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 Kanehara, Hitomi: Obsession 
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Registriert: Mo 13. Okt 2008, 18:49
Beiträge: 15
Beitrag Kanehara, Hitomi: Obsession
Sinnlose Geschichte einer liebeskranken Japanerin

Inhalt:

Rin ist 22, erfolgreiche Schriftstellerin und hat vor kurzem ihren Traummann geheiratet. Doch glückich ist sie nicht, denn etwas stimmt nicht mit ihr. Sie ist besessen von der Liebe zu ihrem Mann Shin, lässt ihm keine Luft zum Atmen und würde lieber sterben als von ihm betrogen zu werden oder ohne ihn leben zu müssen. Rin weiß, dass ihre extreme Abhängigkeit und Eifersucht nicht gut sind, denn es nicht ihre erste Beziehung die genau daran zu scheitern droht. Doch sie kann einfach nicht anders, hinter jeder Kleinigkeit vermutet sie den großen Betrug.
Wird es ihr gelingen ihr Leben zu ändern?

1. Meine Meinung:

Der neue Roman von Hitomi Kanehara umfasst glücklicherweise nur 221 Seiten. So ist die Lektüre schnell beendet und man muss seine Zeit nicht mehr an ein so sinnloses Buch verschwenden.
Der Leser wird nämlich ziemlich im Stich gelassen, die Autorin lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern. Wozu wird das leben von Rin geschildert, wenn dann immer wieder im entscheidenden Moment ein Bruch erfolgt? Was will die Autorin damit erreichen, etwas Lust auf eine Fortsetzung machen? Sollte das ihr Ziel gewesen sein, hat sie dafür die falschen Mittel verwendet.

Die Charakterzeichnung ist stumpf & eintönig, einfach langweilig. Rin selbst ist einfach nur nervig und unglaubwürdig. Soll es wirklich eine Frau geben, die beim Sex mit ihrem Unterleib spricht? Die sich ein Wesen namens „Smith-Smith“ schafft, nur um ihre Probleme und Ängst auf das Handeln dieses Wesens schieben zu können? Das kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem ist die Eifersucht der Hauptprotagonisten, aus deren Sicht die komplette Handlung geschildert wird, einfach nur überzogen und der Verfolgunswahn unter dem sie leidet ist grenzenlos.

Auch die Handlung ist völlig flach, jeder Abschnitt läuft nach demselben Schema ab. Kommt dann endlich etwas Hoffnung auf Spannung auf, wird diese sofort wieder im Keim erstickt. Die plötzlichen Abbrüche der einzelnen stoppen die Lust am Lesen, Fragen die im Laufe des Romans auftauchen bleiben unbeantwortet.
Die wirren Gedankengänge von Rin sind nicht nachvollziebar und schwer zu verfolgen. Zudem kommt es oft zu Gedankensprüngen, die zusätzlich für Verwirrung sorgen.

Die Vergangenheit der Protagonistin mag zwar ihren labilen Charakter der Gegenwart erklären, gibt aber keine Aufschlüsse darüber warum Rin schon in ihrer Kindheit und Jugend diese Probleme hatte.
Lediglich der Aufbau der Geschichte ist strukturiert, klar und geordnet.
Die Sprache, die zu Anfang noch leicht & locker ist, schlägt schnell um und ist nach wenigen Seiten nur noch derb, niveaulos und beleidigend.

Fazit:

Aufgrund der vielen Schwächen hat es mir keine Freude bereitet das Buch zu lesen.
Ein Buch, das leider keine einzige Minute der Zeit verdient, die man zum Lesen benötigt. (keksigirl)

2. Meinung:

Autofiktion? - hoffentlich nicht!

Rin und Shin sind auf dem Rückflug ins heimische Japan. Es ist die Rückreise von ihren Flitterwochen und schnell wird deutlich, dass Rin sowohl sehr verliebt als auch extrem eifersüchtig ist. "Dank" ihrer blühenden Fantasie ist sie fest überzeugt, dass eine Stewardess hinter ihrem Mann her ist und ihr Mann ihr fremdgeht.

Was anfangs noch einigermaßen amüsant-überspannt daherkommt, artet schnell zu kranken und vor allem nervigen Fantasien aus. Ziemlich am Anfang des Buches sagt Rin zu sich selbst: „Es musste etwas Originelleres her. Etwas Witziges, eine Geschichte mit Esprit.“ Genau das ist „Obsession“ leider nicht. Stattdessen erwartet den Leser eine Tour de Force kranker und abstruser Sexfantasien, sowie exzessiver Eifersucht.
Rins Stimmungsschwankungen lassen jeden pubertierenden Teenager ruhig und ausgeglichen erscheinen. Sie geht grundsätzlich davon aus, dass andere Menschen ihr Böses wollen. Von ihrem Mann erwartet sie, dass er jederzeit für sie da ist und klebt an ihm wie eine Klette.

Schon nach dem ersten Kapitel fragte ich mich, wie Shin das aushält. Wirklich überrascht war ich, dass er es mehrere Jahre erträgt – bis Rin plötzlich entdeckt, dass sie ihn nicht mehr liebt und die Scheidung einreicht. Shins Reaktion darauf ist nicht mehr Thema des Buchs, denn es folgt ein anderer Abschnitt in dem Rin noch einige Jahre jünger ist und auch schon große psychische Probleme hatte. Auch in den nächsten Abschnitten werden Episoden aus Rins Vergangenheit erzählt. So endet die lineare Handlung eigentlich damit, dass sie beschließt, sich von Shin scheiden zu lassen. Der Leser erfährt nicht, ob sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, oder weiterhin die Schuld bei anderen suchen wird. Sicherlich hatte ich auch Mitleid mit Rin, aber ihre Handlungen und Gedanken waren zu oft zu extrem und nicht nachvollziehbar.

Hätte ich das Buch nicht geschenkt bekommen, hätte ich es schon nach wenigen Seiten weggelegt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so ein schlechtes Buch zu Ende gelesen habe. Sicherlich muss eine junge Autorin in Japan provokant schreiben, um Aufmerksamkeit zu erregen. In einer Kultur, in der pornografische Mangas und gebrauchte Unterwäsche von Schülerinnen verkauft werden, muss sie sehr weit gehen. Aber bei „Obsession“ blieb für mich das Lesevergnügen auf der Strecke. Ein wenig fühlte ich mich an „Shanghai Baby“ von Wei Hui erinnert, sowie an „Feuchtgebiete“, denn auch dort erzeugten die Autorinnen Aufmerksamkeit (und Umsatz) durch Tabubruch und Provokation. Das Leben der weiblichen Hauptfiguren der drei Bücher hat nur sehr wenige Gemeinsamkeiten mit dem der gleichaltrigen Durchschnittbevölkerung. Passenderweise habe ich „Obsession“ bisher auch nur in Erotik-Abteilungen gesehen.

Auf mich wirkt „Obsession“ wie moderne Kunst: Von vielen bewundert und hoch gelobt, aber nur von wenigen wirklich verstanden und kaum einer möchte es im eigenen Wohnzimmer haben. (sassenach)


Sa 3. Jan 2009, 20:36
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