Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Didonia » Do 18. Aug 2011, 23:53

Hallo Sandra,

"Ich bin die Nele" und "Die Digedags" kenne ich auch. Die Hefte hat mir mein Vater damals alle geschenkt. Von der Nummer 1 an habe ich sie gehabt. Aber nach der Scheidung meiner Eltern galt das nicht mehr und er hat sie alle mitgenommen. Es sind auch viele meiner Bücher von damals verschwunden. Einige wenige konnte ich nur retten, und einen ganzen Teil habe ich mir in den letzten Monaten nachgekauft.
Lesende Grüße, Anne

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Didonia » Fr 19. Aug 2011, 00:20

Jakob der Lügner von Jurek Becker habe ich durch.

Jurek Becker hat seine Kindheit im Ghetto und in verschiedenen KZs verbracht. Seine Mutter, obwohl nach dem Krieg schon in Freiheit, starb noch an Unterernährung. Sein Vater überlebte Auschwitz und fand seinen Sohn. Ungefähr 20 Familienmitglieder waren umgebracht worden.

Da sollte man wirklich meinen, dass Jurek Becker in seinem Buch weiß, worüber er schrieb. Er lässt einen Ich-Erzähler über Jakob berichten. Dieser Ich-Erzähler lebte gemeinsam mit Jakob und vielen anderen in einem polnischen Ghetto in einer unbekannten Stadt.
Als Jakob Mischa, einem jungen Burschen, bei der Arbeit beim Bahnhof das Leben retten will, weil der eine ungeheure Dummheit begehen wollte (er wollte nämlich Kartoffeln aus einem Waggon stehlen), schafft er es nur ihn davon abzuhalten, indem er ihm erzählt, dass die Russen schon 20 Kilometer vor Bezanika sind.
Auf die Frage, woher er das wisse, sagt er, er habe ein Radio.

Was natürlich nicht stimmt. Aber Jakob kommt nicht mehr dazu, schnell ein klärendes Wort mit Mischa zu reden, nachdem er ihn von den Kartoffeln abgelenkt hatte, und so macht diese Nachricht wie ein Lauffeuer die Runde durchs Ghetto. Und Jakob ist nun gezwungen, jeden Tag eine neue gute Nachricht aus dem Hut zu zaubern.

Jurek Becker hat einen wunderbaren Schreibstil. Er erzählt, wie die Menschen in dem Ghetto gelebt haben. Wie sie jeden Tag versuchten, etwas Normalität in ihr Leben zu bringen, und doch täglich Angst haben mussten, zum Transport abgeholt zu werden.
Lesende Grüße, Anne

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Bonny » Fr 19. Aug 2011, 08:17

Hallo Didonia,

das klingt nach einem guten, aber auch schweren Buch. Solche Themen sind wirklich heftig... Gibt es von dem Buch nicht auch eine Verfilmung? Irgendwie sagt mir der Titel etwas, aber vielleicht habe ich auch von dem Buch schon irgendwo gelesen, ist ja nicht so unbekannt :).
Liebe Grüße,
Sabine

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Didonia » Fr 19. Aug 2011, 08:35

Didonia hat geschrieben:Bei Youtube habe ich sogar den Film gefunden: Jakob der Lügner



Oh ja, Bonny, hier hatte ich einen Link zu dem ganzen Spielfilm. Das ist allerdeings der von 1974.
Er wurde dann 1999 noch einmal mit Robin Williams verfilmt. Den habe ich bisher nicht gesehen, kann mir den Schauspieler aber wunderbar in der Rolle des Jakobs vorstellen.
Lesende Grüße, Anne

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Petra » Fr 19. Aug 2011, 15:55

Hallo Didonia,

Danke für Deinen ausführlichen Bericht über Deine Eindrücke zu "Jakob der Lügner". Ich freue mich auch schon sehr auf das Buch, zumal ich auch glaube, dass Jurek Becker uns einiges zu erzählen hat. Er weiß wovon er erzählt, denn er war selbst hautnah mit dabei. Hat das Leben im Ghetto beobachtet.

Dieser Versuch, den Alltag irgendwie aufrecht zu erhalten, in mitten des Schreckens, interessiert mich auch so sehr an dem Buch :arrow: "Als ob's ein Leben wär". Weißt Du, was daran das schlimmste ist? Es ist ein Tatsachenbericht. Es sind Aufzeichnungen aus Theresienstadt von Philipp Manes. Sie brechen am Ende mitten in einem Satz ab. Da wurde er abgeholt!
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Didonia » Fr 19. Aug 2011, 16:11

Vielen Dank für den Buchtipp, Petra, ich werde es mir sicher kaufen. Gestern habe ich im Buchladen dieses Buch gefunden:

Rutkas Tagebuch: Aufzeichnungen eines polnischen Mädchens aus dem Ghetto von Rutka Laskier. Sie hat im Ghetto von Będzin gelebt und danach Auschwitz nicht überlebt. 14 Jahre jung war sie.
Lesende Grüße, Anne

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Petra » So 21. Aug 2011, 12:05

Hallo Didonia,

bedenke aber, dass das Buch nur als HC aufgelegt wurde, und schon lange vergriffen ist. Bei Amazon Marketplace ist derzeit noch ein neues Exemplar zu bekommen, und 5 Gebrauchte. Anscheinend sind nicht viele im Umlauf. Falls Du es wirklich dringend haben willst, vielleicht nicht unwichtig zu wissen.

Dein Neuzugang ist auch ganz sicher sehr interessant.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Didonia » So 21. Aug 2011, 12:17

So, Petra, ich habe es mir gleich gesichert. Besten Dank noch mal für den Tipp :)
Lesende Grüße, Anne

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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Petra » So 21. Aug 2011, 12:24

Das ist schön! :D

Ich glaube, dass es wirklich ein besonderes Buch ist! Und da zur Zeit so rar auf dem Markt, war das eine gute Entscheidung, liebe Didonia! :)
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Ein Buch-Projekt: Was ich in der DDR gelesen habe

Beitragvon Didonia » So 11. Mär 2012, 16:15

Mein nächstes Buch wird nun mal endlich wieder eins für mein DDR-Leseprojekt sein: Den Wolken ein Stück näher von Günter Görlich. Ein Jugendbuch. 1971 erschienen und 1973 verfilmt.
Lesende Grüße, Anne

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