Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon steffi » So 7. Okt 2018, 13:28

Ich habe gestern auch das 100. Kapitel gelesen. General Stumm finde ich auch erfreulich normal und erfrischend.

Die philosophischen Abschnitte hemmen meine Leselust. Daran merkt man, dass er eben keinen Roman in diesem Sinne schreibt sondern dass es viel theoretischer zugeht. Ich glaube, der Kontext erschließt sich nicht so leicht, denn er mischt seine eigenen Anschauungen ein und manchmal denke ich, läuft das dann ins Leere.

Ich habe mir vorgenommen, etwas schneller zu werden, denn ich befürchte, ich verliere sonst irgendwann die Lust. :breit_grins:
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon JMaria » So 7. Okt 2018, 18:16

Die philosophischen Abschnitte hemmen meine Leselust. Daran merkt man, dass er eben keinen Roman in diesem Sinne schreibt sondern dass es viel theoretischer zugeht. Ich glaube, der Kontext erschließt sich nicht so leicht, denn er mischt seine eigenen Anschauungen ein und manchmal denke ich, läuft das dann ins Leere.



Ja, geht mir ähnlich.
Man weiß dann auch nicht so recht was man darüber schreiben könnte.



steffi hat geschrieben:Ich habe gestern auch das 100. Kapitel gelesen. General Stumm finde ich auch erfreulich normal und erfrischend

Ich habe mir vorgenommen, etwas schneller zu werden, denn ich befürchte, ich verliere sonst irgendwann die Lust. :breit_grins:




Aber bitte nicht ein Sprint ins Ziel. Ich weiß ja wie schnell zu lesen kannst :zwinker:

Vielleicht sollten wir öfters kurze Gedanken posten um uns anzuspornen.

Nochmals zu General Stumm. Ein Autor namens Wilhelm Muster hat in einem Erzählband „Die Hochzeit der Einhörner“ die Geschichte über General Stum von Bordwehr fortgesetzt., darin will er die Universitätsbibliothek Graz anzünden, stirbt aber vorher und wird dann Jahre später als Skelett in den Kellern dort gefunden. Ein passender skurriler Abgang!

Mir scheint auch anderen gefällt die fiktive Gestalt :breit_grins:
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon steffi » Sa 20. Okt 2018, 11:05

Ich bin inzwischen bei Kapitel 111. Immer noch ist mir Moosbruggers Rolle nicht klar. Er beschäftigt Menschen wie zb Jurusten, Beamte, Psychiater ohne wirklich als realer Mensch zu existieren. Er ist ebenfalls Teil der Gesellschaft Kakaniens.

Bonadeas Kapitel 109 hat mir gefallen. Ehrgeizig und snobistisch, gleichzeitig erklärt sie ihre Untreue mit der Torheit ihres Herzens. Musil sieht dann auch in Kakanien ein Land, das, vergleichbar wie Bonadea, keine Aufgabe hat, zwar das Neue oder Böse registriert, aber nicht darauf reagiert, weil die Gesellschaft mit sich beschäftigt ist und nur ihrem Vergnügen nachgeht statt nachzudenken.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon JMaria » Fr 2. Nov 2018, 13:21

steffi hat geschrieben:Ich bin inzwischen bei Kapitel 111. Immer noch ist mir Moosbruggers Rolle nicht klar. Er beschäftigt Menschen wie zb Jurusten, Beamte, Psychiater ohne wirklich als realer Mensch zu existieren. Er ist ebenfalls Teil der Gesellschaft Kakaniens.

Bonadeas Kapitel 109 hat mir gefallen. Ehrgeizig und snobistisch, gleichzeitig erklärt sie ihre Untreue mit der Torheit ihres Herzens. Musil sieht dann auch in Kakanien ein Land, das, vergleichbar wie Bonadea, keine Aufgabe hat, zwar das Neue oder Böse registriert, aber nicht darauf reagiert, weil die Gesellschaft mit sich beschäftigt ist und nur ihrem Vergnügen nachgeht statt nachzudenken.




Manche Rollen lassen sich auch nur schwer erklären!
Auch Ulrich hat im Grunde kein Interesse an Moosbrugger mehr, da er wie üblich nicht nachgeht ob der Typ krankhaft mordet oder bewußt. Die Wortspiele in Bezug darauf kann ich nicht wiedergeben, das war total verwirrend.

Bondea hat in Kapitel 115 nochmals versucht an Ulrichs Gefühle ranzukommen, aber es ist ihr nicht gelungen. Dafür hat sie, so glaube ich, sich wieder gefangen. Ihre Liebe zu Ulrich ging bereits ins Obsessive. Resigniert sagt sie :“ warum tust du niemals das Nächstliegende“


Sind dir die letzten Titel der Kapiteln aufgefallen wie romantisch und psychologisch sie klingen? „Die Spitze deiner Brust ist wie ein Mohnblatt“ ... klingt wie ein Kompliment, aber es ist ein ernüchterndes Kapitel. Oder auch... „Die beiden Bäume des Lebens...“ (biblisch gesehen gibt es nur ein Baum des Lebens, aber bei Musil natürlich immer ein „ Sowohl als auch“)


Ich glaube Tuzzi sieht dem Treiben in seinem Haus nicht mehr lange zu. Es klingt schon etwas im Kapitel 116 an. Das Interesse der verschiedenen Gruppen an der Parallelaktion lässt bereits nach. Stumm von Bordwehr möchte ein Militärisches Vorhaben.

Einen Satz fand ich auffallend zeitgemäß:

»In der ganzen Welt plagen sich die Menschen, aber in Deutschland noch mehr«


Ich komme zumKapitel 117.
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon JMaria » Fr 9. Nov 2018, 20:01

Hallo Steffi

Ich höre parallel die Begleitsendungen zum Hörspiel MoE Remix.
Die Aussagen sind schon sehr informativ.
Besonders gut hat mir Bernadette Sonnenbichlers „Weltberühmt und ungelesen“ gefallen.
https://www.br.de/radio/bayern2/sendung ... n-100.html


Und hier noch das Remix
https://www.br.de/radio/bayern2/sendung ... ad100.html
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon steffi » Mo 12. Nov 2018, 19:07

Ich komme nun zum dritten Teil. Die Lage spitzt sich zu, sowohl bei der Parallelgesellschaft als auch in Ulrichs Privatleben. Gerda, Bonadea, Clarisse -alle bedrängen Ulrich. Nach wie vor ist dieser unentschieden. Ausgerechnet mit Gerda lässt er sich aber ein, obwohl ihm die beiden anderen eigentlich mehr gefallen. Natürlich endet das im Desaster - ich fand die Szene recht witzig geschildert.

Vorallem bei den Gesprächen mit Arnheim habe ich Probleme, den Argumenten zu folgen.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon JMaria » Fr 16. Nov 2018, 15:40

steffi hat geschrieben:Ich komme nun zum dritten Teil. Die Lage spitzt sich zu, sowohl bei der Parallelgesellschaft als auch in Ulrichs Privatleben. Gerda, Bonadea, Clarisse -alle bedrängen Ulrich. Nach wie vor ist dieser unentschieden. Ausgerechnet mit Gerda lässt er sich aber ein, obwohl ihm die beiden anderen eigentlich mehr gefallen. Natürlich endet das im Desaster - ich fand die Szene recht witzig geschildert.

Vorallem bei den Gesprächen mit Arnheim habe ich Probleme, den Argumenten zu folgen.



Ja, die Reden zwischen Arnheim und Ulrich erinnern mich an Settembrini und Naphta, nur sind die Diskutanten bei Musil beherrschter. Wenn ich das richtig verstanden habe, könnte Arnheim auch ein Spion im Dienst des russischen Zaren sein, da man ihn für eine Vertrauensperson des Zaren hält.

Zuanfangs nannte Musil seinen Roman „Der Spion“. Aber ich finde, es bleibt in dieser Fassung nicht viel von Spionage übrig. (Später dann „Die Zwillingsschwester“ bevor es MoE wurde)

Das letzte Gespräch zwischen Arnheim und Ulrich ergab, dass beide sehr einsam sind. Ein Jobangebote für Ulrich, hat Arnheim bereits nach dem Aussprechen bereut.

Auch zitiert Arnheim aus den Räubern. Eine Art Parallele könnte man schon ziehen; die Rivalität zwischen zwei Menschen und der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, zwischen Gesetz und Freiheit.

Kapitel 123
Clarisse ist eine seltsame Frau. Sie möchte ein Kind von Ulrich, das lässt mich auch etwas ratlos werden.
Und dann noch die Nachricht vom Tod seines Vater und er fährt ab.

Das ist doch ein großer Bruch in der Handlungsfolge. Weg von den kaiserlichen Institutionen und ins Private !

Ich komme nun auch zum 3. Teil .
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde - Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Beitragvon steffi » Do 13. Dez 2018, 13:40

Mal wieder ein kleiner Zwischenbericht von mir :

Ich komme zum 16. Kapitel im dritten Teil.

Ulrich trifft anlässlich der Beerdigung des Vaters auf seine Schwester Agathe, die er lange nicht gesehen hat. Ich finde, Agathe ist eine sehr spannende Figur, lebensechter und direkter als die bisherigen Frauenfiguren. Sie hat augenscheinlich echte, normale Probleme. Ich finde auch ihre Lebensgeschichte mit dem geliebten ersten Mann und dem ungeliebten Hagauer interessant. Auch Agathe will sich befreien, allerdings ist sie doch mehr praktisch und fälscht das Testament.

Währenddessen beendet Ulrich seine mathematischen Beweise, aber sie sind ihm nicht mehr so wichtig. Für beide bricht nun eine neue Zeit an, Agathe soll zu ihm ziehen. Die Anspielung mit dem Tausendjährigen Reich und der Nähe der Geschwister - deutet das auf mehr hin als platonische Geschwisterliebe ?
Gruss von Steffi

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