Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon steffi » Mi 13. Mär 2019, 12:37

Schön, dass du Proust erwähnst. Mir ist auch aufgefallen, dass die Anziehung und Annäherung von Ada und Van die Leichtigkeit und Farbigkeit von Proust hat. Auch wie Nabokov die Natur einsetzt, erinnert daran.

Es kristallisiert sich heraus, dass Van der Erzähler sein muss, korrigiert von Ada. Diese Zeitverschiebung finde ich raffiniert und ja, trauen kann man dem Erzähler keinesfalls und auch Ada nicht. Man ist schon gezwungen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ein klein wenig hilfreich sind die Anmerkungen, ich bin bereits bei 260 :breit_grins: aber für die Geschichte an und für sich braucht man sie nicht.

Besonders gefällt mir auch wieder, wie Nabokov mit wenigen Worten eine Atmosphäre entstehen lässt, die total umfassend und real erscheint. Bilder, die im Kopf bleiben, das kenne ich aber auch von Lolita und Pnin.

Ich bin auch weiter gespannt, was sich noch alles auftut, ich komme zu Kapitel 20.
Gruss von Steffi

:lesen:
Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » Mi 13. Mär 2019, 16:45

Hallo,Steffi,

Besonders gefällt mir auch wieder, wie Nabokov mit wenigen Worten eine Atmosphäre entstehen lässt, die total umfassend und real erscheint. Bilder, die im Kopf bleiben, das kenne ich aber auch von Lolita und Pnin.


Ja. Genau! Du hast es so gut beschrieben. Selbst Antiterra wirkt so real, dass ich staune, wie schnell ich mich darin zurechtfinde. Nabokovs Detailfreudigkeit ist ein Genuss! Aber man muss auch seinen Humor erwähnen.

Ich musste laut lachen als ich las.. ich zitiere frei... „ Ist das dein Vater unter der Eiche?“ und Ada sagt..“Nein es ist eine Ulme!“ Herrlich, nicht wahr?


Mir macht die Symbolik großen Spaß. Natürlich kann ich nicht alles entdecken, aber mit ein paar Grundkenntnisse kann man bereits eine Menge Bezüge herstellen. Und du weißt ja wie ich das liebe.

Ada und Van sind in ihrem eigenen Paradies, am Euphrat gelegen, Mesopotamier also. Aber sie spiegeln sich irgendwie selbst und geben sich Gott-artig, wenn z.b. Ada an einer Ragwurz experimentiert um eine neue Kreuzung zu erschaffen. Während dessen ist sie gleichzeitig auch Versuchung, lockt wie die Ragwurz, eine Orchiedeeart die ein Insekt imitiert und mit Duftstoffen anlockt, so ist sie bereits auch Frau-ähnlich lockend, (aber halt doch noch Kind, Van weiß da bereits mehr über Begierde). Am Ende des 16. Kapitels verpasst sie Van ein Mal auf die Stirn! Kommt bald die Vertreibung aus dem Paradies? Oder passiert ein Verbrechen (Kainsmal)?


Wie sinnlich die Sprache ist!

Ich komme zum 17. Kapitel.
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » So 31. Mär 2019, 09:34

Hallo Steffi,

Kürzlich fand ich im Netz (englisch) den Hinweis, dass die Literaturwissenschaft „Ada oder Das Verlangen“ mit Herman Melvilles „Pierre“ in Verbindung bringt. Ich hab nur nicht so recht verstanden bzw. herausgefunden, welche Stellen in Ada sich darauf beziehen. Zumindest Titel und Thema Inzest ähneln sich. („Pierre oder Die Doppeldeutigkeit“). Gibt es bei dir in den Anmerkungen irgendeinen Hinweis darauf?

Im Kapitel 24 stellt Van Fragen:
Fragen von Raum und Zeit, Raum gegen Zeit, Zeit als Raum, Raum als Zeit, Zeitveschränkten Raum, Raum sich von Zeit losreißend im endgültigen tragischen Triumpf menschlicher Erkenntnis: Ich sterbe, also bin ich.


Der Mensch stellt sich ja gern alles hintereinander erlebend vor. Daraus erklärt sich warum Nabokov in den Zeiten hin und her wechselt um dies aufzulösen. Auch der Raum hat er durch Antiterra (eine Art Gegenwelt) doch der Bedeutung der Wirklichkeit genommen. Dass Van und Ada sich die Vergangenheit zurückdenken, ergibt Raum und Zeit nochmals eine andere Komponente, da Erinnerungen trügerisch sind. Man merkt im weiteren Verlauf wie ausgeklügelt das Konzept ist.

Manchmal pflügt Nabokov Spannungssamen rein, z.b. dass Lucette nur knapp über zwanzig Jahre alt wird, ohne zu erwähnen warum sie so früh stirbt .. Dickens hat auch gern mit solchen Stilelementen gespielt und ich fühle mich manchmal amüsiert an einen Kolportage-Roman erinnert.

Ich komme zum 28. Kapitel.
Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon steffi » Di 2. Apr 2019, 16:04

Du sagst es, die Zeit ist ein allgegenwärtiges Thema ! Schon die Erzählhaltung aus der Erinnerung und die Anmerkungen und Verbesserungen Adas sind spannend. Dazu kommt noch die räumliche Komponente mit Antiterra. Zuerst dachte ich, gerade weil Erinnerungen nicht verlässlich sind und dazu noch die andere Welt würde mich verwirren, aber im Gegenteil führt das dazu, dass man sich bewusst wird, dass es eben doch nur eine Geschichte ist - was man als Leser ja mitunter bei Romanen allzu leicht vergisst. Ich finde das sehr anregend und schlüssig gemacht !

In der letzten Zeit bin ich nicht so oft zum Lesen gekommen, ich komme zu Kapitel 30. Ada und Van hatten ein Rendezvous. Im Kapitel 29 gibt es auch Hinweise auf die Verserzählung Der Dämon von Michail Lermontow und die darauf beruhenden Dämonenbilder von Michail Wrubel. Auch schön empfand ich das vorherige Kapitel mit dem Kartenspiel, so konnte man den jungen Van besser kennenlernen.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » So 7. Apr 2019, 10:35

Ich finde das sehr anregend und schlüssig gemacht !


Das stimmt !


Danke für den Hinweis auf die Dämonenbilder von Michail Alexandrowitsch Wrubel. Ich habe sie mir im Netz angeschaut.
Symbolik und Klassische Tradition, - das passt zu Nabokovs Stil.

Das Langgedicht „Der Dämon“, hat Lermontow als Vierzehnjähriger begonnen, im Alter von Van.

Kapitel 30
Das seltsamste Kapitel für mich. Vans Europatour finde ich rätselhaft. Keineswegs eine Grand Tour oder Bildungsreise, eher eine Persiflage :am_kopf_kratz:
Schöne Grüße
Maria

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