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 Hörerlebnisse 2018 - ich höre gerade... 
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Beitrag Re: Hörerlebnisse 2018 - ich höre gerade...
Hallo zusammen,

“Imperium“ habe ich beendet. Für mich ein Hör-Highlight! Christian Kracht bewegt sich in dem Roman auf den Spuren August Engelhardts, der Anfang des 20. Jahrhunderts Deutschland verließ, um seine Ideale in der Kolonie Deutsch-Neuguinea auszuleben. Dort lebte August Engelhardt fortan als Nudist als einzig Weißer auf der Insel Kabakon, auf der er eine Kokosnussplantage erwarb, um sich ausschließlich von Kokosnüssen zu ernähren. In der Annahme, dass diese der Sonne am nächsten wachsenden Frucht, die göttlichste alle Früchte ist, erlangte diese Anschauung (Kokovorismus genannt) immer stärkere religiöse Züge.

Diese interessante Lebensgeschichte erzählt Christian Kracht in einer Weise, die an eine Südseeballade erinnert. In der Tradition der großen klassischen Abenteuerromane, und im Tonfall eines Thomas Mann (deutliche Anklänge!).

Anspielungsreich ist dieser Roman auch an vielen kleinen Nebenschauplätzen, an die Christian Kracht immer wieder führt. So wirft er kleine Schlaglichter auf (fiktive) Begegnungen Engelhardts mit großen Literaten seiner Zeit. Der Leser (Hörer) muss genau hinschauen, um sie zu erkennen. Das bereitet eine diebische Freude, wenn man plötzlich Katia und Thomas Mann erkennt, Hermann Hesse oder Kafka. Aber auch in der griechischen Mythologie nimmt Christan Kracht Anleihen. So gibt es in einem der Schlusskapitel eine Nebenfigur namens Pandora, und der Kapitän Slütter veranlasst sie (unheilvoll) in einem Nebensatz auch eine Dose (Büchse) zu öffnen. In der Nebengeschichte um Pandora finden sich weitere literarische Anspielungen auf eine Erzählung („Rain“) von William Somerset Maugham und Melvilles „Moby Dick“. Es lohnt sicher, das Hörbuch dereinst noch mal zu hören, da sich sicher noch mehr Anspielungen in dem Text verstecken.

Anfangs hegte ich noch leise Zweifel, ob mir gefällt, dass der Sprachstil so deutlich an Thomas Mann angelehnt ist. Schließlich ist es somit nichts eigenes, sondern etwas kopiertes. Abschließend kann ich sagen, dass es mich nicht stört, sondern es durchaus passend ist, da Christian Kracht in diesem Roman so viele literarische Anspielungen einfließen lässt. Auch passt es sehr zur Zeit, zu der sich August Engelhardt auf in die Südsee machte. Und ganz zum Schluss gibt Christian Kracht auch ein deutliches Zeichen, dass er nicht versucht heimlich Thomas Manns Stil zu benutzen, sondern ganz und gar offen und in Absicht. Denn der (von der Geschichte nahezu absolut distanzierte) Erzähler nennt August Engelhardt am Ende „unser Freund, unser Sorgenkind“, ganz wie Hans Castorp in Thomas Manns „Zauberberg“ von Settembrini „Sorgenkind des Lebens“ genannt wird. Auch die sehr muntere und zugleich gestelzte umständliche Art, in der der „Zauberberg“ erzählt wird, ist in Christian Krachts Roman vorzufinden. Der von der Geschichte absolut distanzierte Erzähler ist ebenfalls dem in Thomas Manns „Zauberberg“ gleich. Mit nichts gibt sich der Erzähler zu erkennen, doch anders als bei Thomas Mann, flicht Kracht an einer einzigen Stelle absichtlich ein Detail ein, das dem Leser/Hörer erlaubt, einen Rückschluss auf die Herkunft und Geschichte des Erzählers zu ziehen. Auch dieses Element ist sehr spielerisch.

Spielerisch ist auch der Ausgang der Geschichte, hier weicht Kracht ein Stück von August Engelhardts wahrem Ende ab. Aber nur einen Schritt. Überhaupt ist das Ende spielerisch, und bekommt (im übertragenden Sinne) die bunten Farben des comichaften Buchcovers der gebundenen Ausgabe (hier), das ebenfalls sehr bewusst gewählt ist. Wer auf die Suche geht, stößt auch hier auf ein interessantes aber heikles Detail: Demnach ist es ein nur leicht verfremdetes Motiv aus einem Comic von Frank le Gall, aus dessen Comicserie sich Christian Kracht auch einer Figur (eine Figur namens November) bedient, um ihr einen kurzen Auftritt in „Imperirum“ zu verschaffen. Den entsprechenden Artikel von Andreas Platthaus in der FAZ verlinke ich hier. Der folgende Absatz erhält noch eine Info zur Coverwahl, verantwortlich ist demnach dafür Christian Kracht selbst:

So richtig neugierig auf Christian Krachts Roman (besonders auf das Hörbuch) wurde ich kürzlich erst durch dessen Verleger Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch, der zu Gast war im Podcast unüberhörbar. Im Gespräch mit Denis Scheck schwärmte Christian Krachts Verleger davon, dass Kracht zu den Autoren zähle, der sich über das Schreiben seiner Bücher hinaus ernsthafte und intensive Gedanken über die Wirkung seiner Arbeit mache, und beispielsweise was die Cover seiner Bücher betrifft gehe Christian Kracht mit einer unglaublichen Stilsicherheit und Sorgfalt vor. Und dasselbe gälte auch bei der Umsetzung seiner Bücher in Hörbücher.

Damit aber auch zu dem Auslöser, der mich so neugierig auf die (glücklicher Weise) ungekürzte Lesung gemacht hat: Die Einspielung aus dem Hörbuch nahm mich sehr für die Lesung ein. Krachts (an Thomas Mann erinnernder) Erzählton und Dominic Grafs Stimme passten aufs Beste zusammen. Ich versprach mir davon größtes Hörvergnügen, und genau das bekam ich schließlich auch! Interessant, dass Christian Kracht wohl selbst gezielt die Sprecher auswählt, die seine Romane einlesen. Interessant auch, auf wen die Wahl dabei in der Vergangenheit gefallen ist. Neben Dominic Graf (Fernseh- und Kinoregisseur), der laut Helge Malchow kein ausgebildeter Sprecher ist, hat sich Christian Kracht für die drei Romane, die er zu einem Triptychon zusammengefügt hat, z. B. folgende Künstler ausgesucht:
Dieter Meier (Sänger des Elektropop-Duos Yello) liest „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“.
Dirk von Lowtzow (Frontmann der Band Tocotronic, und laut Malchow ein Role Model für Popmusik) liest „Faserland“.
Schorsch Kamerun (Musiker und Theatermann) liest „1979“.

Eine passende Wahl für Romane eines Autors, der als Vertreter der Popliteratur gilt. Mich jedenfalls machte diese außergewöhnliche Wahl der Stimmen auf diese Hörbücher neugierig. Die Hörproben bestätigen diese Sprecherwahl als ausgezeichnet. Und verlockten mich zu weiteren Hörbuchkäufen (darüber berichte ich im Thread „Neuzugänge“). Doch tat ich mich mit diesen Käufen nicht leicht. Warum, wenn ich mir von den Romanen (und insbesondere von den Hörbüchern, die aus diesen Romanen entstanden sind) so viel Lese- bzw. Hörvergnügen verspreche? Grund dafür sind die Diskussionen und der Skandal, die der SPIEGEL-Artikel von Georg Diez (hier nachzulesen) im Jahr 2012 auslöste. Ich habe absichtlich unbeeinflusst das Hörbuch gehört, um für mich selbst zu entscheiden, ob ich darin rechtes Gedankengut aufspüren kann oder nicht. Das Buch kann ich für mich von dem Vorwurf freisprechen. Die Haltung von einzelnen Romanfiguren darf man zum einen nicht mit der Haltung des Autors gleichsetzen. Zumal die Figuren hier zum einen mit Ironie geschildert werden (und sich dadurch manche Aussage bricht), aber auch finden sich im Roman in mancher Passage eher kritische Aussagen zum Nationalsozialismus. So las ich im Anschluss den SPIEGEL-Artikel mit der Gewissheit, dass dieser für mich haltlose Vorwürfe äußert. Das Buch betreffend ist das auch so, aber was Georg Diez mir da über den Autor (und besonders „Five Years“, ein im Wehrhahn-Verlag veröffentlichter E-Mail-Wechsel zwischen Christian Kracht und dem Amerikaner David Woodard) offenbart, löst starke Beklemmungen in mir aus. Die Frage, ob man Autor und Werk getrennt voneinander betrachten kann/soll, stellte sich mir dadurch noch mal neu! Und ich kann sie mir nicht endgültig beantworten.

Ich habe im Anschluss im Internet viel recherchiert, und mir auch einige Literatursendungen im Internet nochmal angeschaut, die damals den Roman „Imperium“ besprochen haben. Denis Scheck z. B. sprach einmal positiv von dem Roman (und entschärfend im Hinblick auf die Vorwürfe) im „Lesenswert Quartett“, führte jedoch ein auch kritisches und anspielungsreiches Interview in „Druckfrisch“ mit Kracht, dem es offenbar unbehaglich war. Beides wurde zeitlich recht eng aneinander ausgestrahlt, so dass ich nicht zu sagen vermag, welche Meinung Schecks letztere besser spiegelt. In dem Interview, das er mit Kracht führte, legt er den Finger in so manche Wunde, im Hinblick auf die Vorwürfe des rechten Gedankenguts, aber auch in Punkto der Vorlagen und des Erzähltons, deren Kracht sich für seinen Roman bediente. So erzählte Christian Kracht z. B., dass er vormals Maler werden wollte, ihm jedoch recht früh gesagt wurde, dass es nicht reiche ein Maler-Darsteller zu sein, man müsse sich mit anderen Malern messen können. So kam er zum Schreiben. Scheck fragt darauf hin, ob einem das nicht auch beim Schreiben passieren könne, dass man zum Dichter-Darsteller werde. Für mich liegt darin auch eine kritische Anmerkung an Krachts Art zu schreiben, mit der er sich anderer Literaten bedient. Zum Buch jedoch äußert sich Scheck (wie die meisten anderen Kritiker) ausgesprochen positiv.

Was wieder die Frage aufwirft: Kann und muss man Autor und Werk trennen? Im Falle Kracht findet darauf keiner so recht eine klare Antwort. Volker Weidermann bringt das schön auf den Punkt in einem Artikel in der FAZ – siehe hier. Genau diese Fragen hörte ich aus vielen Stimmen heraus, die ich zu dem Roman und den Skandal im Internet nachgelesen und –gehört habe. Und genau diese Fragen stellen sich mir auch. Auch die danach, was Kracht mit manchen Anspielungen will. Z. B. den offenkundigen Parallelen, die er zwischen August Engelhardt und Hitler (beabsichtigt! Darüber gibt er im Roman Auskunft) herstellt. Das, und vieles andere, kann man in unterschiedliche Richtungen interpretieren. Doch in Kenntnis des veröffentlichten E-Mail-Austauschs zwischen Kracht und Woodard lösen solche Passagen ein Unwohlsein aus. Zumal Kracht die Veröffentlichung des E-Mail-Wechsels offenbar wünschte. Auch hier stellt sich die dringende Frage nach dem Warum.

Diese Dinge werfen einen langen Schatten über die munter erzählte, sonnige Südseeballade. Und über das gesamte Werk Christian Krachts. Und so tat ich mich nicht leicht damit, ob ich nun mehr von diesem Autor lesen, bzw. bevorzugt hören (die Lesungen scheinen wirklich mit besonderer Sorgfalt gemacht) möchte. Ich habe mich dafür entschieden, weil mir „Imperium“ ausgezeichnet gefallen hat, wie gesagt ein Hör-Highlight! Und weil ich ausgesprochen neugierig auf die übrigen Romane bin. So viel Neugierde (bezogen auf sein literarisches Schaffen!) hat lange schon kein Autor mehr in mir geweckt. Christian Kracht vermag sehr komplexe Stoffe dicht und schillernd zu erzählen, und imposante Konstruktionen aus Realität und Fiktion zu erschaffen.

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Liebe Grüße,
Petra


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Mo 16. Jul 2018, 13:06
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Beitrag Re: Hörerlebnisse 2018 - ich höre gerade...
Danke, Petra, für deinen ausführlichen Bericht ! Das macht schon sehr neugierig auf den Autor. Auch finde ich es toll, dass du dich mit der Problematik so intensiv beschäftigt hast. Und gut zu wissen, dass dir die Geschichte doch trotz allem so gut gefiel, dass du dir weiteres zugelegt hast !

Ich bin beim Distelfink schon ein paar Stunden weit gekommen. Insgesamt sind es ja über 33 Stunden. Mir gefällt die Geschichte, es fängt sehr langsam an und ich ahne noch nicht, auf was es hinführt. Ich habe extra nichts darüber gelesen, damit ich überrascht werde.

Matthias Koeberlin liest gut, aber manchmal etwas leise bzw in einem Flüsterton. Daran habe ich mich erst gewöhnen müssen, doch jetzt finde ich das sehr passend.

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Gruss von Steffi

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Fr 27. Jul 2018, 20:17
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Beitrag Re: Hörerlebnisse 2018 - ich höre gerade...
Hallo zusammen,

zuletzt habe ich ”Die Känguru-Chroniken” gehört, und mich köstlich amüsiert. Die anderen beiden Hörbücher habe ich inzwischen, und bald kommen ja auch noch die Känguru-Apokryphen raus. Das verspricht noch viel vergnügliche Zeit, die ich mit dem Kleinkünstler Marc-Uwe Kling und seinem Mitbewohner, dem Känguru, verbringen kann.

Derzeit höre ich “Der Pfau“ von Isabel Bogdan. Zum Inhalt: Eine Gruppe Investmentbanker reist samt ambitionierter Psychologin und erfindungsreicher Köchin aus London an, um in der ländlichen Abgeschiedenheit bei einer Teambildungsmaßnahme die Zusammenarbeit zu verbessern. Doch das spartanische Ambiente auf dem schottischen Landsitz, und ein verrückt gewordener Pfau bringen sie dabei gehörig aus dem Konzept. Und nicht nur sie: Denn die pragmatische Problemlösung des Hausherrn Lord McIntosh setzt ein Geschehen in Gang, das sämtliche Beteiligte an die Grenzen ihrer nervlichen Belastbarkeit bringt. Christoph Maria Herbst weiß das Chaos stimmlich bestens in Szene zu setzen. Ein vergnüglicher Hörstoff.

@Steffi: Dein herangehen an „Der Distelfink“ gefällt mir; ich lese und höre auch oft gern unbedarft. Dass du dich an Matthias Koeberlins Flüsterton erst gewöhnen musstest, kann ich mir vorstellen. Aber auch, dass es bewusst und passend gemacht ist. Schön, dass sich das bestätigt. Ich bin sehr gespannt welche Eindrücke du von dem Hörbuch noch schildern wirst.

Ja, auf Christian Krachts Romane bin ich nach Abschluss meiner Recherchen ungebrochen neugierig. Die Hörproben aller Hörbücher haben mich sehr überzeugt, und die Inhalte der Romane üben eine große Anziehungskraft auf mich aus. Jeder für sich. Ich werde berichten. Es könnte gut sein, dass ich dieses Jahr noch zu einem oder zwei der Hörbücher greife, zu groß ist die Neugier.

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Liebe Grüße,
Petra


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So 29. Jul 2018, 13:59
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Beitrag Re: Hörerlebnisse 2018 - ich höre gerade...
Der Pfau hört sich gut an, Petra ! Schön, mal ein etwas humorvollerer Stoff als Hörbuch, das ist gut zu wissen.

Der Distelfink beschäftigt mich weiterhin. Es ist immer noch eher ruhig aber mir gefällt die detailreichen Beschreibungen sehr. Wie zb Las Vegas beschrieben wird - nicht der Strip sondern eine Wohngegend - das ist toll und kann ich mir von meinen USA-Erfahrungen genaus so vorstellen. Auch New York empfand ich so, wie es geschildert wird. Ich bin sehr froh, dass ich es als Hörbuch ausgewählt habe, denn als Buch wäre es möglich, dass es doch zu langatmig daherkommt. Wie schön, Theo so unaufgeregt auf seinem Lebensweg zu begleiten !

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Gruss von Steffi

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Do 16. Aug 2018, 11:39
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Beitrag Re: Hörerlebnisse 2018 - ich höre gerade...
Vor Jahren sah ich den Film “Der Liebhaber“ nach dem gleichnamigen Roman von Marguerite Duras. Mit dem Film konnte ich damals nicht allzu viel anfangen, was aber bestimmt auch an meinem noch unreifen Alter lag. Es wäre interessant, wie er heute auf mich wirkt. Allerdings soll der Film die Handlung auf die Liebesgeschichte reduzieren, was der Autorin selbst missfiel, da sie selbst die Liebesgeschichte nur als Klammer begreift. Neugierig war ich, den Roman kennenzulernen. Ich habe mir den Weg übers Hörbuch ausgesucht. Gelesen wird der Roman ungekürzt von Nina Hoss.

Im Anschluss wurde ich neugierig auf die Autorin, und die autobiografischen Bezüge in dem Roman, und stieß dabei auf eine (vielleicht nicht sympathische, aber doch sehr) interessante Person. Diese drei Artikel haben mir besonders gut Aufschluss gegeben:

Leidenschaft bis zum Tod – Deutschlanfunk Kultur

Ihre Liebhaber – SPIEGEL

Ihr Geheimnis - FAZ

Manche Sätze darin sind schmerzhaft schön. Manches hat Marguerite Duras hat manches auf eindringliche Weise eingefangen, wie die Dinge, die bereits im Gesicht des jungen Mädchens schon vorgezeichnet sind. Ihre Lust, und ihr späterer Alkoholismus. Auch dass es schnell für sie zu spät war, ist eindringlich ausgedrückt. Aus den oben verlinkten Artikeln geht in der Gesamtheit hervor, dass vieles in dem Roman autobiografisch ist, sich jedoch auch Fiktion damit vermischt, bzw. Variationen dessen was war. Das gefällt mir. Ist mir vielleicht lieber, als reine Autobiografie. Denn die Art, in der die Geschichte zwischen dem Chinesen und der jungen Französin verläuft, erzählt vieles. Auch über äußere Umstände, durch die diese Liebe unmöglich war, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Der Roman wurde mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Das Hörbuch für mich der richtige Weg. Nina Hoss ist die perfekte Wahl, grandios gesprochen! Kühl, aber auf eine charismatische Weise auch eindringlich.

Als nächstes hatte ich es mit “Katzentisch“ von Michael Ondaatje versucht. Nach fast 2 CDs musste ich erst mal abbrechen. Dieser Geschichtenteppich ist schön, und der Sprecher (Johannes Steck) gut gewählt (seine jungenhaft fröhliche Stimme passt sehr gut auf den elfjährigen Protagonisten Michael). Außerdem sicher interessant, da der Roman autobiografische Fragmente enthält. Aber mir waren es der Geschichten zu viele, die hier so fröhlich und unbeschwert erzählt werden. Vielleicht versuche ich es später noch mal.

Anstatt dessen habe ich mich für den Krimi “Yasemins Kiosk: Zwei Kaffee und eine Leiche von Christiane Antons entschieden. Der Krimi spielt in Bielefeld. Im Mittelpunkt stehen drei unterschiedliche Frauen in einem Mehrfamilienhaus: Nina Gruber, suspendierte Polizistin, die in ihre Heimat Bielefeld zurückkehrt ihre Vermieterin Dorothee Klasbrummel, die seit 15 Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat. Und Yasemin Nowak, die dort einen Kiosk betreibt. Yasemin erhält bedrohliche Briefe, und Nina, die derzeit nichts zu tun hat, versucht herauszufinden, wer der Verfasser ist. Und dann wird eine Leiche im Müllcontainer des Kiosks gefunden…

Gesprochen wird der Krimi sehr passende und beschwingt von Demet Fey, die auch türkische Einwürfe Yasmins wundervoll spricht. Stimmig, und macht viel Spaß! Ich bin auch schon bald durch.

Steffi, dass die Beschreibungen so detailreich und passend sind, weckt weiteres Interesse in mir für „Der Distelfink“. Auch für mich wäre die gehörte Version womöglich die bessere, nachdem was du beschreibst. Viel Vergnügen weiterhin, und ich bin gespannt wie es weiter geht.

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Sa 18. Aug 2018, 14:27
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