Virginia Woolf

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Re: Virginia Woolf

Beitragvon JMaria » Mi 3. Nov 2010, 10:03

steffi hat geschrieben: Hier :mrgreen: Ich hätte Lust :D Wann willst du denn beginnen ?


supi :D
wie wärs am Wochenende (06.11.) ?

Gruß,
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Schöne Grüße
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Re: Virginia Woolf

Beitragvon steffi » Mi 3. Nov 2010, 10:09

Ja, gerne *wink*
Gruss von Steffi

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Re: Virginia Woolf

Beitragvon JMaria » Mi 3. Nov 2010, 11:07

Hallo Steffi,

sollen wir es hier im Virginia Woolf Ordner ganz locker gestalten unsere Leserunde oder einen neuen Thread im Lit-Chatten eröffnen?

Gruß,
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Re: Virginia Woolf

Beitragvon steffi » Fr 5. Nov 2010, 10:30

Hallo JMaria,

wir können es gerne in diesem Ordner machen ! Ich freu mich schon !
Gruss von Steffi

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Re: Virginia Woolf

Beitragvon JMaria » So 7. Nov 2010, 15:04

Hallo Steffi,

[Zwischen den Akten]:
die ersten Seiten sind sehr vogellastig.
In erster Linie denkt man bei Vögel an schöne Dinge, wie Gesang, Liebeswerben .... Doch der Beginn von "Zwischen den Akten" ist alles andere als licht und heiter.

Eine Senkgrube wird erwähnt, über die man doch nicht sprechen sollte, an diesem schönen Abend, aber vermutlich macht ihr Gestank sich bemerkbar :?:

Mrs. Haines, die Gutbesitzerin, ist gansgesichtig.

Eine Nachtigall ertönt - nein, sie war es doch nicht, es war nur ein Tagvogel. Somit fällt das Symbol der Liebe, wobei die Männchen schon mal die ganze Nacht durchsingen als Balzritual, leider weg.

Mrs. Giles Oliver kommt wie ein Schwan in einem Morgenmantel ins Zimmer mit verblassten Pfauenmotiven. Auch der Pfau hat ein außergewöhnliches Balzverhalten, er spreizt sein Rad, doch hier ist das Symbol verblasst !

Der Schwan ein Symbol der Reinheit und wenn zwei Schwäne in der Balz zusammenkommen, zeigen ihre graziösen Hälse schon mal ein typisches Herz.

Isa hob den Kopf. Die Worte bildeten zwei Ringe, vollkommene Ringe, die sie beide, sie und Haines, wie zwei Schwäne stromabwärts trugen. Seine schneeweiße Brust war aber von schmutzigem Entengrützgeschlinge umschlossen; und auch sie mit ihren Schwimmfüßen hatte sich verstrickt in ihren Mann, den Börsenmakler.

das klingt mir eher nach einem letzten Schwanengesang !

und Mrs Haines bemerkt wohl die unterschwellige Leidenschaft, doch wie eine Drossel einem Schmetterling die Flügel abpickt, möchte sie diese zerstören.

Pointz Hall mit seinen Bäumen und Krähennester weckt durchaus den Wunsch dort zu wohnen.

die Witwe Mrs. Swithin wird von Vögel geweckt, die sangen wie eine Schar von Chorknaben.

mir gefällt der Einstieg in die Geschichte überaus gut, sehr vielversprechend. Aber auffallend viele Vögel ;-)

Liebe Grüße
Maria
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Re: Virginia Woolf

Beitragvon steffi » Mo 8. Nov 2010, 10:09

Hallo JMaria !

Zwischen den Akten
Du hast recht, die Vögel sind auffallend. Ich habe mir auch überlegt, ob Vögel nicht auch ein Motiv für eine bestimmte Zeit sein könnten, denn man merkt auch, dass die alte Gutsherrenzeit vorbei ist - der alte Mr. Oliver ("Bartie") und auch Mrs. Swithin leben noch verbunden mit der alten Zeit, während Isa hin und her gerissen ist. Vögel könnte somit auch als Boten einer neuen Zeit gesehen werden oder als Erinnerung an die vergangene Zeit.

Den romantischen Zusammenhang hast du sehr schön herausgearbeitet, Schwan und Pfau sind auch Jugendstilmotive. Ob Vögel in einer bestimmten literarischen Zeit besonders oft als Motiv vorkommen ?

Auf jeden Fall ist der Stil herrlich leicht und auch humorvoll, es erinnert mich ein bißchen an Mrs. Dalloway. Obwohl ich erst knapp über 30 Seiten gelesen habe, sehe ich die Details des Hauses, der Menschen, ihr Leben und deren Sehnsüchte, der Gegend - einfach alles - sehr plastisch vor mir. So etwas schafft in so einer Leichtigkeit und Direktheit wirklich nur Virginia Woolf.

Ich bin nun bei dem Überraschungsbesuch von Mrs. Manresa - die natürlich nicht zu der Gesellschaft mit den lange verfolgbaren Ahnen gehört und sich daher auch nicht entsprechend zu benehmen weiß; zwei Welten prallen aufeinander :lol: und wie distinguiert es die "Alten aufnehmen, herrlich !
Gruss von Steffi

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Re: Virginia Woolf

Beitragvon JMaria » Mo 8. Nov 2010, 12:58

Zwischen den Akten

steffi hat geschrieben: Du hast recht, die Vögel sind auffallend. Ich habe mir auch überlegt, ob Vögel nicht auch ein Motiv für eine bestimmte Zeit sein könnten, denn man merkt auch, dass die alte Gutsherrenzeit vorbei ist - der alte Mr. Oliver ("Bartie") und auch Mrs. Swithin leben noch verbunden mit der alten Zeit, während Isa hin und her gerissen ist. Vögel könnte somit auch als Boten einer neuen Zeit gesehen werden oder als Erinnerung an die vergangene Zeit.


ein sehr guter Gedanke. Da wir uns ja noch in der englischen Geschichte bewegen werden, würde diese Definition dazupassen.

Ich erinnere mich gerade an ein Zitat von Christa Wolf aus ihrem neuen Buch: Die Zeit, tut was sie kann, sie vergeht. (oder ähnlich)

Die Farbe gelb kommt ziemlich oft vor, außerdem die Zahl 3, in Verbindung mit Mrs. Oliver (sitzt auf einem dreieckigen Stuhl (?) , sieht in einen dreiteiligen Spiegel, dreieckige Sandwiches) , Spiegel, werden öfters erwähnt.

(Dreiteiliger Spiegel = Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) :?:

Leer, leer, leer; still, still, still. Der Raum war eine Muschel, die davon sang, was vor der ZEit war; eine Vase stand im Herzen des Hauses, alabastern, glatt, kühl, und hielt in sich die reglose, destillierte Essenz der Leere, Stille.


Steffi hat geschrieben:Ich bin nun bei dem Überraschungsbesuch von Mrs. Manresa - die natürlich nicht zu der Gesellschaft mit den lange verfolgbaren Ahnen gehört und sich daher auch nicht entsprechend zu benehmen weiß; zwei Welten prallen aufeinander und wie distinguiert es die "Alten aufnehmen, herrlich !


Zitat:
... Wir haben was zu futtern.... :D

Liebe Grüße
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Re: Virginia Woolf

Beitragvon steffi » Di 9. Nov 2010, 09:43

JMaria hat geschrieben:Die Farbe gelb kommt ziemlich oft vor, außerdem die Zahl 3, in Verbindung mit Mrs. Oliver (sitzt auf einem dreieckigen Stuhl (?) , sieht in einen dreiteiligen Spiegel, dreieckige Sandwiches) , Spiegel, werden öfters erwähnt.

(Dreiteiliger Spiegel = Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) :?:


Ja, siehst du, das ist mit gar nicht so deutlich aufgefallen ! Aber passend - Isa sitzt ja förmlich zwischen allen Stühlen, dichtet heimlich, ist romantisch und benimmt sich gleichzeitig äußerst snobistisch (das Winken/Klopfen durch die Fenster zum Nachwuchs, gegenüber Mrs Manresa usw.). Ich frage mich, ob sich Virginia Woolf nicht ebenso gefühlt hat, wenn sie bei Ottoline Morrell war, dazugehörig und doch nicht.
Gruss von Steffi

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Re: Virginia Woolf

Beitragvon JMaria » Di 9. Nov 2010, 15:51

.

Zwischen den Akten:

steffi hat geschrieben: .... zwei Welten prallen aufeinander :lol: und wie distinguiert es die "Alten aufnehmen, herrlich !


durch deine obige Anmerkung habe ich etwas aufmerksamer weitergelesen und dabei bemerkt, dass diese Veränderung in der gesellschaftlichen Struktur doch öfters aufeinander treffen.

Virginia Woolf selbst wird es so empfunden haben wie Mrs Manresa:

"Ja, alles darf in diesem Haus gesagt werden. Ist es erlaubt, Mrs Swithin?.... Ich ziehe mein Korsett aus .... und wälze mich im Gras. Wälze mich - könnt ihr mir glauben..." Sie lachte aus vollem Herzen. Sie hatte es aufgegeben, sich Sorgen wegen ihrer Figur zu machen, und so ihre Freiheit gewonnen.

Virginias Stiefbrüder George und Gerald Duckworth wohl eher so wie Mr Giles.... (was ich aus den Biographien über Virginia entnehmen konnte):

Der Geist der Konvention kam zum Vorschein, ... und so rührte der Wagen an seine Erziehung. Er mußte sich umziehen. Und er betrat das Eßzimmer in der Aufmachung eines Kricketspielers,... aber er war aufgebracht. Hatte er nicht in der Morgenzeitung im Zug gelesen, daß sechzehn Männer da drüben, jenseits der Meerenge, in dem flachen Land, das sie vom Kontinent trennte, erschossen, andere gefangengenommen worden waren? Dennoch zog er sich um...

du hast die Leichtigkeit mit der Virginia Woolf schreibt schon erwähnt. Sie hat so eine Art, einen ganzen Kosmos zu beschreiben, z.B. die Stelle als der kleine George zwischen Blumen buddelte. Ein Mikrokosmos tut sich in wenigen Sätzen dem Leser auf. Die Konturen verwischen, Gras, Baum und Blume sind von gleicher Größe. Sind eins. Grandios. Kann man das metaphysisch nennen?


Grüße von
Maria
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Re: Virginia Woolf

Beitragvon steffi » So 14. Nov 2010, 11:32

Zwischen den Akten

Ich bin in der Zwischenzeit nicht sehr weit gekommen - bei der ersten Pause ! Die Vergänglichkeit wird schön sichtbar, betroffen machte mich die Passage, als sich Isa wünschte, das Wasser des Wunschbrunnens möge über ihr zusammenschlagen. Es war ein friedliches Bild und Virginia Woolf hat sich wohl schon Gedanken darum gemacht. Gut gefällt mir auch, wie sie wieder die Farben einsetzt und auch die Natur z.B. die Fliege, die den gelben Kuchen anbohrt. Man merkt die Unzufriedenheit und auch, dass die Besinnung auf die Geschichte Englands und dessen Kultur keinen Halt gibt angesichts des Krieges. So hat es Virginia sicher auch empfunden.
Gruss von Steffi

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