M. M. Kaye 1908 - 2004

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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon JMaria » So 21. Feb 2016, 20:12

Hallo Trixie,

hochinteressant. Gut, dass dir das aufgefallen ist. Der Name "Winterhalter" hat mich nicht inne halten lassen. Da wäre mir ohne deinen Beitrag eine Information entgangen, die doch einiges zu der Stellung der Wair's (im Original Ware) im Hochadel widerspiegelt.

Du hast recht "Schüler" passt hier nicht als Übersetzung.

Mir sind leider weitere Auslassungen aufgefallen. Meist dann wenn es sehr englisch wird und es vermuten lässt, dass der deutsche Leser nichts mit den Begriffen (ein Gedicht oder Liedzeile) anzufangen weiß oder es fehlen Teile die die Räumlichkeiten im Schloss intensiver beschreiben.

Im Kapitel 6 wird beschrieben wie der Sarg prachtvoll präsentiert wird: Purpurroter Samt, Diamanten, Hosenbandorden, gekreuzte Schwerter. Sehr beeindruckend!

...the Dress-sword of a Knight of the Garter and one which Alex took to be the sword of some Militia regiment.

...Eins davon war das Paradeschwert eines Ritters des Hosenbandordens, und das andere hielt Alex für das Schwert eines Militärregiments.


Dann fehlt dieser Abschnitt:

At the foot of the coffin hung a Knight's gold collar, and beneath it were groupes on either side of the bier the Earl's mantle and the velvet and ermine of a Knight of the Garter, the hat of a Colonel of Militia and a military scarf.

es geht dann weiter im Text:

Diener in schwarzer Livree standen zu beiden Seiten des Sarges Wache, und die schweigende Prozession der Trauernden bewegt sich langsam daran entlang und verließ dann durch einen niedrigen steinernen Bogen an der anderen Seite wieder den Raum.


im Original nun, murmelt Alex ein Gedicht von Thomas Gray, ein bedeutender Churchyard Poet:

"The boast of heraldry, the pomp of power, and all that Beauty, all that wealth e'er gave, await alike the inevitable hour. The paths of glory lead but to the grave".
A sobering reflection. Yet there was no meek acceptance of the latter end here. His aged Lordship was moving to the grave with all the pomp and ceremony that had attended him in life.

auf der nächsten Seite wird Alex zu Lady Ware gerufen. Sein Gang durch den Korridor wird im Original etwas prägnanter der Wohnstil der damaligen Zeit beschrieben. Es ist die Rede von einem Raum in Regency Stil aber modernisiert angelehnt an der Weltausstellung von 1851. Wenn ich es recht verstanden habe.

Ich suche jetzt nicht nach solches Fehlen von Texten, manches macht mich halt gleich stutzig.
Schöne Grüße
Maria

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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon Trixie » So 21. Feb 2016, 21:01

Das ist aber schon ärgerlich, ein schweres Eingreifen in den Originaltext und verfälschend! Bisher habe ich nur sporadisch in die englische Ausgabe reingesehen und daher nicht bemerkt, daß tatsächlich ganze Absätze in der Übersetzung unterschlagen wurden. Mit welcher Begründung eigentlich? Wäre gut zu wissen, ob das eine Vorgabe bzw. Entscheidung des Verlags (Lektors) war oder auf der Technik oder Herangehensweise der Übersetzerin beruht. Aber wie auch immer - es sieht nun so aus, daß ich zum Lesen in Originalsprache umschwenken muß.
Ich lese gerade:
Jessica Aspen: The Dark Huntsman
Nila Iyer: The Thief of Poompuhar


Viel lesen und nicht durchschauen ist viel essen und nicht verdauen.

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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon JMaria » Mo 22. Feb 2016, 11:27

Hallo Trixie,

es kann natürlich sein, dass es wieder an meiner älteren Ausgabe von 1981 liegt :|
Schöne Grüße
Maria

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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon Trixie » Mo 22. Feb 2016, 18:34

Hallo Maria,

nein, es liegt leider nicht an deiner Ausgabe.

Ich habe gestern abend tatsächlich Kapitel 6 und 7 vergleichsweise nochmals, diesmal in meiner englischen Ebook-Ausgabe gelesen und zu meinem Entsetzen festgestellt, daß in der deutschen Übersetzung systematisch so ziemlich alles weggelassen wurde, was nicht wirklich unmittelbar mit den Hauptfiguren zu tun hatte! Daß absatzweise Texte einfach fehlen! In meiner TB-Ausgabe ist praktisch nur noch ein Skelett des Romans vorhanden, den M.M. Kaye ursprünglich (und ich gehe mal davon aus, daß in der englischen Ebook-Ausgabe nichts weggelassen und nichts hinzugefügt wurde) verfasst hatte. Im Grunde nur noch ein besserer Liebesroman mit etwas historischem und exotischem Kolorit...

Es hätte mir natürlich ein Hinweis sein können, daß die deutsche Übersetzung mit 495 Seiten vorliegt, während die Ebook-Fassung auf 889 Seiten kommt. Aber ich habe das anfangs auf unterschiedliche Schrift, Seitenlayouts etc. zurückgeführt oder auf evtl. Anhänge beim Ebook wie Leseproben zu anderen Titel usw. Aber natürlich kann das alles keine 400 Seiten Unterschied bedingen.

Ich bin nicht mal so sehr wütend, denn immerhin hat mir der Roman in meiner Unwissenheit beim ersten Lesen in den 80ern gut gefallen. Selbst dieses Mal fand ich den Text soweit flüssig, die Geschichte stimmig, es fiel nicht auf, daß so viel Text darin fehlte. Insofern wurde das schon gut gemacht. Aber es ist mir absolut unerklärlich, wieso man ein literarisches Werk überhaupt erst derart fleddern zu müssen glaubt. Traute man der Leserzielgruppe etwa nicht zu, daß sie 890 Seiten historischen Roman durchhielt? Oder wäre die Kosten-Preis-Kalkulation für ein Buch jenseits der 500 Seiten nicht aufgegangen? Was ich jedenfalls gar nicht glaube, ist, daß diese Zerstückelung auf die Übersetzerin zurückzuführen ist (wenn mir auch weiterhin schlampige Übersetzungen im Text aufgefallen sind, die mich an der Qualität ihrer Arbeit zweifeln lassen) - so nachlässig (oder eigenmächtig) kann ein seriöser Vertreter dieses Berufsstandes einfach nicht sein.

Ich ziehe für mich jetzt die Konsequenz und lese den -zum Glück noch sehr großen- Rest des Romans im Original und ziehe die deutsche Ausgabe nur noch stichprobenartig zum Vergleich der besonders interessanten oder sprachlich herausfordernden Stellen heran, rein aus fachlicher Neugierde.

Gruß,
Trixie

P.S.: Eine Frechheit eigentlich, daß in meinem Exemplar steht: "Ungekürzte Ausgabe"!
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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon MLena » Di 23. Feb 2016, 19:54

Hallo ihr Beiden,

menno, ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich mich so gar nicht gemeldet habe, aber erst war ich "angeschlagen", dann ein paar Tage unterwegs und jetzt bin ich dabei, den im Büro liegen gebliebenen Kram aufzuarbeiten ... und abends bin ich dann so platt, da ist nix mehr mit Lesen, ich hoffe aber, dass es zum Wochenende besser wird :-).
Und dann lese ich auch eure Anmerkungen - das bringt mir ja nicht so viel, wenn ich die Kapitel noch nicht gelesen habe ;-).
Liebe Grüße
Lena
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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon JMaria » Mi 24. Feb 2016, 10:41

Hallo Lena,

macht ja nix. Die Beiträge rennen ja nicht davon und soweit sind wir ja noch nicht. :-)
Ich bin auch nicht mehr die schnellste Leserin (im Gegensatz zu früher, da konnte ich abends seitenweise lesen). Bisher gefällt mir "Schatten über dem Mond" ausgesprochen gut, die Mischung zwischen Herzschmerz und historischer Hintergrund ist gut gelungen.

@Trixie,
das ist ja ein dicker Hund: "Ungekürzte Ausgabe" :shock:
bei mir ist dieser Hinweis nicht vorhanden. Da hat jemand wohl geschlampt in den 80er Jahren. Die Differenz der Anzahl der Seiten ist mir noch garnicht aufgefallen. Meine Ausgabe hat 510 Seiten. Kindle gibt mir 613 Seiten an. Also nicht so gravierend der Unterschied wie bei deiner Ebook Ausgabe. Sehr seltsam.
Schöne Grüße
Maria

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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon Trixie » Mi 24. Feb 2016, 14:05

Hallo Maria,

JMaria hat geschrieben:@Trixie,
das ist ja ein dicker Hund: "Ungekürzte Ausgabe" :shock:
bei mir ist dieser Hinweis nicht vorhanden. Da hat jemand wohl geschlampt in den 80er Jahren. Die Differenz der Anzahl der Seiten ist mir noch garnicht aufgefallen. Meine Ausgabe hat 510 Seiten. Kindle gibt mir 613 Seiten an. Also nicht so gravierend der Unterschied wie bei deiner Ebook Ausgabe. Sehr seltsam.


Seltsamerweise steht auf der Artikelseite bei amazon.de zu meinem Ebook auch: 628 Seiten, aber wenn ich die Info auf meinem Kindle-Gerät abrufe: 889 Seiten. Erklären kann ich mir das jetzt nicht so recht, es ist mir aber schon häufig so eine Abweichung zwischen Angaben im Shop und den tatsächlichen Seiten meines Exemplars untergekommen. Vielleicht orientieren sie sich an irgendeiner Druckausgabe und prüfe nicht weiter nach, ob die Kindle-Version halbwegs identisch ausfällt?

Wie auch immer, du hast Recht: An der deutschen Übersetzung hat damals jemand übel geschlampt.

Ich bin jetzt übrigens in Kapitel 8, das Schiff legt einen kurzen Zwischenhalt auf Malta ein.

Gruß,
Trixie
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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon Trixie » Mo 29. Feb 2016, 16:25

Weicht ein wenig vom eigentlichen Thema ab, aber wie es der Zufall will: Noch bis zum 20. März 2016 gibt es im Augustinermuseum in Freiburg i. Br. eine Ausstellung zu Franz Xaver Winterhalter:

Franz Xaver Winterhalter. Maler im Auftrag Ihrer Majestät

Sicher sehr sehenswert und einen Besuch wert, wenn man einigermaßen in der Nähe ist.

Und bei arte kann man online noch eine 52-minütige Doku zum Künstler sehen:
Der Maler Franz Xaver Winterhalter
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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon JMaria » Mo 29. Feb 2016, 17:31

Trixie hat geschrieben:Weicht ein wenig vom eigentlichen Thema ab, aber wie es der Zufall will: Noch bis zum 20. März 2016 gibt es im Augustinermuseum in Freiburg i. Br. eine Ausstellung zu Franz Xaver Winterhalter:

Franz Xaver Winterhalter. Maler im Auftrag Ihrer Majestät

Sicher sehr sehenswert und einen Besuch wert, wenn man einigermaßen in der Nähe ist.

Und bei arte kann man online noch eine 52-minütige Doku zum Künstler sehen:
Der Maler Franz Xaver Winterhalter



Toll, Trixie! Danke!

Ich höre mir gerade die Audio Dateien an, dort wird aus diversen Briefen zitiert. Dass Winterhalter auch das berühmte Sisi- Bildnis und das wunderschöne Bild von Fürstin von Metternich gemahlen hat, wußte ich nicht. Danke fürs nachforschen und posten!

In die Doku auf ARTE schaue ich bestimmt auch noch in den nächsten Tagen rein.

Ich bin leider nicht zum Weiterlesen gekommen, nur ein paar wenige Seiten im 7. Kapitel.
Schöne Grüße
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Re: M. M. Kaye 1908 - 2004

Beitragvon Trixie » Di 1. Mär 2016, 00:33

JMaria hat geschrieben:
Ich bin leider nicht zum Weiterlesen gekommen, nur ein paar wenige Seiten im 7. Kapitel.


Kein Problem, ich pausiere auch gerade. Mit diesem Roman fällt mir das Einsteigen auch nach einer längeren Unterbrechung ziemlich leicht, wie mir aufgefallen ist.
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