Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Binchen » Mi 24. Sep 2008, 08:01

Huhu in die Runde,

beim Guten Buch bin ich in der Argumentation noch ein wenig zurück - denn erstmal will ich die Bemerkung von Christine aufgreifen:

Übrigens finde ich, dass das was du als "Schönheit" bezeichnest eher hinderlich ist für gute Bücher. Ich denke da mal an die "Buddenbrooks", das wäre doch eine ganz langweilige Geschichte, wenn es der Familie immer gut ginge. Gerade der Niedergang macht es doch interessant. Ich will damit sagen, dass "heile-Welt-Geschichten" mit Happy-End-Grarantie wegen der Vorhersehbarkeit langweilig sind. So wie Pilcher *schnarch*. Was mich natürlich nicht daran hindert, mir hin und wieder mal was davon "reinzuziehen"
.

Und da wäre sie wieder – die Einstellung, nur ein düsteres Buch kann zu einem guten Buch werden, nur ein Künstler (auch bildender) der die Welt in seiner Schlechtigkeit sieht, ist ein echter, nur wer zu Depressionen oder Melancholie neigt, kann auch ein guter Schriftsteller sein – NEIN! *BösmitdemFussstampf*.

Wer keine Höhen und Tiefen durchmacht, kann auch nichts erzählen – Das ist hierbei der einzige Grundsatz, dem ich dabei zustimmen kann. Ohne Schatten, kein Licht – OK – aber das heißt genauso, dass es Licht geben muss, und das ist das was MEIN gutes Buch haben muss - mehr Licht als Schatten und am Ende mindestens einen Sonnenstrahl. D.h. das Ende muss nicht GUT sein, aber es muss ein Ende sein – und ein plausibles, nachdem ich Düsternis und Licht mit meinen Protas durchlitten und durchlebt habe.

Und auf zuviel Düsternis kann ich ggf. auch verzichten, denn ich verlange allerdings von einem Guten Buch, dass es mich motiviert bei der Stange zu bleiben – und das tut es nur, wenn es auch Schönes enthält – in meinem Falle vorzugsweise mehr Schönes als Schäbiges! Und es sollte auch mehr Klarheit als Interpretationsnebel enthalten, wobei ich natürlich auch Spielraum für eigene Gedanken fordere, wenn es um ein Besonderes Buch gehen soll.

Vorhersehbarkeit, langweilt auch mich, aber in manchen dieser Bücher ist auch mehr als nur ein Techtelmechtel, dass auf verirrten Wegen dann doch zu einer Heirat führt enthalten. Deshalb mag ich diese Autoren nicht gleich potentiell so einstufen, dass sie kein ‚GUTES Buch’ schreiben können und mich schon vorher damit beruhigen – ach die können mich ja höchstenfalls gut unterhalten. Gut unterhalten damit ist das Hauptkriterium für ein 'Gutes Buch' schon größtenteils erfüllt.

Und nun kommen wir zu Euren Unterscheidungen, die ich auch mache - und die wir neulich in einem anderem Thread auch hatten, die Dazwischenschiebebücher bzw. die Guten und die Speziellen Bücher. Denn von einem Krimi oder einer Liebesgeschichte, will ich gut und stimmig unterhalten werden, will von ein paar Problemen oder Phänomenen lesen, die auch geklärt werden, mag runde stimmige Situationen - und will entweder fasziniert werden oder mich richtig mitten in der Geschichte finden. Ich will Protas lieben oder hassen - dann wird am Ende mein Gefühl lauten: Hach - DAS war ein tolles Buch. Mehr erwarte ich nicht von Büchern, die gut sein sollen. Bzw. ihre **** von **** Sternchen bekommen wollen.

Das gilt für Bücher die ich gut finden – bzw. gerne lesen mochte. Da ist die Messlatte jedoch dann für (historische) Krimis, Historische Romane, und Unterhaltungslektüre dann wieder unterschiedlich anzulegen. Gute Bücher in dem Sinne, hab ich schon einige gelesen – das letzte war vielleicht, genau wie bei Dir – Die souveräne Leserin. Aber es gibt auch richtig gute Krimis, mit spannender Handlung und Protas, die mich ansprechen, oder sogar Liebesgeschichten, die anrührend und richtig zum wohlfühlen sind, die Ideen vom eigenen Leben lostreten, auf die ich nicht gefasst war, die ich zu Guten Büchern zählen würde

Ein spezielles, besonderes Buch ist dann ein Überraschungsbuch, ein Buch, das mich damit überrascht, dass es mir mehr bietet, oder das die Erwartung erfüllt, die andere in mir schon gesäht haben, dass es mehr bietet eben ein Buch mit mindestens ***** von **** Sternchen.

Und das sind auch bei mir manchmal Bücher, in denen es düsterer zugeht, merke ich beim Überlegen, Meine geliebte 'Deutschstunde' von Siegfried Lenz z.B. oder auch die genannten Buddenbrooks rangieren auch bei mir unter den besonderen Büchern, das Licht, das die enthalten muss man wirklich suchen, manchmal entdecke ich es in einzelnen Szenen oder Ideen und diese Lichtblicke genügen mir da schon -Was vom Tage übrig blieb *winkeanpetra* ist auch eines davon, wo mein Blick auf das Licht vielen verschlossen bleibt.

Aber perfekt sind diese Bücher dann bisher auch nicht gewesen.

@ Rachel und Daniela - eure genannten Highlights in denen ihr übereinstimmt kenne ich (noch) nicht - Was ich liebte liegt aber in der schönen Samtausgabe auch, zur Verwunderung einiger Mitleserinnen hier, auf meinem Sub. Ich bin mal gespannt, wann es befreit wird- und ob ich es hinterher als eines von den 'Richtig Guten' Büchern mögen werde.
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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Petra » Mi 24. Sep 2008, 09:32

Liebe Rachel,

bevor ich Binchens *liebwink* langes Posting lese, schnell noch einen Tipp für Dich! Denn ich bin an folgendem Satz aus Deinem letzten Posting hängen geblieben:

Thematisch zumindest reizt mich das Buch schon sehr und Bücher, die aus der Perspektive eines Kindes geschrieben sind, lese ich, sofern das gut gemacht ist, auch sehr gerne.


Dann solltest Du aber unbedingt mal Ein Hauch von Bittermandel (Link führt zu meiner Rezension) von Kathy Hepinstall lesen! Das ist aus der Sicht von Kindern geschrieben. Nicht unbedingt etwas, was ich mir freiwillig auswählen würde, aber ich fand es hier ganz, ganz super toll gemacht! Damals als ich diesen Thriller las, fand ich ihn was ganz besonderes! Keine Ahnung, ob mir das heute noch genauso erscheinen würde, aber er ist mir einfach als was Besonderes in Erinnerung geblieben. :mrgreen:

Und da Du - wie Du schreibst - gern was aus der Sicht von Kindern liest, wenn es gut gemacht ist, könnte das erst recht was für Dich sein!

Auch wieder etwas, wo man sieht, dass alles einfach eine große Geschmacksfrage ist (fällt mir beim Stichwort Buch aus Kindersicht ein): Christine *liebwink* mochte beim reinlesen "Grabesgrün" u. a. nicht, weil es aus der Sicht eines Kindes erzählt wurde. Christine hatte ja nur die ersten Seiten gelesen und dachte, das ist das ganze Buch lang so und nicht nur im Prolog. Trifft auf "Grabesgrün" ja nicht wirklich zu. Aber wie auch immer: Solche Dinge sind dann halt ganz klar Geschmacksfragen, an denen man nicht ausmachen kann ob ein Buch gut oder schlecht ist. Das kann nur jeder für sich selbst empfinden. Der eine mag halt dies nicht (Buch aus Kindersicht), der andere halt das nicht (Binchen *liebwink* z. B. keine Bücher, deren Handlung in Afrika angesiedelt ist).

Für mich steht wenn ich die Postings hier so lese jedenfalls fest, dass wir alle bisher hier eigentlich einer Meinung sind: Es gibt Bücher, die liest man einfach nur so - zur Entspannung oder zum Vergnügen. Und andere stechen heraus, weil sie was zu sagen haben und die einen bereichern. Und da kann man an gewissen Anhaltspunkten ein Stückweit ausmachen ob es ein gutes oder schlechtes Buch ist. Alles darüber hinaus ist und bleibt Geschmackssache!
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Petra » Mi 24. Sep 2008, 10:03

Liebes Binchen, liebe Rachel und liebe Daniela,

Ihr erinnert mich nun sehr, sehr, sehr daran, dass ich mir "Was ich liebte" doch mal ganz genau in einer Buchhandlung ansehen wollte um zu schauen, ob es was für mich ist! Da es Rachel so ausgesprochen gut gefallen hat, gehe ich fast davon aus, dass es auch für mich ein besonderes Buch sein könnte, da ich geschmacklich ja sehr oft mit ihr genau auf einer Wellenlänge bin. Also notiere ich mir das jetzt direkt mal auf meinen Bücherbummel-Zettel! :mrgreen:

Mir scheint, dies ist aus Eurer (Rachel und Daniela) eines dieser besonderen Bücher, nicht wahr? Und leider kann ich im alten Forum nicht mehr nachblättern. Aber da gab es mindestens auch mal eine ganz schwer gegenteilige Meinung zu, weil es so hoffnungslos/trostlos war. Ich meine mich zu entsinnen, dass es Christine *liebwink* war. Aber ich kann mich auch irren. Wie auch immer: Selbst zu diesen besonderen Büchern gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Ich will damit sagen: Die Geschmacksfrage spielt wirklich auch bei dieser Art Bücher mit. Auch wenn sie wertvoller sind oder sein mögen als die, die nur unterhalten. So muss es auch hier den jenigen persönlich ansprechen, der es liest.

Ach... und noch eine Anmerkung zu Binchen: Ja, stimmt! *schmunzel* Bei "Was vom Tage übrig blieb" hatte ich nach dem Ende Depressionen. Und Dir ging es gar nicht so. :)
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Christine » Mi 24. Sep 2008, 10:14

Huhu Binchen,

sag mal, wolltest du mich jetzt absichtlich missverstehen, oder wie ist das gemeint?


"Und da wäre sie wieder – die Einstellung, nur ein düsteres Buch kann zu einem guten Buch werden, nur ein Künstler (auch bildender) der die Welt in seiner Schlechtigkeit sieht, ist ein echter, nur wer zu Depressionen oder Melancholie neigt, kann auch ein guter Schriftsteller sein – NEIN! *BösmitdemFussstampf*."

Das habe ich jedenfalls nicht behauptet, dass es nur schlecht und depressiv sein muss. War ja auch zum Beispiel der Littell nicht. Mehr Licht als Schatten finde ich meist "eiapopeia", das mag mich unterhalten, aber es bringt mich nicht weiter. Es gibt mir nichts, da bleibt nichts zurück, was mich für länger beschäftigt.

Und was das Ende eines Buches betrifft gehen unsere Meinungen ja sowieso auseinander. Festgelegte Enden, wo alles klar ist nach dem Motto "und dann lebten sie glücklich bis an ihr Ende" sind mir zuwider, das tötet ja meine Fantasie. Ich mag es gerne offen und wenn es die Geschichte her gibt, darf es auch ein schlechtes Ende sein. So wie das Leben eben ist, da geht ja auch nicht alles gut aus.

In dem Zusammenhang frage ich mich übrigens auch, warum bie Krimis der Fall am Ende immer gelöst ist. Das ist ja in Wirklichkeit auch nicht so. Ich könnte auch gut mit einem Ende leben, wo der Kommissar irgendwann nicht mehr weiter kommt und der Fall zu den Akten geht, wenn es gut gemacht ist natürlich. Wenigstens bei Brunetti ist es ja manchmal so, dass der Fall gelöst, aber der Täter der Strafe entgeht, weil man nicht an ihn ran kommt. Das finde ich sehr realistisch, aber häufig begegnet mir das in Krimis nicht.

Liebe Grüße
Christine
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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Rachel » Mi 24. Sep 2008, 10:55

Hallo Petra,

nur ganz kurz, ich muss mich dann nämlich endlich mal daran machen, eine Arbeit für die Uni weiter zu schreiben:

Danke für den Buchtipp. Das Gemeine ist nur, dass das Buch scheinbar sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch OOP ist. Aber vielleicht finde ich es ja trotzdem mal in einer Buchhandlung oder es wird neu aufgelegt.

Petra hat geschrieben:Mir scheint, dies ist aus Eurer (Rachel und Daniela) eines dieser besonderen Bücher, nicht wahr? Und leider kann ich im alten Forum nicht mehr nachblättern. Aber da gab es mindestens auch mal eine ganz schwer gegenteilige Meinung zu, weil es so hoffnungslos/trostlos war. Ich meine mich zu entsinnen, dass es Christine *liebwink* war. Aber ich kann mich auch irren.

Ich könnte mir schon vorstellen, dass "Was ich liebte" ein Buch für Dich sein könnte. Sicherlich ist es ziemlich düster, aber ich fand es toll.

Wie auch immer: Selbst zu diesen besonderen Büchern gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Ich will damit sagen: Die Geschmacksfrage spielt wirklich auch bei dieser Art Bücher mit. Auch wenn sie wertvoller sind oder sein mögen als die, die nur unterhalten. So muss es auch hier den jenigen persönlich ansprechen, der es liest.

Ich würde sogar sagen ganz besonders bei diesen Büchern. Denn wann ein Buch dieses gewisse Etwas hat, das es für mich zu etwas ganz besonderem macht, ist absolut subjektiv.
Ich kann ein Buch sehr gut finden, und es mag mich auch zum Nachdenken bringen, trotzdem fehlt mir dann immer noch etwas, um das Buch zu einem besonderen zu machen. Das von Christine genannte "1984" ist sicherlich ein Buch, das einen zum Nachdenken anregen kann, trotzdem hat mir da etwas gefehlt, weil es mich eben emotional nicht so wirklich angesprochen hat. Dazu brauche ich normalerweise auch Charaktere, die mir nahe gehen und die mich richtig mitfiebern lassen. Aber da hat sicherlich jeder seine eigenen Kritertien.

Übrigens gibt es für mich da auch nicht unbedingt Genregrenzen, zu meinen Lieblingsbüchern gehören zum Beispiel auch David Feintuch (SF) oder "Der Herr der Ringe".
Und dass mir im Moment kein Krimi einfällt, schließt auch generell nicht aus, dass es vielleicht irgendwo einen gibt, dem ich 5-Sterne geben würde, der müsste dann für mich halt mehr als "nur" ein Krimi sein.
Liebe Grüße,
Rachel

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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Petra » Mi 24. Sep 2008, 11:35

Liebe Christine,

im Krimi muss ein Ende nicht immer klar sein! (SPOILER für Grabesgrün im nächsten Satz:) So weit ich das verstanden habe, ist es bei „Grabesgrün“ z. B. recht offen.

Auch in anderen Krimis gibt es offene Enden. Ein ganz klassisches Beispiel, über das sich dann die Gemüter streiten, ist Petra Hammesfahr mit „Die Mutter“ (SPOILER zu „Die Mutter“ bis Absatzende). Mir hat es ausgezeichnet gefallen gerade WEGEN des offenen Endes, weil der Leser so zurückgelassen wird, wie Angehörige von Vermissten: Im völlig Unklaren!

Ich denke, das kommt Dir nur so vor, da Du noch nicht viele Krimis gelesen hast. Denn über ein offenes (oder nicht ganz geklärtes) Ende streiten sich die Gemüter dann immer gern. Noch einer meiner Lieblings-Krimis fällt mir da ein: „Die schwarze Kathedrale“ – das fand ich, auch wegen des Endes, ganz genial gemacht. Aber es ist nicht jedermanns Sache.

Oder bei Jason Starrs „Twisted City“ war das Ende auch nicht so 100% klar...

Und was das Missverstehen angeht: Ich denke auch in dem Punkt wird hier wieder über Ansichten und Geschmäcker diskutiert. Aber da wird man nie zu einer Lösung kommen. Wie Binchen *liebwink* schon ganz klar in Großbuchstaben schrieb: „...was MEIN gutes Buch haben muss...“ Oder sie schrieb auch: „...Und da wäre sie wieder – die Einstellung,...“ Einstellung, nicht Wahrheit.

Es gibt einfach verschiedene Wahrnehmungen, Empfindungen, Vorlieben... darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten. Nur jeder kann sagen, was für IHN persönlich ein gutes Buch ist. Oder zumindest versuchen das ein wenig einzufangen.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Petra » Mi 24. Sep 2008, 11:44

Liebe Rachel,

autsch... das ist ja blöd... stimmt, „Ein Hauch von Bittermandel“ ist schon ein paar Jährchen alt. Schade, dass es nicht mehr verfügbar ist! Ich drücke Dir die Daumen, dass Du mal anderweitig drankommst!

Und „Was ich liebte“ schaue ich mir auf jeden Fall näher an! Zumal es davon ja die schöne Samt-Sonderausgabe gibt, die Binchen *liebwink* meinte. :-)

Rachel hat geschrieben:Ich würde sogar sagen ganz besonders bei diesen Büchern. Denn wann ein Buch dieses gewisse Etwas hat, das es für mich zu etwas ganz besonderem macht, ist absolut subjektiv.


Sehr wahr! Ich stimme Dir voll und ganz zu! Denn allein schon ist Grund genug, dass sich jeder Mensch von anderen Dingen zum Nachdenken anregen lässt. Was auf Rachel und Petra passt muss z. B. nicht auf Binchen passen. Was auf Christine passt, muss nicht auf Binchen oder Rachel passen...

Manchmal hat man für ein gutes Buch auch nur den falschen Zeitpunkt gewählt, so dass es einen gerade in seinen Themen nicht so sehr zum nachdenken anregt, wie vielleicht ein Weilchen später, wenn die eigenen Lebensumstände und/oder Erfahrungen einen da ganz andere Verbindungen knüpfen lassen.

Und dann kommt es auch hier, wie Du an Hand des Beispiels mit „1984“ so schön erklärst auch darauf an, dass man persönlich eine Verbindung zu dem Buch aufbauen kann. Ob durch Charaktere oder das Thema, das einen gerade so überaus fasziniert... wie auch immer. Recht hast Du: Hier sind wir abermals bei Geschmacksfragen/Empfindungssachen.

Und nun schreib schön weiter an Deiner Arbeit für die Uni! Viel Erfolg! :-)
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Binchen » Mi 24. Sep 2008, 12:17

Huhu Christine,
Nein – ich missverstehe Dich nicht absichtlich, sondern will die Richtung ausloten. Denn Du polarisierst ja jetzt genau in die andere Richtung, denn wer redet von

…. und dann lebten sie glücklich bis an ihr Ende .... Enden, die er haben will? Ich nicht - ich habe gerade versucht klarzumachen, dass es nicht so sein muss – ich will nur Hoffnungselemente in Meinen Guten Büchern, die Du und viele andere nicht so brauchen.

Nur Deine Darstellung, dass eben solche Bücher, wie die Buddenbrooks – Verfall einer Familie – was zu beißen lassen, und Dich Bücher mit heiteren Aspekten nicht fordern, die ließ mich die Sucht der Literaturkritiker nach depressiven Büchern anprangern, da Du auch in diese Kerbe schlagen wolltest.

Denn ich hab ja auch nicht gesagt, dass ein Ende eines der Art ‚Schluss aus Fertig mit der Fantasie’ – ergeben muss.

Und nun kommt es wieder, das diskussionstötende: IMMER, oder NIE -

Zitat Christine:
In dem Zusammenhang frage ich mich übrigens auch, warum bie Krimis der Fall am Ende immer gelöst ist


Dein Krimi-Konsum hält sich ja noch in Grenzen, sei gewiss, es gibt diverse Krimis der faszinierenden Art, die Du Dir wünscht,

(Winke @Petra mit ähnlichen Gedanken im Vorposting)

– Fall geklärt heißt noch lange nicht – Täter hinter Schloss und Riegel – Das will kein ordentlicher Krimileser immer lesen – und wenn Du das bei Brunetti so gut findest, dann versuche mal Patricia-Highsmiths – Tom Ripley-Reihe – die ist da genau entgegengesetzt gestrickt, zur Tendenz: Täter gefangen - Roman tot.

Nur Enden, wie bei Hammesfahrs ‚Mutter’, das sind die, die mich reizbar machen. Realistisch ja – aber für mich genau das, was ein ordentlicher Autor nicht machen sollte

Spoiler:
– alles der Fantasie des Lesers überlassen.

Ein Ende haben bedeutet für mich logische Erklärungen für viele Handlungsstränge einer Geschichte haben – nicht für alle – und meine Helden dürfen gerne auch in meinem Kopf weiteragieren.

Und nicht mal da würde ich sagen – schlechtes Buch – sondern : solche realistischen Bücher will ich nicht lesen. Bei Stephen King (für mich der Meister für schlecht geschriebene Enden – nicht schlechte Enden) würde ich so weit gehen zu sagen – Wer seine eigene Geschichte nicht zu Ende denken will, soll doch gar nicht erst mit dem Erzählen anfangen - und schon gar nicht über knapp oder gut 1000 Seiten.

Ich hoffe, liebe Christine, das erklärt einiges, denn im Grunde waren wir uns ja einig - (Igitt das ist ja schon wieder FriedeFreudeEierkuchen) - Besondere Bücher sind für jeden einzelnen aus besonderen Gründen Besonders -

Nur wegen der schönen Aspekte, die ich in höherem Maße fordere, als viele Andere ist die Grundtendenz doch oft dieselbe - und wenn nicht sind es ja nur Meinungen - und keine Glaubenskriege.
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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Christine » Mi 24. Sep 2008, 13:42

Huhu Ihr Diskussionsfreudigen :-)

stimmt, übermäßig viele Krimis habe ich noch nicht gelesen, also müsste ich korrekt schreiben, dass ich noch nie einen gelesen habe, wo der Fall am Ende ungeklärt blieb. Aber immerhin weiß ich, dass Derrick jeden Fall gelöst hat :lol:

Und ich bin auch diejenige, die "Was ich liebte" nicht mochte, allerdings nicht weil es so hoffnungslos war, sondern weil so vorhersehbar war, wie der Sohn sich entwickeln würde. Das Verhalten der Eltern ließ gar keine andere Möglichkeit zu. Da ich damals im Job regelmäßig mit solchen Sachen zu tun hatte, wollte ich davon nicht auch noch lesen.

Und im Übrigen fällt mir zu unserer Diskussion ein, dass man über Geschmack und Einstellungen natürlich streiten oder diskutieren kann. Das ist doch sogar das beste Diskussionsthema. Es macht doch Spaß, sich mit anderen über Einstellungen zu unterhalten und ggf. die eigene zu verändern. Die eigene Meinung ist doch nichts Statisches was ein Leben lang gilt.

Liebe Grüße
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Re: Wann ist ein Buch ein gutes Buch?

Beitragvon Petra » Mi 24. Sep 2008, 14:21

Huhu ebenfalls Christine,

Christine hat geschrieben:stimmt, übermäßig viele Krimis habe ich noch nicht gelesen,...


Übermäßig viele ist ja stark untertrieben, oder habe ich jetzt doch einige Krimis verpasst, die Du inzwischen gelesen hast? Brunetti, einige aus einer Granger-Reihe und Minck & Minck. Sind wirklich nicht viele, und somit auch kein Wunder, dass Du über die mit offenem Ende noch nicht gestolpert bist.

Christine hat geschrieben:Und ich bin auch diejenige, die "Was ich liebte" nicht mochte, allerdings nicht weil es so hoffnungslos war, sondern weil so vorhersehbar war, wie der Sohn sich entwickeln würde. Das Verhalten der Eltern ließ gar keine andere Möglichkeit zu. Da ich damals im Job regelmäßig mit solchen Sachen zu tun hatte, wollte ich davon nicht auch noch lesen.


Das verstehe ich, dass Du Dich dann nicht auch noch literarisch damit auseinander setzen wolltest! Geht mir mit einigen Dingen auch so.

Deine Begründung habe ich dann falsch im Gedächtnis? Du weißt: Was Bücher angeht, da macht mein Gedächtnis eine Ausnahme... da funktioniert es! Ich meine mich (SPOILER) daran zu erinnern, dass Du in der Düsseldorfer Runde sagtest, dass da ja alle sterben oder am Ende tot sind und dass Du das so frustrierend fandst...

Christine hat geschrieben:Und im Übrigen fällt mir zu unserer Diskussion ein, dass man über Geschmack und Einstellungen natürlich streiten oder diskutieren kann.


Da ist wieder so eine Feinheit in der Forumlierung, die Dich denken lässt, dass man völlig anderer Meinung ist als Du. Dabei hat man im Kern die gleiche Meinung: Ich sage es deshalb noch mal mit anderen Worten, die es noch deutlicher machen sollen: Über Geschmack STREITEN ist unsinnig! Aber diskutieren natürlich schon, wenn man dann andere Meinungen gelten lässt. Aber ich fürchte langsam, dass hier Dein Problem liegt, da Du im anderen Posting schreibst, dass für Dich eine andere WAHRNEHMUNG oft so ist, als würde jemand anzweifeln, dass Wasser nass sei. Für mich kommt das furchtbar intolerant rüber! Und ich möchte nicht im Ernst denken "Christine??? Ist in Deiner Wahrnehmung noch alles in Ordnung? Oder warum stört Dich bei einer Pilcher nicht, wie hölzern die Geschichte ist?" Denn Dir gefällt es und das kann ich sehr gut so tolerieren! Auch einfach so stehen lassen. Das gelingt Dir andersherum oft ja nicht... egal ob über Filme, Bücher oder Musik. Dabei sind das alles Geschmacksfragen über die man sich eben AUSTAUSCHEN aber nicht STREITEN kann!

Christine hat geschrieben:Es macht doch Spaß, sich mit anderen über Einstellungen zu unterhalten und ggf. die eigene zu verändern.


Hier stimme ich wieder mit Dir überein! Aber mir macht das nur Spaß, wenn ich mit toleranten Menschen solch einen Austausch habe. Wenn es dann so krass wird, dass jemand sagt: Es IST so und nicht anders, dann vergeht mir da die Lust! Denn dann habe ICH es mit einem Menschen zu tun, der nichts lernen, annehmen oder verändern will. Das ist für mich dann starr. Und da hört es mir wirklich auf Spaß zu machen!
Liebe Grüße,
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