Und Didonia: "Das achte Leben" machst du einem wirklich schmackhaft. Wenn dann noch so tolle Vergleiche mit den genannten Autoren kommen, kann man ja kaum noch widerstehen.
Ich kämpfe mich nach wie vor sehr langsam durch "Das Leben der Paula Trousseau". Zum einen komme ich die Woche über grad mal wieder nicht zum Lesen, wie ich gerne würde, bin für das Buch abends aber auch nicht mehr wirklich aufnahmefähig.
Es beginnt direkt zu Anfang mit dem Selbstmord von Paula Trousseau und geht weiter mit einem Rückblick auf ihr nicht gerade schönes Leben - warum und aus welchen Gründen ist es so verlaufen? Es spielt in relativ kurzen Kapiteln immer wieder in mehreren verschiedenen Zeitebenen, an verschiedenen Orten, mal erzählt Paula selber, mal als Kind, mal als Jugendliche, mal als Erwachsene, mal wird neutral in der dritten Person über Paula erzählt. Es ist jedoch stets schlüssig, nie verwirrend.
Es wird in einer einfachen, jedoch feinen Sprache, erzählt. Was es für mich gerade so schwierig macht, vor allem abends an dem Buch dranzubleiben, ist die Lebensgeschichte von Paula Trousseau. Ich hatte anhand des Klappentextes das Gefühl, dass es ein düsteres, deprimierendes Buch werden könne und auf eine merkwürdige Weise ist es das auch. Die traurige Lebensgeschichte von Paula wird jedoch niemals wehleidig, anklagend oder mitleidheischend erzählt, Paula redet sich vieles sogar schön und zeigt oftmals eine ungeahnte Stärke, die wiederum negative Auswirkungen auf andere Bereiche ihres Lebens hat und diese in gleichem Zuge zunichte macht. Zusehends wird schlüssiger, warum ein Lebensabschnitt vom vorherigen abhängt und eine Kettenreaktion auslöst, warum sie welche Entscheidungen trifft, die sie immer weiter in den Strudel abwärts ziehen, ihre innere Zerrissenheit... Was mich beeindruckt an diesem Buch, ist die Selbstverständlichkeit, mit der der Autor dieses triste Dasein schildert - "so nebenher" im Plauderton, als ob er gerade über das Wetter sprechen würde, als ob das alles völlig normal sei. Genau das macht den Reiz des Buches aus und berührt.
Es ist eine Alltagsgeschichte, wie sie sicherlich in vielen tausenden Familien vorkam und vorkommt, und bei der einem bewusst wird, wie viel Glück man als Kind hatte, in einer geborgenen und liebevollen Familie aufzuwachsen und eben dadurch die nötige Basis und das Vertrauen und Selbstbewusstsein mitgegeben wurde, um sein Leben zu meistern.


