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 Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus 
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
Hallo JMaria,

ich komme zum XIX Kapitel. Das Wort Schlupfbude kannte ich nicht und mir gefällt es sehr :mrgreen: Der Brief war sehr interessant mit den verschiedenen Stilen und danach gleich auch ein Kapitel, in dem Zeitblom ihn analysiert, praktisch !

Sehr interessant dein Link - es steckt doch wahnsinnig viel dahinter. Salome als Quelle der Syphilis !

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


So 20. Jul 2014, 11:05
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
Eine Stelle möchte ich aus Seelenzauber: Thomas Mann und die Musik noch zitieren:

... dass es die Musik war, also das seiner Auffassung nach Beste, was die deutsche Kultur hervorgebracht hatte, die die Deutschen besonders empfänglich machte für das politische Hegemonialverlangen und die moralische Regression ...


Die Musik als Auslöser eines ungesunden Nationalgefühls, das dem Nationalsozialismus die Tür geöffnet hat, das ist schon eine sehr interessante These.

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John Banville: Eclipse


So 20. Jul 2014, 11:13
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
Im XXI. Kapitel lernen wir Schildknapp kennen. Zeitblom scheint etwas eifersüchtig auf ihn, weil er Adrian zum Lachen bringt. Ich finde, Schildknapp ist eher eine traurige Figur, aber etwas gefährliches schimmert irgendwie durch. Man darf nicht vergessen, dass alles aus der Sicht Zeitbloms geschildert wird. Er muss beiden sehr nah gekommen sein, wenn er sogar die Farbe des Pupillenrandes von beiden kennt ;)

Im übrigen gibt es sehr viele Hinweise auf diese "vergiftete Liebe", z.B. Shakespeares Verlorene Liebesmüh oder Dante oder W. Blake:

The sick rose vertont von Britten.

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John Banville: Eclipse


Di 22. Jul 2014, 09:01
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
Wie hat dir das Kapitel in Italien gefallen ? TM versucht sich an humoristischen Beschreibungen, aber man merkt, dass das nicht ganz seine Sache ist.

Ich bin nun mitten im Teufelsgespräch. Interessant fand ich die These, dass das Genie aus der Krankheit Leverkühns wie eine Art Bedrohung wächst, vielleicht weil es mit dem Verstand nicht zu fassen ist. Wenn man daran denkt, dass damals Homosexualität auch als Krankheit aufgefasst wurde, kann man schon Parallelen zu TM sehen. Vielleicht sah er in seinem Anderssein auch den Grund seines Genies bzw. den Versuch, das in etwas Gutes umzuwandeln.

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John Banville: Eclipse


Do 31. Jul 2014, 08:56
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
steffi hat geschrieben:
Im XXI. Kapitel lernen wir Schildknapp kennen. Zeitblom scheint etwas eifersüchtig auf ihn, weil er Adrian zum Lachen bringt. Ich finde, Schildknapp ist eher eine traurige Figur, aber etwas gefährliches schimmert irgendwie durch. Man darf nicht vergessen, dass alles aus der Sicht Zeitbloms geschildert wird. Er muss beiden sehr nah gekommen sein, wenn er sogar die Farbe des Pupillenrandes von beiden kennt ;)

Im übrigen gibt es sehr viele Hinweise auf diese "vergiftete Liebe", z.B. Shakespeares Verlorene Liebesmüh oder Dante oder W. Blake:

The sick rose vertont von Britten.



Unheimliche Interpretation des Gedichtes von William Blake. Gänsehaut. Danke für den Hinweis mit der vergifteten Liebe, das ist mir nämlich nicht aufgefallen.

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Maria




Ich lese gerade:



Ich höre gerade:


In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


Fr 1. Aug 2014, 14:43
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
steffi hat geschrieben:
Wie hat dir das Kapitel in Italien gefallen ? TM versucht sich an humoristischen Beschreibungen, aber man merkt, dass das nicht ganz seine Sache ist.

Ich bin nun mitten im Teufelsgespräch. Interessant fand ich die These, dass das Genie aus der Krankheit Leverkühns wie eine Art Bedrohung wächst, vielleicht weil es mit dem Verstand nicht zu fassen ist. Wenn man daran denkt, dass damals Homosexualität auch als Krankheit aufgefasst wurde, kann man schon Parallelen zu TM sehen. Vielleicht sah er in seinem Anderssein auch den Grund seines Genies bzw. den Versuch, das in etwas Gutes umzuwandeln.



Soweit bin ich noch nicht. Aber ich fand interessant wie Thomas Mann im Kapitel XXI wieder in die Gegenwart des Chronisten taucht, ein Weheklagen auf den Krieg einstimmt, mit (fundierten?) geschichtlichen Daten vom U-Boot Krieg, die Landung der Allierten auf Sizilien, vom Bombardement Münchens, wie er zitternd die Feder hält, während er die Chronik schreibt.

Meinst du Thomas Mann spürte ein Bedauern, das er nicht mit dem deutschen Volk den Krieg miterleben konnte? Natürlich hätte er nur unter Lebensgefahr in D bleiben können und seine Immigration in die Schweiz und sein Umzug in die USA waren das beste für den Künstler, aber für den Deutschen in ihm vielleicht eine Spur des Gefühls der Abgeschnittenheit und deswegen lässt er seinen Chronisten Zeitblom dort im von Bomben erzitternden München sitzen, eine Stadt die er ja liebte. Und doch könnte er selbst dieses Schrecknis nicht miterleben.


(...) Mehrmals rückte das das schütternde, stürzende Verderben meiner Klause atemberaubend nahe. Das fürchterliche Bombardement der Stadt Dürers und Willibals Pirckheimers war kein weit entferntes Ereignis mehr; und als das Jüngste Gericht auch München traf, daß ich bleich und wie die Wände, die Türen, die Fensterscheiben des Hauses bebend in meinem Studio und - schrieb mit zitternder Hand an vorliegender Lebensgeschichte...

Ich bin im Kapitel XXI dort wo die Sternchen * beginnen statt Kapitel, was die Moderne Montagetechnik wie ich finde nur intensiver unterstreicht.

auch Sternchen sind eine Erquickung für Auge und Sinn des Lesers; es muß nicht immer gleich der stärker gliedernde Neu-Anhub einer römischen Ziffer sein, und unmöglich könnte ich dem vorstehenden Exkurs ins Gegenwärtige, von Adrian Leverkühn nicht mehr Erlebte, den Charakter eines eigenen Hauptstückes zugestehen...

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Maria




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Fr 1. Aug 2014, 15:06
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
JMaria, ich glaube schon, dass er gelitten hat, aus Deutschland vertrieben worden zu sein. Er war ja eher unpolitisch und sah sich dann auch in sie Rolle gezwungen, gegen das Regime anzugehen. Ich denke, dass er daher mit Doktor Faustus einen Künstlerroman darüber geschrieben hat.

Im Teufelsgespräch, das mir zum Teil schwerfiel, führt die Krankheit, also die Entsagung der Liebe mit Hilfe des Teufels zum Genie. Ich frage mich auch, ob sich TM so gesehen hat. Um der Entsagung seiner Neigungen zu kompensieren.

Eine schöne und wichtige These stellt er dann im Kapitel über Pfeiffering auf. Hier treffen sich die Münchner Bekannten und die Gesellschaft verändert sich, weg vom Humanismus (Klopstock) und hin zur Naturwissenschaft. Das ist ja auch heute noch immer ein Thema.

Inzwischen bin ich im Kapitel über Ines Rodde, deren Person ja an seine Schwester Julia angelehnt ist.

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Gruss von Steffi

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John Banville: Eclipse


Mi 6. Aug 2014, 09:10
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
Im XXX.Kapitel beginnt der erste Weltkrieg. Hier wird auch wieder die These aufgestellt, dass die Deutschen ihre Kultur überall verbreiten wollten, also eher ein humanistischer Kriegsgrund. Doch Leverkühn glaubt das nicht so recht, er liest den Essay von Kleist: Über das Marionettentheater. Demnach, wenn ich es richtig verstanden habe, wird durch das Bewusstsein des Menschen die Natürlichkeit d.h. die absolute Ästhetik oder Schönheit unmöglich.

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John Banville: Eclipse


Do 7. Aug 2014, 14:33
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
steffi hat geschrieben:
JMaria, ich glaube schon, dass er gelitten hat, aus Deutschland vertrieben worden zu sein. Er war ja eher unpolitisch und sah sich dann auch in sie Rolle gezwungen, gegen das Regime anzugehen. Ich denke, dass er daher mit Doktor Faustus einen Künstlerroman darüber geschrieben .


Damit hast du sicher recht.
Ich komme gerade nicht so schnell voran. Gerne möchte ich mich auf das Buch konzentrieren, was mir aber schwer fällt, weil ich nicht dran bleiben kann und immer nur ein paar wenige Seiten weit komme.

Ich glaube im Kapitel XXII kommt zum ersten Mal der Begriff Zwölftonmusik vor. Bin mir aber nicht sicher. Von Polyphone Musik war ja schon öfters die Rede. Wenn es um Musiktheorie geht , steige ich völlig aus, denn ich verstehe es nicht. Die Diskussionen mit religiontheoretischem Inhalt interessieren dagegen mich schon mehr. Der Wechsel tut dem Buch.

Ich komme, leider, erst zum Kapitel XXIII .

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Do 7. Aug 2014, 15:51
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Beitrag Re: Leserunde: Thomas Mann - Doktor Faustus
steffi hat geschrieben:
Eine Stelle möchte ich aus Seelenzauber: Thomas Mann und die Musik noch zitieren:

... dass es die Musik war, also das seiner Auffassung nach Beste, was die deutsche Kultur hervorgebracht hatte, die die Deutschen besonders empfänglich machte für das politische Hegemonialverlangen und die moralische Regression ...


Die Musik als Auslöser eines ungesunden Nationalgefühls, das dem Nationalsozialismus die Tür geöffnet hat, das ist schon eine sehr interessante These.


Das ist wirklich eine interessante These.
Man könnte auch noch die geographische Lage erwähnen; Kapitel XXIII München vier Jahre vor dem Kriegsbeginn; München, wo auch schon Hitler versuchte die Macht an sich zu reißen:

München.... dessen Folgen seine Gemütlichkeit in Gemütskrankheit verwandeln und eine trübe Groteske nach der anderen darin zeitigen sollten, - diese perspektivenschöne Hauptstadt, deren politische Problematik sich auf den launigen Gegensatz zwischen einem halb separatistischen Volkskatholizismus und einem lebfrischen Liberalismus reichsfrommer Observanz beschränkte, - München mit seinen Wachtparade-Konzerten in der Feldherrnhalle,... mit seiner stehengebliebenen Wagnerei....

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Sa 9. Aug 2014, 15:55
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