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 Davidson, Andrew: Gargoyle 
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Registriert: Mo 31. Mär 2008, 14:49
Beiträge: 2451
Beitrag Davidson, Andrew: Gargoyle
Andrew Davidson: Gargoyle
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Kategorie:
Vollständige Lesung
Genre: Fantasy, Liebe, Pathologie-Erzählung, Historischer Roman,
SprecherInnen: Stefan Kaminski, Sascha Icks
Regie: /
Medium: 13 CDs
Laufzeit: ca. 990 Minuten
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 39,95 €
ISBN: 978-3867173452
Bewertung: ****
(* schlecht / ** ganz gut / *** gut / **** spitze)

Inhalt:
Der namenlose männliche Protagonist der Geschichte fährt zugekokst eine Straße entlang. Dabei hält er die Flasche Whisky zwischen den Beinen fest, weil er auch noch einen Drink braucht. Die Visionen eines Pfeilhagels führen dazu, dass er von der Straße abkommt, sein Auto und ein großer Teil seines Körpers verbrennen, bis er in einem Bachbett zu liegen kommt.

Das Wasser rettet ihm das Leben. Im Krankenhaus wird seine Haut behandelt, doch er träumt nur davon entlassen zu werden, um sich umbringen zu können. Es kommt der Tag, da ihn eine Frau besucht. Marianne Engel, ebenfalls Patientin des Krankenhauses, behauptet, ihn schon vor 700 Jahren kennengelernt zu haben, auch damals sei er ihr zuerst mit schwersten Verbrennungen begegnet.

Die Frau kann doch nur aus der Psychiatrie kommen? Doch die Geschichten, die sie erzählt, ihr Verhalten, ihr Umgang mit ihm und dem Krankenhauspersonal sind so faszinierend anders, dass er sich auf ihre Besuche freut und Lebensmut bei ihm einzieht. Die Beziehung zwischen damals und heute muss sich doch klären lassen?

Viele Ideen zum Hörbuch:

Schon das Buch selbst, war faszinierend zu lesen, die vorliegende Lesung von Stefan Kaminski und Sascha Icks toppt das Leseerlebnis nochmals, da die Interpretation – insbesondere die von Herrn Kaminski - voller Leben ist. Aber auch die Erzählpassagen von Maria Engel, gesprochen von Frau Icks, sind sehr gut getroffen. Die Stimmlage ist ausdrucksstark, signifikant und alterslos. Hier zwei Sprecher zu verwenden lag nahe und lässt die Zeit wie im Flug vergehen.

Das Buch beinhaltet die Figur einer 'Schlange im Rückrat' – im Buch weiß auf schwarz dargestellt. Im Hörbuch hat sie ein derartig signifikantes, prägnantes Zischeln, sobald sie auftaucht, dass die Schauer, die sich den Rücken hinunter schlängeln, greifbar werden.

Aber auch die Stimmungen des Protagonisten werden klar eingefangen, seine zynische Art, sein Umgang mit Marianne Engel, seine Zweifel, sein neues Leben – für die meisten Szenen hatte ich nicht so eine passende Interpretation im Kopf als ich das Buch las. Kaminski lebt die Szenen für uns Hörer.

Ein Blick auf meine Angaben zum Genre zeigt: Eine Festlegung ist nicht möglich. Es stellen sich Erinnerungen an viele Bücher bei mir ein: Kalte Asche, Schmetterling und Taucherglocke, Dienstags bei Morrie, Schloss aus Glas, sind nicht imitiert, sondern Themen daraus sind auch hier zu finden. Historische Romane, Dantes Hölle, Kochbücher und Speisenpläne, das Kopfkissenbuch, Wikinger-Geschichten, Mythologie, eine Passage in der es ums 'Luft einziehen' geht, italienische Helden. Alles ist geschliffen formuliert und die Versatzstücke sind genial in Szene gesetzt.

Die Kontraste zwischen dem koksenden Porno-Produzenten und der Ex-Nonne sind scharf, musste der Autor so extrem werden? Ich denke ja, das macht einen Teil des Reizes aus, denn auch die beiden Extreme werden spannend durchleuchtet. Mir haben neben der Ehrlichkteit des Autors, und den meisten Liebesgeschichten, die Einsprengsel zur Romangestaltung gefallen. Wie schreibt man ein Buch? Wie organisiert man es - wie hält man den Leser bei Laune? Der Protagon erzählt und demonstriert, dass er genau weiß, wie es geht.

Sein Hang seine Einstellungen und Gedanken nicht zu beschönigen, waren erfrischend zu lesen. Anfangs sind wir mit diesem kalten Menschen allein, als es Zeit wurde, dass mehr Wärme erschien, trat Marianne auf. Danach mischt sich Kälte und Wärme glaubhaft. Und auch der Held kommt uns näher. Er erklärt seine Beziehung zu Marianne, will er ihr helfen? Sie verstehen? Oder ist es doch anders? Ein bezauberndes Geschenk weckt Interesse. Damit wird wieder eine Frage aufgeworfen: Wie können Schöpfungsprozesse verlaufen? Sucht sich der Bildhauer das Motiv, oder bestimmt die Figur, wie der Handwerker zu Arbeiten hat?

Die interessanteste ist Frage jedoch:
Könnte man sich schon einmal begegnet sein? Ist die Frau, die das behauptet krank - oder gibt es die Möglichkeit wirklich?

Der Autor gibt viele Hinweise. Zwischendurch fürchtete ich, er sei vom Weg abgekommen, da nimmt er uns ein bisschen hart heran und führt us zusammen mit unserem Protagonisten durch die Hölle, doch ich empfand das Ende der Geschichte dann sehr gelungen.

Am Ende habe ich Marianne und unseren Autor ungern verlassen, doch da es ein Erstlingswerk ist, können wir uns vielleicht auf weitere Werke aus seiner Feder freuen.
Binchen, Oktober 2009.

Hier der Link zu unserem Diskussionsthread im Buecher4um.
viewtopic.php?f=2&t=1083

_________________
Winke Binchen
____________________________________________________
Kein Lesen ist der Mühe wert, wenn es nicht unterhält.” William Somerset Maugham (1874-1965)


Sa 31. Okt 2009, 21:47
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