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 Hamberg, Emma: Landliebe gesucht 
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Registriert: Sa 27. Sep 2008, 19:19
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Wohnort: südl. Niederösterreich
Beitrag Hamberg, Emma: Landliebe gesucht
1. Meinung:

Brunstkalendern

Über das Brünstigsein lesen wir so manches in „Landliebe gesucht“. Über das animalische Brunstverhalten im Kuhstall, von den Bauersleuten nach Stichtag und geeigneten Besamungstagen kalendarisch verwaltet, einerseits. Über das menschliche Pendant andererseits, das im Falle von Asa und Adam, zweier wesentlicher Protagonisten des Buches, ebenfalls nach Kalender geregelt ist. (Meine Tastatur und ich beherrschen leider den schwedischen Kringel über dem ersten A von Asa nicht!) Der lange gehegte und bislang unerfüllte Kinderwunsch der beiden verleitet sie zu dieser erschöpfenden Gestaltung.

Das Sexualverhalten der drei Schwestern Lena, Marie und Asa, von denen der Roman erzählt, ist allerdings nur ein Punkt, in dem sie sich wesentlich unterscheiden. Auch ihre übrige Lebensführung zeigt sie als sehr voneinander verschiedene Menschen. Gemeinsam auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, bringt es die Wahl ihrer erwachsenen Lebenswege mit sich, dass sie einander viel zu erzählen haben, aus jeweils wenig bekannten Welten. Wirkliches gegenseitiges Interesse erwacht in den Schwestern allerdings erst, als ein Schicksalsschlag sie wieder näher zusammenrücken lässt. Dann dafür aber heftig und bisweilen sogar handgreiflich. Die Intensität der Begegnung und die sich daraus ergebenden Komplikationen, wecken im freundlich gesinnten Leser den Wunsch, dass den Schwestern und ihren Familien und Partnerschaften nach Seite 347, also nach dem Ende des Buches, eine harmonische Zeit gegönnt ist.

„Landliebe gesucht“ sei ein Frauenbuch, erinnere ich mich an die Aussage eines vorablesen.de Beitrages. „Stimmt nicht“, behaupte ich, auch wenn ich mir sicher bin, dass es zu einem weitaus überwiegenden Teil Leserinnen finden wird. Es ist ein Menschenbuch. Zwar steht die Geschichte und das Innenleben der drei Schwestern relativ deutlich im Vordergrund, aber das in Beziehung zu ihren Partnern, ihren Kindern, ihrer Herkunftsfamilie und zu einigen anderen Menschen. Und all diese anderen Menschen kommen auch zu Wort, für mein Gefühl gleichberechtigt und gleich wichtig wie die Heldinnen. Und in der Mannigfaltigkeit der auftretenden menschlichen Menagerie findet man als Leserin oder Leser bestimmt die eine oder andere Figur, mit der man sich identifizieren kann. (Ich konnte das übrigens mit Lena und ihrem Mann Robert in etwa gleich intensiv.)

„Etwas dick aufgetragen, die große Verschiedenheit der Charaktere und die Dichte der gleichzeitigen Ereignisse in den einzelnen Leben“, dachte ich zwischendurch. Doch dann sah ich mich gedanklich ein Wenig in meiner persönlichen Umgebung um, und erkannte schnell, das Buch ist sehr nahe an der möglichen Realität. Und gut geeignet, über eigenes zu reflektieren. (Für mich jedenfalls eher, als zum Beispiel ein Krimi mit balkankriegsgestählten Auftragsmördern, obwohl ich auch solches durchaus gerne lese.)

Ich hatte das in flüssigem Stil geschriebene Buch mit dem unsäglichen Titel in einer Urlaubsnacht durch. Zunächst wünsche ich ihm viele Leserinnen und Leser. Und im Falle einer Neuauflage einen anderen Titel. (Wer wird ihm den wohl geben , wenn es sich mit dem Unsäglichen gut verkauft hat...?) Denn wie man vom griffigen schwedischen Original „Brunstkalendern“ auf die lapidare Joghurtwerbung „Landliebe gesucht“ gekommen ist, bleibt mir verborgen, zumal ich keinen wirklich dringenden Zusammenhang zwischen diesem Titel und dem Inhalt erkenne. (Jogl Bauer)

2. Meinung:

Einzigste Gemeinsamkeit: Lebenskrise


Inhalt:
Die drei Schwestern Lena, Marie & Äsa sind in allen Belangen grundverschieden. Lena ist Herrin über ihre Rasselbande, einen kleinen Privatzoo und einen Mann, dessen Firma seine Familie ist und umgekehrt. Außerdem muss sie in Teilzeit arbeiten, sonst würde das schon ohnehin knappe Geld nicht ausreichen. Sex hatten sie und ihr Mann Robert schon lange nicht mehr.
Marie lebt mit ihrem Rottweiler Otto ininer kleinen Wohnung, sie ist Barchefin und kommt mit ihrem Geld eigentlich ganz gut aus. Sie gönnt sich nur hin und wieder ein sexuelles Abenteuer mit einem ihrer drei Gelegenheitsliebhaber und hat bereits mehrere Abtreibungen hinter sich.
Äsa. die erfolgreiche Karrierefrau dagegen lebt mit ihrem Mann Adam in einer riesigen Wohnung und hat immer genug Geld. Für sie kommt Sex nur kurz vor dem Eisprung in Frage um endlich das lang ersehnte Wunschkind zu bekommen.
Doch eins haben die Schwestern trotz aller Unterschiede gemeinsam: Jede von ihnen ist unglücklich und steckt in einer Lebenskrise. Lena ist komplett überfordert, marie einsam und unzufrieden mit ihrem Chef und Äsa leidet immer mehr unter ihrer Kinderlosigkeit. Als die Schwestern dann einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten müssen, ist bald nichts mehr so wie es davor war...

Zum Autor:
Emma Hamberg, geboren 1971 im schwedischen Vänersborg, hat mehrere Kinder- und Jugendbücher geschrieben sowie als Comiczeichnerin und für Rundfunk und Fernsehen gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Töchtern in einem Vorort von Stockholm.

Meine Meinung:
Das Buch enthält mehr, als es durch den Titel zu enthalten scheint. Denn um einen einfachen Liebesroman handelt es sich nicht, denn nur nach Liebe sucht hier niemand. Es handelt von der Suche dreier Schwestern nach einer besseren Zukunft.
Anfangs hat jede Schwester einen eigenen Handlungsstrang, aber durch die Ereignisse vermischen sich diese immer mehr miteinander.
Erzählt wir diese Suche in der 3. Person, aber man kennt auch die Gefühle und Gedanken der Protagonisten. Die Autorin hat eine familiäre, moderne & offene Erzählweise gewählt, die aber oft ländlich plump wirkt. Die meist kurzen und abgehackten Sätze machen es etwas anstrengend das Buch zu lesen, auch wenn es nicht sehr anspruchsvoll ist. Die humorvollen Stellen sind aber mit Witz geschildert und haben mit gut gefallen.
Die Autorin hat für ihren Roman vielseitige Protagonisten geschaffen, die oft typische Klischees (gestresst Mutter „parkt“ Kinder vor dem Fernseher...) erfüllen. Die überschaubare Anzahl an Hauptpersonen sorgt dafür, dass man jede von ihnen gut kennenlernen kann und auch jede davon viel Tiefgang besitzt. Allerdings sind leider auch fast alle Figuren äußerst unsympathisch, allen voran die überforderte Mutter Lena, die bei jedem Dü-de-li-dü-dö des Eiswagens- der von einem charmanten und gut aussehenden Mann gefahren wird, der Lena’s Herz schneller schlagen lässt - aus dem Haus rennt und vom letzten Geld Eis ohne Ende kauft. Aber auch die Irene, die Mutter der Schwestern, die Äsa mit einer Kuh vergleicht die geschlachtet wurde, weil sie kein Kalb geboren hatte und ihrer Töchter teils kalt behandelt wirkt durch ihre unsensible, abweisende Art sehr unsympathisch.

Fazit:
Erwartet hatte ich ein vorhersehbares, vor sich hindümpelndes Buch. In der Beziehung ist es der Autorin gelungen mich zu überraschen. Überzeugen konnte sie mich allerdings nicht. Zwar ist die Idee neu, aber die Umsetzung weißt zuviel Altbekanntes auf. Auch die Vor- und Nachteile eines jeden Lebenstils werden aufgezeigt, diese sind allerdings oft viel zu überzogen dargestellt. Und das Ende ist leider schlecht und genauso abgehackt, wie der Schreibstil der Autorin.
Deswegen von mir nur 2 von 5 möglichen Landliebepunkten. (keksigirl)

3. Meinung:

Eine positive Überraschung

Als ich den Titel dieses Buches las, dachte ich sofort "Oh nein, nicht ein Buch im Stil von Bauer sucht Frau". Auch der Klappentext konnte mich beim besten Willen nicht überzeugen. Wider erwarten hat das Buch aber mit seinem Cover und Klappentext eigentlich wenig bis gar nichts gemein. Deshalb wurde ich sehr positiv überrascht.

Es ist eine Geschichte dreier sehr unterschiedlicher Schwestern. Als Kinder sind sie zusammen auf dem Hof ihrer Eltern aufgewachsen, wo es viel Arbeit mit den Tieren (speziell Kühen) gab. Frühes Aufstehen und körperliche Anstrengung gehörten zur Tagesordnung.
Mittlerweile sind die 3 erwachsen und haben sich sehr verschieden entwickelt. Marie ist Barkeeperin in einer Rock-Bar, hat sich die Brüste vergrößern lassen und kümmert sich auch sonst eher um ihr äußeres Erscheinungsbild. Von ihrer Mutter hat sie sich nie verstanden gefühlt.
Lena ist schon früh Mutter geworden, hat mittlerweile vier Kinder, so einige Haustiere und einen meist abewesenden Mann names Robert.
Asa lebt allein mit ihrem Mann Adam in der Stadt. Zusammen haben sie eine riesige Wohnung und fühlen sich damit eigentlich gar nicht so wohl. Zwar haben sie viel Geld, aber noch viel lieber hätten sie ein Kind, was sich aber als schwieriger herausstellt, als erwartet.
Alle drei sind nicht zufrieden mit ihren Leben und als dann auch noch der geliebte Vater stirbt, überschlägt sich alles. Sie fühlen sich auch unverstanden und es muss sich einfach etwas in den Leben der Drei ändern.

Anfangs dachte ich ja, dass das Buch sehr von Vorurteilen behaftet ist und sich zu vieler Klischees bedient. Doch je länger ich gelesen habe, desto mehr überzeugte mich das Buch. Die Figuren wirken immer echter und trotz ihrer Unterschiedlichkeit kann man sich in ihre Probleme hineinversetzen. Wirklich liebevoll beschreibt Emma Hamberg die drei Schwestern und man muss sie einfach alle mögen. Zwar tun sie sich auch gegenseitig weh und sind manchmal nicht ganz fair den anderen gegenüber, aber trotzdem wird ihre Liebe zueinander klar ausgedrückt. Ihnen ist immer bewusster, dass man den Lebensstil und die Einstellungen der anderen nicht immer verstehen muss, um sich damit zu arrangieren und sie zu akzeptieren. Für jeden ist etwas anderes richtig und gut.

Sprachlich kann man das Buch sicher nicht als hoch-literarisch bezeichnen, aber das muss es auch gar nicht sein. Es handelt sich ja um das Leben drei ganz normaler Schwestern und so wirkt der Sprachstil auch echt und passend zur Situation. So kann man das Buch sehr schnell lesen und ist doch traurig, wenn es vorbei ist. Man schließt die Figuren einfach ins Herz und gerade Maries Humor gefiel mir äußerst gut.

Als negative Punkte kann ich wirklich nur anmerken, dass der Titel und der Klappentext nicht passen. Man könnte wirklich denken, dass diejenigen, die dafür verantwortlich sind, das Buch gar nicht gelesen haben.
Am besten davon lässt man sich nicht abschrecken und liest diesen schönen, liebevollen und feinfühligen Familienroman selbst. Dann kann man sich nämlich eine passendere Meinung bilden.

Gern würde ich auch eine Fortsetzung lesen, denn möglich wäre diese auf jeden Fall. (Daniliesing)


So 30. Nov 2008, 02:30
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