wort und keine Erklärung zu viel, sondern alles folgt den Gesetzmäßigkeiten des Lebens dort draußen. Nichts ist kompliziert, sondern alles einfach und knallhart. Mehr muss man nicht wissen. Und weiß wer doch zu viel, so ist sein Ende vorgezeichnet. All das hat Woodrell mit einer eigenartig rauen Poesie eingefangen, was mich sehr beeindruckt hat.

Ein eigenwilliges Buch, eigenwillig erzählt, und brillant zu Ende geführt. Unspektakulär, und dennoch gewaltig. (Petra)

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Fr 16. Dez 2011, 16:46
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