Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

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Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon JMaria » Sa 28. Aug 2021, 13:14

Hallo zusammen,

Demnächst wollen Steffi und ich diese Leserunde starten. Wer mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen :lesen_und_nachdenken:

Steffi und ich haben festgestellt, dass wir schon lange nichts mehr von Goethe gelesen haben. So haben wir uns auf „Die Wahlverwandtschaften“ geeinigt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wahlverwandtschaften

Edit
Die Gratis Kindle Ausgaben (2 Stück) sind ohne Kapiteleinteilung. Ich hab’s mir angeschaut. Nicht zu empfehlen!

Schöne Grüße
Maria

Goethe: Die Wahlverwandtschaften
Richard Friedenthal: Goethe. Sein Leben und seine Zeit


In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Hörte man auf seine Krankheiten, bliebe man im Bett und erhöbe sich erst zum Jüngsten Gericht (Edmond & Jules de Goncourt)
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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon steffi » So 29. Aug 2021, 15:47

Danke JMaria ! Auch für die Beurteilung der Gratis-Kindle-Ausgabe. Ich sollte es auch in meinem Bücherschrank haben, aber fürchte, es ist in Fraktur gedruckt :nicken_traurig:
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon JMaria » Di 31. Aug 2021, 15:12

Hallo Steffi,

kennst du eine gute Goethe-Biographie ?

Ich habe mir die von Richard Friedenthal aus dem Regal gezogen. Sicher gibt es auch einige neueren Datums. Nur kenne ich keine davon.

Goethe hat ja die Moderne mitgestaltet und war im literarischen Bereich eine Führungsperson. Sehr schön zu lesen dazu ist „Jena 1800“, das du ja auch bereits gelesen hast.

Unglaublich, wenn man sich vor Augen führt, dass Goethe noch in der Republik im Heiligen Römischen Reich hineingeboren wurde. Welche Umbrüche, Kriege, Revolutionen hat er miterlebt! Was für ein Leben! (Goethe 1749-1832)

Goethe, gestorben 1832, da war Theodor Fontane 13 Jahre alt.
Und als wiederum Fontane starb war Thomas Mann 23 Jahre.

Wenn man das so betrachtet, war alles gar nicht so lange her.

Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon steffi » Sa 4. Sep 2021, 18:22

Leider kenne ich auch nur die von Friedenthal, ist aber schon Jahre her, dass ich die gelesen habe. Empfehlen kann ich natürlich von Sigrid Damm: Christiane und Goethe. Es geht aber hauptsächlich um Christiane. Das neue Buch von ihr, Goethe und Carl August reizt mich auch schon ! Ich denke, die Safranski-Biografie dürfte gut sein.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon JMaria » So 5. Sep 2021, 11:30

steffi hat geschrieben:Leider kenne ich auch nur die von Friedenthal, ist aber schon Jahre her, dass ich die gelesen habe. Empfehlen kann ich natürlich von Sigrid Damm: Christiane und Goethe. Es geht aber hauptsächlich um Christiane. Das neue Buch von ihr, Goethe und Carl August reizt mich auch schon ! Ich denke, die Safranski-Biografie dürfte gut sein.



Richtig. Rüdiger Safranski ist ein Kenner von Goethe und natürlich auch von Schiller. Ich habe einige Bücher von Safranski, u.a. „Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft“, aber die Goethe Biographie ist (noch) nicht darunter. Ich nehme mir erst mal die von Friedenthal vor.

Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon steffi » Di 7. Sep 2021, 11:58

Hallo JMaria !

Ich habe nun das 1.Kapitel gelesen. Interessant erstmal, dass Die Wahlverwandschaften zum Spätwerk Goethes gehören. Es wurde 1809 veröfffentlicht. Schiller ist seit 4 Jahren tot, die Besatzung der Franzosen überstanden. 1808 hat Goethe Napoleon persönlich getroffen. Es beginnt der Übergang von der Klassik zur Romantik. Die Frühromantiker, die Brüder Schlegel, Fichte, Tieck, Schelling wohnten um 1800 in Jena, wo sich auch Goethe oft aufhielt. Im botanischen Garten, über den er als Geheimer Rat die Aufsicht führte, betrieb er naturwissenschatliche Studien. Die Romantiker suchten nach der Einheit von Natur und Wissenschaft. Nach den Wahlverwandschaften wird Goethe mit seiner Autobiografie beginnen.

Im 1.Kapitel sind dann auch die Personen in eine romatische Landschaft eingeordnet. Baron Eduard propft Obstbäume auf während seine Frau Charlotte die Aufsicht über den Bau einer romantischen Hütte beendet hat. Das geruhsame Leben als Landadlige scheint aber in Gefahr, da Eduard unbedingt seinem alten Kameraden Unterkunft und Familienanschluss anbieten will. Charlotte, die ihr Kind ins Internat geschickt hat, um sich ganz Eduard zu widmen, ist damit nicht einverstanden. Konfliktpotenzial ist also schon zu Beginn reichlich vorhanden.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon JMaria » Mi 8. Sep 2021, 11:05

Hallo Steffi,

das Werk in chronologischer Zeitfolge einzuordnen ist dir hervorragend gelungen. Toll.
Ich habe beim Lesen schon bemerkt wie mir deine Zusammenfassung geholfen hat.

Ich hatte beim lesen des 1. Kapitels auch ein arkadisches Gefühl, aber wie du schreibst ist auch die Anlage von Konfliktpotenzial vorhanden. Das dürfte interessant werden, wie sich das Eindringen weiterer Personen auf die Ehe auswirkt. Wie stand Goethe eigentlich zur Romantik? Ich glaube er sah es nüchterner, vermutlich dem Alter geschuldet.

Das Wort Wahlverwandtschaft kommt aus dem Bereich Chemie, was ich nicht wusste: „ die Triebkraft einer chemischen Reaktion, eine Bindung einzugehen,..“ Das würde auch zu Goethes naturwissenschaftlichen Studien passen.

Charlotte jedenfalls hat ein ungutes Gefühl…“eine Ahnung mir nichts Gutes weissagt“

Eduard und Charlotte haben beide bereits eine Ehe hinter sich und sind eigentlich „Jugendliebe“ die nun diese neue Ehe alleine ausleben möchten. Charlotte bringt große Opfer, so dass sie ihre Tochter und Nichte anderweitig unterbrachte. Auch wollte sie ihm eine Hilfe sein, seine Reiseberichte abzuschreiben. Sie wirkt auf mich von Eduard „gelenkt“.

Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon JMaria » Fr 10. Sep 2021, 10:04

Kapitel 2-3

Ich finde die Konstellation sehr interessant und wirkt richtig modern:
Eduard und Charlotte haben jeder von ihnen eine Ehe hinter sich. Charlotte hatte Eduard eigentlich Ottilien zugedacht. Was mich an die Mutter von Effi Briest erinnert. Aber Eduard umwarb seine alte Jugendliebe Charlotte, was sie wohl überrascht hat. Auch Otto, der Hauptmann und Freund Eduards hat Ottilien ihm vorgestellt.

Jetzt werden sie von Eduard und Charlotte eingeladen. Man darf gespannt sein.

Auffallend die Namen
Eduard Otto. Otto legte er ab zu Gunsten seines Freundes, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.
Otto, Freund Eduards
Charlotte
Ottilie

Immer ein Teil des Namens Otto einhalten. Fand ich auffallend.

Ich finde das Wort „Mooshütte“ irgendwie ursprünglich. Ich mag das Wort. Heute würde man wohl Pavillon sagen.
Hier geht’s zu einer Zeichnung https://www.klassik-stiftung.de/digital ... 2021-0349/

Schöne Grüße
Maria

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon steffi » Mo 13. Sep 2021, 11:38

Ja, mir kam auch in den Sinn, dass es richtig modern wirkt.
Und ja, die Namen sind auffallend.

Im 3. Kapitel kommt nun der Hauptmann an. Und wie Charlotte befürchtet hat, beschäftigt sich Eduard viel mit ihm. Er hat "weniger Stoff zur Unterhaltung" mit ihr. Ich hab das Gefühl, dass sie beiseite geschoben wird und ein wenig von ihrer frischen und selbstbewussten Art verliert und mehr die typische Frauenrolle annehmen muss. Ich frage mich, inwieweit hier vielleicht auch Christiane Vulpius als Vorbild dient. Ich stelle sie mir nämlich auch selbstbewusst und tatkräftig vor.

Interessant auch, dass Ottilies Charakter so umfassend von Dritten beschrieben wird. So bekommen wir nur ein ungefiltertes Bild.

Im 4. Kapitel nun die Erklärung zu den Wahlverwandschaften. Interessanterweise liegt Eduard mit seiner Konstellation A+D sowie B+C vermutlich falsch. Ich fand es aber schön, wie in diesem Kapitel quasi eine Belehrung über die Naturwissenschaften stattgefunden hat. Man merkt, dass Goethe sich viel damit beschäftigt hat.

Ottilie versagt in der Schule komplett. Sie scheint aufgrund ihres Charakters sich nicht anpassen zu können oder zu wollen. Ganz schlau werde ich aus der Schilderung nicht.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: Goethe - Die Wahlverwandtschaften

Beitragvon JMaria » Mi 15. Sep 2021, 11:16

ch hab das Gefühl, dass sie beiseite geschoben wird und ein wenig von ihrer frischen und selbstbewussten Art verliert und mehr die typische Frauenrolle annehmen muss. Ich frage mich, inwieweit hier vielleicht auch Christiane Vulpius als Vorbild dient. Ich stelle sie mir nämlich auch selbstbewusst und tatkräftig vor.


Dieses Gefühl hatte ich auch, insbesondere als Eduard ihr die Kritik Ottos an den Stufen überbringt, obwohl Otto nicht wollte dass es erwähnt wird. Trotzdem laufen die Baumaßnahmen besser seit Otto die Planung übernommen hat und Charlotte und er arbeiten gut miteinander. Wichtig ist auch für Charlotte dass die Erste-Hilfe-Maßnahmen verbessert wurden, besonders zu Wassern, da so mancher Teich, Gewässer und Wasserwerk in der Nähe ist.

Dazu wird im 4. Kapitel erwähnt, dass ein Unfall (im Wasser?) im Leben Ottos eine tragische Rolle spielt. Eduard verplaudert sich. Das sollten wir im Auge behalten. Ebenso beachten sollten wir vielleicht auch der Hinweis auf Ottilies Gebärde der Ablehnung im 5. Kapitel!

…dass sie etwas abzulehnen sucht, was man von ihr fordert. …. Sie drückt die flachen Hände, die sie in die Höhe hebt, zusammen und führt sie gegen die Brust,…und den dringend Fordernden mit einem solchen Blick ansieht, daß er gern von allem absteht…


Im 4. Kapitel nun die Erklärung zu den Wahlverwandschaften. Interessanterweise liegt Eduard mit seiner Konstellation A+D sowie B+C vermutlich falsch. Ich fand es aber schön, wie in diesem Kapitel quasi eine Belehrung über die Naturwissenschaften stattgefunden hat. Man merkt, dass Goethe sich viel damit beschäftigt hat.



Man trennt bereits die Paare beim Einzug. Charlotte und Ottilien in einen gemeinsamen Flügel, Eduard und Otto gemeinsam in einen anderen. Die Personen werden neu aufgestellt um sich neu zu finden. (Nehme ich jetzt mal an).

Ottilie geht ganz auf Eduards Bedürfnisse ein, trennt sich sogar vom Medaillon mit dem Bild ihres Vaters. Hier kommt bereits ein Besitzanspruch von seitens Eduard zu Tage.

Eine angenehme Unterbrechung ist der Mittler namens Mittler. Der kommt und verschwindet sehr schnell wieder. (Kapitel 2 und 9) Zum schmunzeln!

Mir gefällt das sehr gut. Ich komme zum 10. Kapitel. Charlottes Geburtstag und der Besuch der Baroness und des Grafen die ebenfalls eine bewegte Vergangenheit haben.

Schöne Grüße
Maria

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