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 T.C. Boyle 
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Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07
Beiträge: 12205
Beitrag Re: T.C. Boyle
Petra hat geschrieben:
Auch richtig, dass die Summe all dieser Ängste auch Delaneys widersprüchliche Einstellungen erklärt. Mir ging zu ihm und dem Thema Rassismus gestern noch etwas durch den Kopf. Sein Rassismus kommt nicht von innen heraus. Dort, im inneren Monolog und somit im Bewusstsein, ist er kein Rassist. Seine rassistischen Gedanken und Handlungen (spontane Reaktionen) entsprießen seinem Unterbewusstsein.



da wird mir auch immer ganz unwohl. Im Kapitel 7 geht Delaney durch den Kopf, wie sich wohl der Pyromane, der im letzten Jahr das Feuer im Canyon legte, nun fühlt, wenn er die Naturpracht beobachtet. Die Asche hat nur noch üppigere Vegetation hervorgebracht.

so könnte auch Delaney diesen neuen Erfahrungen, die er mit sich selbst innerlich erörtert, als neuer, als besserer Mensch hervorgehen. Doch als er an der Stelle vorbeikommt, wo er den Mexikaner anfuhr, heißt es .... aber daran dachte er nicht mehr - .... er fühlte sich glücklich und unbesiegbar...

was für eine Selbstäuschung. Wie leicht der Mensch in sein altes Denkmuster zurückfällt.

ich frage mich, ob wir mit einer Entwicklung seiner Person rechnen dürfen.

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Schöne Grüße
Maria




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Do 15. Mär 2012, 13:09
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Registriert: Mi 2. Apr 2008, 12:56
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Beitrag Re: T.C. Boyle
JMaria hat geschrieben:
was für eine Selbstäuschung. Wie leicht der Mensch in sein altes Denkmuster zurückfällt.

ich frage mich, ob wir mit einer Entwicklung seiner Person rechnen dürfen.



Petra hat geschrieben:
Dort, im inneren Monolog und somit im Bewusstsein, ist er kein Rassist. Seine rassistischen Gedanken und Handlungen (spontane Reaktionen) entsprießen seinem Unterbewusstsein.


Boyle kehrt ja gerne das unbewusst Böse seiner Figuren heraus - und zeigt auch gerne, wie das Unbewusste, ob von innen oder von auißen gesteuert, die Oberhand gewinnt. Für mich sind das reizvolle Figuren, da er immer sehr schlüssig argumentiert. Bei América fasziniert mich, dass eigentlich alle Figuren in ihrer Welt bleiben, auf ihre Umwelt hauptsächlich reagieren ohne zu reflektieren. Ich weiß nicht mehr, ob das auch so ganz auf América und Cándido zutrifft. Auf jeden Fall bezieht die Geschichte einen Großteil ihrer Spannung aus der Tatsache, dass wir im Gegensatz zu den Figuren als Leser zur Reflektion angeregt werden.

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Gruss von Steffi

:lesen:
John Banville: Eclipse


Fr 16. Mär 2012, 11:12
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Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07
Beiträge: 12205
Beitrag Re: T.C. Boyle
steffi hat geschrieben:
Auf jeden Fall bezieht die Geschichte einen Großteil ihrer Spannung aus der Tatsache, dass wir im Gegensatz zu den Figuren als Leser zur Reflektion angeregt werden.


Hallo zusammen,

@Steffi, Petra

und das in welchem Maße er uns anregt zu reflektieren ! Es ist eine erschütternde Geschichte !

Leider komme ich nicht so schnell voran, wie ich möchte, die Bausaison hat uns mit dem beginnenden Frühling wieder voll im Griff.

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Maria




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Fr 16. Mär 2012, 11:37
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Hallo zusammen,

ob wir an Delaney eine Entwicklung bemerken werden, darauf bin ich auch gespannt. Mich würde nicht überraschen falls nicht. Denn T.C. Boyle scheint mir da sehr realistisch. Die meisten Menschen denken nicht um. Sie sind festgefahren in ihren Überzeugungen und auch in ihren Vorurteilen. Aber mal sehen.

Was Steffi über T.C. Boyle schreibt, könnte die Vermutung sogar bestätigen. Ich finde es sehr interessant, was Du über seine Bücher schreibst, Steffi. Dass er in all seinen Romanen seine Figuren in ihrer eigenen kleinen Welt agieren lässt, ohne dass sie reflektieren. Das springt mich in „América“ geradezu an, und mich freut, dass er das in einen anderen Romanen auch so gestaltet. Denn richtig, genau dadurch reflektiert der Leser umso mehr.

Oh ja Maria, es ist wirklich erstaunlich, wie sehr T.C. Boyle uns zum nachdenken anregt. Mir sind schon wieder so viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Und übrigens: Gar nicht schlimm, dass Du nicht so gut vorwärts kommst. Denn erstens finde ich, dass man so auch viel Zeit hat, damit sich all diese Gedanken entfalten können. Ich kann mich nur schwer von dem Buch lösen, bin aber dann trotzdem gar nicht so böse darüber, dass ich nur begrenzt viel Zeit habe, täglich in dem Buch zu lesen. Denn ich merke, dass es mich nach dem weglegen immer noch lange beschäftigt. So ist Raum für meine Gedanken. Und zweitens: Da Du nicht so schnell voran kommst, habe ich einmal das Gefühl schneller zu sein! :mrgreen:

Zum zweiten Kapitel des zweiten Teils: Wie viele Enttäuschungen enthält ein Leben wie das Cándidos und Américas? Nach 3 Wochen regelmäßiger Arbeit, braucht Al Cándido nun nicht mehr. Verständlich. Der legale Kollege ist wieder da, der illegale Arbeiter muss gehen, da er großen Ärger bedeuten könnte. Aber was heißt das für das arme Herz eines Illegalen? Boyle macht selbst vor den (oft) zwangsläufigen Folgen nicht Halt: Alkohol um den Frust zu ertränken, und dann Schläge für die Frau, um die Wut loszuwerden. Und Boyle gelingt es mit wenigen Worten dies zu schildern, und diese Folge nachvollziehbar zu machen. Ohne großes Drama, ohne dass Cándido deshalb ein schlechter Mensch wird. Nur ein maßlos überforderter. Und América ist ein weiteres Mal ein Opfer. Diesmal ihres enttäuschten Mannes. Sie ist noch weiter unten in der Hackordnung.

Während dessen kommt es bei Delaney (auf Seite 206) erstmalig zu einem ungefilterten Ausbruch von Rassismus. Als Kyra von den Versammlungen am Supermarkt der vielen Männer spricht, schließt Delaney sogleich: Mexikaner. Auch hier verschärft sich also die Lage allmählich. Er relativiert später wieder, indem er allgemein über die Recht aller Menschen, auch der Mexikaner, philosophiert, aber diese Erkenntnisse scheinen stets vergessen, wenn ein Mexikaner Delaneys eigenes Leben berührt. Da das die letzte Zeit häufig der Fall war, auf negative Weise, schüren diese negativen Ereignisse seine Ablehnung.

Dass illegale Einwanderer keine Recht haben, stellt er auch gerade fest. Berichtigt sich aber, denn einige verfassungsmäßige Rechte stehen ihnen wohl zu. Aber das ist doch herzlich wenig. Boyle hat wirklich an alles gedacht. Auch die Rechtelosigkeit, die mir beim Lesen schon so oft ins Auge stach, wird hier thematisiert. Ich finde das wichtig.

Zum dritten Kapitel des zweiten Teils: Delaney wird in das Haus des ihm unbekannten Nachbarn gebeten. Dort findet wieder eine kleine, interne Besprechung in Sachen Tor statt. Erst einmal finde ich es bemerkenswert, wie unauffällig T.C. Boyle Figuren auftauchen lässt, die wir schon in einer anderen Szene, in Interaktion mit anderen Figuren erlebt haben. Diesmal ist es Jim Shirley. Ich habe ihn gleich erkannt, obwohl zuvor nie sein Name gefallen war, da er als dicker Mann beschrieben wurde. Da wusste ich direkt, das ist der Mann, bei dem América die Buddhas geschrubbt hat. Dann folgt ein kleiner Hinweis auf sein Disney-T-Shirt, und die letzten Zweifel sind ausgeräumt: Er ist es. Das hat T.C. Boyle auch mit anderen Figuren (z. B. dem Vergewaltiger mit der umgekehrten Baseballmütze) schon gemacht. Ich finde das sehr speziell und habe meine Freude daran. Empört war ich, als ausgerechnet Jim Shirley von der armen Sunny berichtet, der offenbar von Mexikanern bei einem Einbruch schlimmes angetan wurde. Und er fragt sich doch allen ernstes, ob eine Frau wohl überhaupt je verarbeiten kann, was Sunny dort widerfahren ist. Diese Doppelmoral. Wer hatte denn die Hand unpassender Weise auf Américas Schoß gelegt? Wie weit war er wohl von weiteren Übergriffen entfernt? Unfassbar, und doch weiß man, dass ein Jim Shirley Realität ist. Da ist es wieder: die äußere und die innere (Selbst-)Wahrnehmung.

Eine weitere Doppelmoral findet sich kurz drauf, in dem Gastgeber, diesem Banker, der diese elektronische Fußfessel hat, um zu Hause seine Haft abzusitzen, da er Kapitalverbrechen begangen hat. Er urteilt über andere mögliche Verbrecher (Mexikaner), als sei er die reinste Unschuld, als habe er ein Anrecht auf einen Platz in der Gesellschaft, während er alle Mexikaner ausgeschlossen sehen möchte, notfalls durch eine hochgezogene Mauer. Er will sie ausschließen aus dem Kreis, zu dem er gehört. Verdient hat er sich den Platz dort doch genauso wenig. Aber erschreckend – und (oder weil) realistisch: Er gehört zu der Gesellschaft, trotz seiner Verbrechen!

Erschütternd ist, dass diese hier geschilderte Doppelmoral gar nicht überspitzt ist, wie man vielleicht meinen könnte. Diese Doppelmoral wird gelebt – überall.

Bei all den Gedanken, die T.C. Boyle beim lesen auslöst, geht es fast unter. Ich möchte es dennoch bemerken: Er kann wunderbar Szenen beschreiben. Wie sie dort in dem Haus beisammen sitzen, und sich Stille über sie senkt, als sie Kaffee trinken und Kuchen essen. Ganz toll eingefangen, wie so viele andere Szenen auch.

Was zum Schluss dieses Kapitels passiert, hat mir den Atem verschlagen. Nun also auch Osbert. Das ist tragisch, und wäre es nicht so tragisch, dann wäre es witzig. Man weiß gar nicht ob man lachen oder weinen soll.

Und wie sehr das Kyra und Delaney mitnimmt, zeigt auch eine Tatsache auf: Mag sein, dass nebenan ein Mexikaner und seine Frau um die existenziellsten Dinge des Lebens kämpfen, und wirkliche Probleme haben. Jeder ist in seinem Leben verhaftet, und kämpft mit seinen eigenen Problemen. Die Tatsache, dass es viel schlimmere Sorgen und Nöte gibt, als die eigenen, machen die eigenen nicht besser oder erträglicher. Die Nichtigkeit einiger Probleme werden nur im direkten Vergleich deutlich. Aber zu dem ist der Mensch nicht fähig (oder zumindest nur sehr begrenzt), denn man lebt das eigene Leben und fühlt die eigenen Gefühle.

Zum vierten Kapitel des zweiten Teils: Und hier findet sich nun die Folge des Einschreitens des „wohlanständigen“ Menschen, der seine Kontakte hat spielen lassen, damit das aufhört mit der Arbeitsvermittlung vor dem Supermarkt. Ganz gönnerhaft hat er das im vorherigen Kapitel zugesagt, als sei er der Held. Er beraubt arme Menschen ihrer einzigen Einnahmequelle, während er satt und zufrieden im Eigenheim seine Haft absitzt. Pfui! Solch ein Mensch wird kaum die Moral haben dürfen, dass niemand etwas illegales tun darf – weder sich in einem Land seiner Wahl aufhalten, noch arbeiten. Denn illegale Geschäfte hat er selbst genug gemacht, sonst hätte er nicht diese elektronische Fußfessel.

Cándido und América haben sich nun aufgemacht, und versuchen ihr Glück in einer Stadt, und wurden auch sogleich von einem Mann angesprochen, der ihnen eine preiswerte Unterkunft geben will. Mir schwant Böses. Während dieser Mann mit Cándido abzieht, kümmert sich jemand anderes wohl um América. Oder der Kerl selbst, indem er Cándido niederschlägt? Ich fürchte mich zu lesen, was im kommenden Kapitel passiert. Ich bange um die beiden.

Doch erstmal lässt Delaney sich gerade im fünften Kapitel des zweiten Teils über die Coyoten aus in einem seiner Artikel. Gar nicht so übel, was er über die eingewanderten Arten darin schreibt, und über die Anpassungsfähigkeit der Coyoten (und sicher auch anderer Lebewesen). Im Hinblick auf das kürzliche Erlebnis mit Osbert liest sich der Artikel natürlich makaber. ;-)

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Fr 16. Mär 2012, 17:50
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Hallo zusammen,
hallo Petra,

dem kann ich nur zustimmen. Einiges ist überzogen dargestellt, doch es tut dem Stil und der Absicht die hinter der Geschichte steht, überraschend gut. Ich wußte auch nicht, ob ich lachen oder weinen soll, als ich das mit Osbert las. Oder auch am Schluß des Thanksgiving Kapitel als América diesen gefrorenen Truthahn wie ein Baby in den Armen wiegt und die Katastrophe hereinbricht ....

Ich habe gerade mal nachgeschaut, was im Wikipedia über den Kojoten berichtet wird, da er sich durch die gesamte Geschichte sieht, und América und das Kojotenweibchen, zwei scheue Wesen, sich kurz begegneten.

Der Name Kojote bedeutet 'Mischling' und er ist ein Überlebenskünstler und hat auch schon die Städte erobert und ernährt sich im urbanen Raum von Abfällen, in der indianischen Mythologie wird der Kojote auch als 'Trickser' bezeichnet.

Zitat:
Amerika ist eigentlich der Kontinent, kein Amerikaner würde Amerika sagen, sie sagen ja states oder US, aber Mexiko gehört eben auch zu Amerika, alle zusammen, erste Welt und dritte Welt sollten zusammengehören, sind eins.



nochmals zu diesem Punkt. Im Grunde ist América die einzige, die den Namen auch tragen kann, denn sie hat Indioblut in sich; Candido nennt sie zärtlich 'Indita' , doch sie mag diesen Kosenamen überhaupt nicht, kommt sich dadurch minderwertig vor.


Ich komme zum 3. Teil "Soccoro".

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Maria




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So 18. Mär 2012, 09:50
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Hallo Maria,

Maria hat geschrieben:
dem kann ich nur zustimmen. Einiges ist überzogen dargestellt, doch es tut dem Stil und der Absicht die hinter der Geschichte steht, überraschend gut.


Ja, durch das Überspitzte kommt die Wahrheit darin erst so richtig zum Ausdruck. Ich finde das auch faszinierend. Es liegt in diesen Übertreibungen so viel Wahrheit, dass man an der Handlung keinen Moment zweifelt, und die Tatsachen ganz deutlich vor Augen hat.

Was Du über die Coyoten in Erfahrung gebracht hast, ist sehr interessant. Ich frage mich auch die ganze Zeit schon, worin die Vergleiche genau liegen, die man offenbar aus den Coyoten und den Mexikanern ziehen kann. Sie füllen die Lücken im Lebensraum, die man ihnen (unbewusst) lässt. Ebenso ja auch die Mexikaner. Sie suchen auch in den Lücken nach Möglichkeiten des Überlebens für sich. Soweit erspürt man es schon.

Dass der Name Coyote Mischling bedeutete, ist in Bezug auf das Buch sehr interessant. Das América mit diesem Coyoten etwas verbindet, erspürt man beim Lesen. Die Bedeutung des Namens erklärt nun auch auf der Verstandesebene die Verbindung, die América mit dem Coyoten hat. Danke für die Info, Maria. Das rundet das Bild ab.

Die Tatsache, dass América selbst ein Mischling ist, und sich deshalb auch vor Cándido minderwertig fühlt, zeigt wie falsch alles ist. América hat eine größere Daseinsberechtigung in Amerika wie jeder andere in dem Roman. Sie stammt zum Teil von den Ureinwohnern ab, die aus ihrem Lebensraum vertrieben wurden. Zurückgedrängt suchen sie sich nun die Lücken, die die Vertreiber ihnen lassen. Genau wie der Coyote, von dem Delaney ja auch selbst sagt, dass er schon in Amerika lebte, als die Vorfahren Delaneys (und all der anderen) noch gar nicht ihren Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hatten.

Faszinierende Verbindungen, die T.C. Boyle hier zieht.

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So 18. Mär 2012, 15:29
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Interessant eure Vergleiche mit dem Coyoten - ich hätte das nicht so erkannt, wunderbar, dass ihr so tolle Gedanken habt und gut recherchiert, JMaria ! Coyoten habe ich, na klar, auch schon gesehen - meine Schwester lebt ja am Rande der Wüste an einem Nationalpark. 2 Straßen weiter darf schon nicht mehr gebaut werden. Klar, dass da Coyoten in den Gärten rumstreunen, als sie ihr Grundstück noch nicht fest eingezäunt hatten; wir hatten einen direkt in der Nacht im Scheinwerferlicht vor unserem Auto, schon ein bißchen gruselig und man spürt auch die Wildnis und nicht, dass man bzw. unsere Lebensweise ihnen den Lebensraum wegnimmt.

Der Coyote war übrigens auch z.B. bei der Schöpfungsgeschichte der Crow-Indianer eines der ersten Lebewesen auf der Erde (Old Man Coyote) und schuf die Menschen.

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So 18. Mär 2012, 20:22
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Hallo Steffi,

spannend, welche persönlichen Erlebnisse Du mit den in "América" geschilderten vergleichen kannst, da die Lebenssituation Deiner Schwester ähnlich ist, wie die von Delaney und Kyra, die ja auch am Rande der Natur leben, und Coyoten fernhalten müssen, die vor kurzem auf dem Boden, wo nun die Siedlung steht, gelebt haben.

Toll auch, was Du beisteuerst in Bezug auf die Bedeutung des Coyoten in dem Roman. Dass er bei der Schöpfungsgeschichte der Crow-Indianer eines der ersten Lebewesen auf der Erde war, stärkt das Bild des Ureinwohners (Coyote / Indianer = Vorfahren von América), der aus seinem Lebensraum verdrängt wird.

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Mo 19. Mär 2012, 16:18
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Hallo zusammen,

América habe ich gestern abend beendet. Ein tragikomisches Ende mit einem sinnreichen Bild, den sich reichenden Händen am Schluß !

Und das ist auch die Größe die hinter der Geschichte steckt; das Miteinander, Mensch und Natur, das fehlt heute und zieht sich leider durch die Gesellschaftsschichten.

Für mich ist dieses Buch ein Highlight in diesem Jahr.

:-)

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Di 20. Mär 2012, 09:51
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Beitrag Re: T.C. Boyle
Hallo zusammen,

Maria, das freut mich, dass „América“ für Dich ein Jahres-Highlight ist. Ich bin noch nicht ganz durch, aber den Highlight-Status hat es bei mir bereits sicher.

Dein Fazit werde ich gewiss so unterschreiben können. Es geht ums Miteinander, sowohl bei uns Menschen als auch zwischen Mensch und Natur, das in unserer Gesellschaft nicht gegeben ist.

Ich bin jetzt bei 3. Teil "Soccoro". Die Szene zuvor mit dem gefrorenen Truthahn, den América im Arm hält wie ein Baby, war wirklich herrlich grotesk.

Delaney beschäftigt sich derzeit mit den Truthahngeiern. Bezeichnend, was sich über diese Tiere bei Wikipedia finden lässt. Ich zitiere: Die anpassungsfähigste Art ist der Truthahngeier, der sowohl in Wäldern als auch in Wüsten lebt. Er hat seinen Lebensraum in den letzten Jahrzehnten weit nach Norden ausgedehnt, wobei er sich vor allem von toten Tieren ernährt, die Opfer des Straßenverkehrs wurden. (Ganzer :arrow: Artikel über die Neuweltgeier)

Also haben wir es hier mit einer zugewanderten Art (damit beschäftig sich Delaney ja) zu tun, die sich in einer dicht besiedelten Umgebung breit machen kann, da der Mensch für ausreichend leicht zugängliches Futter (überfahrene Tiere) sorgt. Aus Sicht der Evolution heraus betrachtet wirklich interessant. Und der Truthahngeier ist somit ein Tier, dass seinen Lebensraum aus den Lücken erschließt, die die andere Art (der Mensch) ihnen lässt.

T.C. Boyle gibt sehr viel Raum für eigene Gedanken.

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Di 20. Mär 2012, 12:17
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