Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » So 18. Feb 2018, 12:54

Ihr habt spannende Lektüre !

Ich habe gestern Die Vegetarierin von Han Kang beendet. Die Geschichte um eine Frau in Seoul, die gegen die sozialen Normen aufbegehrt und damit auch in ihrem Umfeld Freiheitsbestrebungen auslöst, hat mich sehr beeindruckt. Es ist auch ein Streben nach Toleranz und nach der Freiheit zum eigenen Glück und der inhaltliche Vergleich zu Kafka, der in den Besprechungen angestellt wird, ist offensichtlich. Ein tolles Buch.

Und heute habe ich, wer hätte es gedacht, mit dem dritten Teil der Kafka-Biografie begonnen: Die Jahre der Erkenntnis von Reiner Stach.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » So 18. Feb 2018, 14:02

steffi hat geschrieben:Ihr habt spannende Lektüre !

Ich habe gestern Die Vegetarierin von Han Kang beendet. Die Geschichte um eine Frau in Seoul, die gegen die sozialen Normen aufbegehrt und damit auch in ihrem Umfeld Freiheitsbestrebungen auslöst, hat mich sehr beeindruckt. Es ist auch ein Streben nach Toleranz und nach der Freiheit zum eigenen Glück und der inhaltliche Vergleich zu Kafka, der in den Besprechungen angestellt wird, ist offensichtlich. Ein tolles Buch.

Und heute habe ich, wer hätte es gedacht, mit dem dritten Teil der Kafka-Biografie begonnen: Die Jahre der Erkenntnis von Reiner Stach.



Ach, das freut mich, dass dir die „Vegetarierin“ auch so gut gefallen hat wie mir :vor_freude_tanz:
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » So 18. Feb 2018, 16:51

Hallo zusammen,

“Doktor Shiwago“ habe ich beendet. Abschließend kann ich sagen, ein sehr bereichernder, aber nicht immer leicht zu lesender Roman, wegen seiner Fülle an politischen Verwicklungen, und den zahlreichen Figuren und Namen. Aber die Mühe lohnt!

Boris Pasternak vermittelt ein eindrucksvolles Bild über diese unruhige Zeit. Was für vergeudete Lebens- Und Liebesmühen? Und was für Mühen! Kein richtiges Leben für die Menschen. Überhaupt schien kein Platz zu sein fürs Menschsein. Alles hatte sich in Formen zu pressen, mal in diese, mal in jene; je nachdem wer gerade die Macht ergriffen hatte.

Juri Shiwago findet im Roman mehrmals einen treffenden Vergleich aus der Natur: Mimikry, wer sich anpasst, überlebt. Dort in den Zeiten musste man sich unentwegt anpassen. An diese Gruppierung, dann an die Gegengruppierung, an deren Untergruppierungen. Welch erzwungene Zustimmung. Wie unwahr, was die Menschen sagten. Denn sie mussten es ja sagen. Heute Dies und morgen Das. Anecken war vorprogrammiert.

Der Roman ist unsentimental erzählt. Obwohl man Lara, Shiwago, auch Tonja und Pawluscha ihre großen Gefühle glaubt. Doch sie bekamen nie Raum. Im Leben kaum, und im Roman ebenso wenig, was den Roman umso authentischer wirken lässt. Boris Pasternak gibt ihrer Geschichte im Roman genau den Platz, den das Leben ihnen lässt: flüchtige Momente und Wochen, die sie sich stehlen, um dann wieder an den ihnen zugedachten grausamen Platz im Leben zurückgespült (von den ideologischen Wellen, die alles mit sich reißen) zu werden. Sie werden nicht dem Leben, sondern dem Überleben (oder auch Sterben) zugeführt. Unerbittlich.

Lara sagt selbst, das ihr kurzes Zusammenleben kein wirkliches Leben ist, sondern ein Puppenspiel, ein Theaterstück. (Nicht mal ihr eigenes Haus ist die Bühne, sondern ein fremdes Haus). Wir recht sie hat.

Ein beeindruckendes Buch, nicht immer einfach zu lesen, wegen der permanent dem Volk, und damit den Figuren und dem Leser aufgedrückten politischen Themen, die ein wirkliches Leben und Lieben zur Nebensache, ja, zum Großteil unmöglich machen. Das an unpolitischen Menschen (u. a. Shiwago und Lara) aufgezeigt zu bekommen, macht diesen Aspekt überdeutlich.

Boris Pasternak bemüht den Zufall auffällig oft. Das geschieht nicht aus Hilflosigkeit, sondern in einer wohlüberdachten Absicht, die noch einen eindrücklichen Nebeneffekt hat: das Schicksalhafte des Romans bekommt dadurch Ausdruckskraft. Betrachtet man Boris Pasternaks Leben, so findet man viele Parallelen – auch besonders in der Liebesgeschichte zwischen Shiwago und Lara (Pasternak hat sich bei der Figur der Lara an seiner Geliebten Olga orientiert). Auch darin flackert Schicksalhaftes (und eine Unausweichlichkeit) auf.

Aufgrund der Tatsache, dass der Roman so unsentimental erzählt wird, erwischte mich zum Schluss hin die spürbare Unruhe und Verzweiflung, die der noch unklaren aber unausweichlichen endgültigen Trennung Laras und Juris vorausging, umso stärker. Übertrug sich auf mich, war schwer auszuhalten. Ebenso Shiwagos an die Trennung anschließende tiefe untröstliche Verzweiflung.

Erfreulich, dass die Gedichte, die Shiwago in dieser Zeit aufschrieb, im Anhang (nachgedichtet von Richard Pietraß) abgedruckt sind. Und so auch einen Blick auf den Dichter Boris Pasternak geben. So richtig ansprechen konnten mich die Gedichte zwar nicht (was gewiss auch der Unmöglichkeit geschuldet ist, die sprachlichen Bilder 1:1 in eine andere Sprach zu übertragen, ohne die Melodie der Gedichte zu verändern), aber hochinteressant waren sie im Kontext des Romans, da sie viele Themen des Buches erneut aufgreifen. Und so können sie auch auf eigene Art berühren.

Das Nachwort von Igor P. Smirnov und Johanna Renate Döring-Smirnov zum „Gesamtkunstwerk Doktor Shiwago“ war interessant und aufschlussreich. Obwohl ich in vielem nur wenig folgen konnte, bekam ich einen guten Einblick in die Entstehungsgeschichte, und über die Einflüsse, die hineingeflossen sind. Ein schier unfassbarer Reichtum an Einflüssen! Der anschließende Umriss (Zeittafel im Anhang) von Boris Pasternaks Leben unterstreicht die aufgespürten Einflüsse, sehr interessant!

Ich las die Neuübersetzung von Thomas Reschke, die damals freudig aufgenommen wurde, und von der es heißt, dass sie näher am Original wäre, als die Übersetzung von Reinhold von Walter. Doch liest man auch einige Kritik über die Neuübersetzung, die lebloser sein soll. Die Übersetzung von Reinhold von Walter hingegen soll poetischer sein. Was mich jedoch tatsächlich irritiert: In den Anmerkungen im Anhang meiner Ausgabe (also der Neuübersetzung) weisen Renata von Maydell und Michail Bezrodnyj auch auf vorhandene Fehler in der Übersetzung hin. Und davon gibt es einige. Ungenauigkeiten (teils den Sinn verändernd). Einigen (nicht allen kann das als Entschuldigung dienen) liegt Unwissen Zugrunde. Pasternak hat so vieles in den Text gewebt, das viel Sachkunde erforderlich ist, um jede Anspielung zu erkennen und zu deuten, und dem Sinn entsprechend zu übersetzen. Aber auch offenkundige Unrichtigkeiten wurden hier angemerkt.

Zu den Unrichtigkeiten zählt z. B. diese Stelle: „Drunten vor dem Fenster im Hof war dem Geruch der herrlichen Nacht ein Duft von frischem Heu beigemengt, aromatisch wie Tee.“ Thomas Reschke hat hier das Wort Duftviole (eine Pflanze!) mit Geruch der herrlichen Nacht übersetzt.

Oder z. B. ein Zeitangabe „gegen zehn“ übersetzt er mit „gegen neun“. Solche Fehler in Zeitangaben finden sich häufig.

Zu den Ungenauigkeiten zählt z. B.: „heißes Wasser mit Milch“, während es im Original „mit Milch geweißtes heißes Wasser“ heißt. Ein kleiner aber feiner Unterschied, denn die Menge der Milch, die dem heißen Wasser zugegeben wird, deutet auf die ärmlichen Lebensumstände hin.

Oder er übersetzt Polotok mit Kleid, im Original Kopftuch, und insofern wichtig, weil es die Ursache eines Missverständnisse ist, weil Tonja das Wort wegen des ähnlichen Klangs mit einem anderen Wort verwechselt, nämlich das Wort polotok (= hier: Hälfte eines zubereiteten Tieres) und platok (=Kopftuch).

Dennoch überwiegt bei mir die Dankbarkeit, dass solche Werke neuübersetzt werden. Sonja Margolinas sagt es in einem Arikel in der ZEIT über diese Neuübersetzung so treffend: „Eine neue Übersetzung ist nicht nur Anlaß, alte Fehler zu redigieren und dadurch das Werk zu perfektionieren. Sie ist in erster Linie eine neue Interpretation, die notwendigerweise aus der mit der Zeit veränderten Perspektive erfolgt. Durch diese Interpretation bekommt der Schriftsteller einen Platz im Pantheon der Weltliteratur, in der Akademie der Unsterblichen.“
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » So 18. Feb 2018, 19:14

Liebe Petra,

danke für Deinen tollen Bericht. Es ist nicht das 1. Mal, dass Du mir Lust auf Dr. Schiwago machst.

Deine Begeisterung ist wieder einmal sehr ansteckend. Ich werde mir Dr. Schiwago auf jeden Fall für den nächsten Winter vormerken.

Den Film kenne ich ja schon, weiß aber auch jetzt wie reduziert dieser sein muss. Daher werde ich sicherlich das Buch als Bereicherung empfinden können. Gut, dass ich erst den Film gesehen habe. Auch wenn ich jetzt feste Gesichter beim Lesen vor Augen haben werde, so ist dies sicherlich weniger enttäuschend als das Buch gelesen zu haben und erkennen zu müssen, dass der Film nur den Teil der Liebe zwischen Dr. Schiwago und Lara in den Mittelpunkt zu stellen scheint.

Beim Reinlesen in das Buch habe ich gesehen, dass der Anfang des Films identisch ist mit dem Anfang des Buches. Allerdings heißt Schiwago im Film nicht Jura, sondern Juri.

Kennt jemand vielleicht beides, Buch und Film und kann mehr vergleichend dazu sagen?
"Das Lesen eines Buches ist die Zwiesprache mit der eigenen Seele!"
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Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » So 18. Feb 2018, 19:23

Ihr Lieben,

ich musste gar nicht lange suchen und habe heute mein neues altes Buch ausgewählt.

Um mich aufs Suchen einzustimmen habe ich ein wenig meine Bücher geräumt. Aus der Bibliothek raus und rein ins Schlafzimmer. Allerdings wanderten nur die Bücher des SUBs ins Schlafzimmer, zumindest der größte Teil, da ich meine Manessebücher nicht auseinanderreißen möchte. Die gelesenen Bücher haben den Weg raus aus dem Schlafzimmer zurück in die Bibliothek gefunden. Dadurch habe ich einen besseren Überblick über meinen SUB und das Auswählen fällt leichter. Vielleicht sortiere ich sie noch nach Genres. Aber das muss nicht sein, da es übersichtlich ist.

Im Zuge dessen fiel mir mein bereits vor dem Zauberberg begonnenes Buch Was vom Tage übrig blieb wieder in die Hände. Ja und da war es klar, dass ich dieses Buch weiterlesen möchte.

Es fiel damals spontan dem Zauberberg zum Opfer.
Beim Weiterlesen merke ich wieder wie schön und auch ruhig hier die Sprache ist und wie angenehm man sich zurücklehnen und die Geschichte genießen kann.
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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » So 18. Feb 2018, 21:40

Da hast Du ja fast selbst einen Roman geschrieben, liebe Petra. Ein Vergnügen, Deinen Bericht zu lesen, lieben Dank.

Ich kenne auch nur den Film, habe ihn sicherlich in den letzten Jahrzehnten drei-, viermal gesehen. Irgendwo steht auch das Buch, habe es mal in der Bücherstube gefunden, in der ich mal tätig war.
Mal schaun, wann es mich nach Russland zieht, momentan bin ich mit Vor dem Sturm von Jesmyn Ward in Amerika. Und dann möchte ich lesend nach Irland.
Lesende Grüße, Anne

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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » So 18. Feb 2018, 21:44

Ha, liebe Barbara, da waren wir ja mit dem Gleichen beschäftigt. Ich wühle auch schon eine Weile mit den Büchern umher. Ich möchte die Serien zusammensuchen und einige Bücher raussuchen, die ich demnächst lesen möchte.
Aber dieses Geräume nimmt eh kein Ende. Ich mache das einfach zu gerne.
Lesende Grüße, Anne

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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » Mo 19. Feb 2018, 07:08

Liebe Didonia,

wie schön. Ja, ich beschäftige mich ab und an auch sehr gerne mit meinem Bestand.

Was ich auch noch gerne machen möchte, und da musste ich gestern schmunzelnd an Dich denken, eine Liste schreiben zu verschiedenen Lesethemen , genauer zu Büchern, die ich gerne lesen möchte:

1.Bücher die eine hohe Auszeichnung bekommen haben --> hier weiß ich noch nicht welche Preise, aber ich schätze es wird der Pulitzerpreis.
2. Bücher, durch die ich hier aufmerksam wurde, und die ich auch gerne lesen möchte
3. SUB - Bücher, die ich nun in nächster Zeit lesen werde.

Da schau an, gestern fiel es mir noch schwer, diese Listenthemen zu formulieren und siehe da, jetzt habe ich sie durchs Dir Beschreiben direkt formuliert.

Durch die Listen möchte ich vermeiden, dass ich diese Vorhaben in der alltäglichen Routine wieder vergesse .
"Das Lesen eines Buches ist die Zwiesprache mit der eigenen Seele!"
B.H.

Liebe Grüße
Barbara
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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Mo 19. Feb 2018, 09:27

Barbara hat geschrieben:Durch die Listen möchte ich vermeiden, dass ich diese Vorhaben in der alltäglichen Routine wieder vergesse .


Moin, liebe Barbara,

genau dafür sind Listen gut. Obwohl es auch noch Spaß macht, sie anzulegen.

Meine Listen stehen ja schon eine Weile und ich denke, ich habe zu viele gemacht. Ich werde mich wohl auch auf drei beschränken. Und da fällt die Entscheidung auch gar nicht schwer:

1. Bücher über Bücher
2. Gegen das Vergessen
3. Irland

Das sind die, worauf ich derzeit richtig Lust habe.

Kommt gut in die Woche :buecher_boden: :buecher_boden:
Lesende Grüße, Anne

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Re: Leseerlebnisse 2018.... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Mo 19. Feb 2018, 10:57

Hallo zusammen,

es freut mich, dass euch mein abschließender und ausführlicher Bericht über “Doktor Shiwago“ gefallen, und auch Lust auf den Roman gemacht hat. Den Vergleich zum Film kann ich nicht so recht ziehen, ich habe ihn nie (zumindest nie ganz) gesehen. Er interessiert mich natürlich jetzt, aber ich scheue auch ein bisschen die Gefühle darin, bestimmt ein Film, der einen sehr traurig zurück lässt. Aber es stimmt, er soll weitestgehend auf die Liebesgeschichte reduziert sein. Die bildet im Roman zwar auch den Rahmen, aber sie nimmt nicht viel Raum ein. Vielleicht 100-150 Seiten von 700. Barbara, im Buch heißt Shiwago auch Juri. Worauf ich beim Film gespannt bin, ist die Rolle die man ihm zugedenkt. Im Buch ist er eine passive Figur. Er tut sich durch nichts hervor, außer dass er zum Schluss hin Gedichte schreibt. Weder als Arzt noch im Krieg. Er wird in die Dinge hineingezogen, sonst nichts. Keine Heldentaten, keine Heilungen, etc.. Ich könnte mir vorstellen, dass man ihm im Film eine aktivere Rolle zugedacht hat. Auch bin ich neugierig, wie man seine letzten Jahre schildert. Im Buch verwahrlost er, ist depressiv. Lernt aber eine weitere Frau kennen, aber der Verlust seiner großen Liebe lässt ihn nie los. Sein Tod unterscheidet sich, soviel ich erfahren habe, in einer Kleinigkeit von seinem Filmtod. Im Film meint er aus der Straßenbahn in einer Passantin Lara zu erkennen, und erleidet deshalb einen Herzinfarkt. Im Buch sieht und beobachtet er eine Frau (auch eine, die man aus dem Buch kennt – doch das scheint nur der Leser, nicht aber Doktor Shiwago zu bemerken, und es ist auch keine wichtige Überschneidung), es ist nicht Lara, und Shiwago meint das auch nicht. Den Herzinfarkt erleidet er einfach so, er hat eine Herzschwäche. Sein Tod soll im Roman ganz absichtlich keinen Bezug zu den vom Krieg und der Revolution verursachten Leiden haben. Dieser Tod stellt eine Art Verweigerung dar. Shiwago starb nicht im Kampf für irgendeine Ideologie, er starb nicht für irgendeine Sache. Nicht mal aufgrund der Unmöglichkeit privaten Glücks durch die politischen Verhältnisse. Sondern einfach an Herzversagen.

Selbstverständlich habe ich auch in den letzten Tagen meine regelmäßigen Visiten auf dem Zauberberg abgehalten, und wieder mit dem größten Vergnügen! Herrliche Szenen. Hans Castorp macht Joachim verrückt, mit seiner Leidenschaft für Clawdia Chauchat. Jetzt hat er sich eine Einladung zu Hofrat Behrens erschlichen, um dessen Porträts Clawdias ansichtig zu werden. Köstlich! Und zuvor geriet er in eine Diskussion mit Settembrini, über Körper und Geist. Ebenfalls ein Vergnügen. Den Zauberberg möchte ich nach wie vor ja neben meinen anderen Büchern lesen, da er sich dazwischen geschummelt hat. Aber auch, weil die tägliche Einkehr ein Genuss ist, den ich nicht so bald aufgeben möchte. Aber erstaunlich, gut ein Drittel ist dennoch schon erklommen, von dem Zauberberg.

Sehr neugierig bin ich auf den Autor Adam Haslett, von dem ich mir Anfang des Jahres dringlichst seinen zweiten Roman („Stellt euch vor, ich bin fort“) gekauft habe. Durch den Kauf wurde ich zudem überaus neugierig auf seinen Erzählband “Hingabe“, für den er damals auf die Shortlist des Pulitzer Preises gelangte (ich habe übrigens inzwischen noch mal nachgelesen: für seinen Roman „Stellt euch vor ich bin fort“, wurde er abermals für den Pulitzer Preis nominiert). Das reinlesen in die Erzählungen hat mich auch hier zum dringenden Kauf veranlasst, sie üben eine starke Sogwirkung aus. Und so griff ich nun zu diesen Erzählungen. Gestern habe ich die erste gelesen, sie trägt den Titel „Anmerkungen für meinen Biographen“, und ist raffiniert aufgebaut. Wir lernen einen alten Mann kennen, dem man Zeit seines Lebens Unrecht getan hat. Er schleudert in seinen Anmerkungen an seinen Biographen seine Wut heraus, und deckt darin Lebenslügen (nicht seine eigenen!) auf. Es entsteht das Bild eines Menschen, der in der Gesellschaft (bei Familie, in geschäftlichen Dingen etc.) stets angeeckt ist, und dem alle aus dem Weg gehen. Weil er exzentrisch ist. Wir sind ganz auf seiner Seite. Doch nach und nach wird klar, was dahinter steckt, und unsere Meinung kippt. Eine psychische Störung ist Ursache, und wir bekommen tiefen Einblick, wie anstrengend das für seine Familie (und weitere Menschen) gewesen sein muss, und wie hilflos sie diese Situation macht. Beklemmend (und mitreißend – auf der kurzen Strecke einer Erzählung hat der Autor zahlreiche Emotionen in mir geweckt, sogar Tränen kamen mir)! Auf die weiteren Erzählungen bin ich ungemein gespannt. Auf den Roman freue ich mich ebenfalls sehr, denn auch dort geht es um eine psychische Erkrankung (Depression), und den Umgang damit. Wie meisterlich der Autor das Gebiet beherrscht, zeigt diese erste Erzählung. Beeindruckend!

Für abends im Bett habe ich mir auch ein neues ebook ausgesucht. Ich lese gerne die Krimi-Reihe von Stuart MacBride um Detective Sergeant Logan McRae. Lange schon wollte ich wieder einen Band aus der Reihe lesen, da der 3. Band "Der erste Tropfen Blut" aber im kalten Februar spielt, wollte ich mich auch erst dann ins kalte ungemütliche Aberdeen begeben. Das ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt! Die Grampian Police ist bereits auf den ersten Seiten in vollem Einsatz! Detective Sergeant Logan McRae beschäftigt sich mit einem Fall, in dem ein Schwerverletzter (und kurz darauf Verstorbener) vor dem Krankenhaus abgeladen wurde. Seine Kollegin Jackie Watson kümmert sich um einen Vergewaltiger. Der typische sarkastische Ton der Serie wird gleich auf den ersten Seiten angeschlagen. Ich bin schon mitten drin! Mal sehen, wann DI Inch wieder anfängt Gummibärchen zu essen. Gut dass ich welche im Haus habe.

Ihr seht, ich habe eine Menge tollen Lesestoff! Ihr aber auch! Dazu später in einem separaten Beitrag mehr.
Liebe Grüße,
Petra


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