Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Di 27. Jan 2026, 17:46

steffi hat geschrieben:Super ! Ich hoffe mein Buch kommt rechtzeitig, ich hab es mir zuschicken lassen. Und gerne benutzen wir diesen thread weiter ! Ich freue mich !


Wir haben ja kein Stress. Gib Bescheid wenn die Lieferung sich verzögert.
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Fr 30. Jan 2026, 18:07

Nachtstücke
von E. T. A. Hoffmann


Ich habe mal geschaut was das Wort Nachtstücke bedeutet:
Der Begriff ist in der Kunst beheimatet.

In der Malerei ist es die Darstellung einer nächtlichen Szene z.b. im Mondschein

In der Musik wird das Nachtstück „Nocturne" oder "Notturno" bezeichnet und ist geprägt von einer ruhigen, melancholischen Stimmung.

In der Literatur hat ETA Hoffmann seinen Erzählzyklus „Nachtstücke“ genannt und setzt sich mit der Nacht, mit Geheimnissen und der dunklen Seite des Menschen auseinander und ist ein Hauptwerk der Schwarzen Romantik und des Schauerromans.

Also das finde ich schon sehr spannend.

Der Zyklus setzt sich zusammen aus den Erzählungen:

Erster Teil (1816):
Der Sandmann (seine wohl bekannteste Erzählung über den Studenten Nathanael und das Trauma des Unheimlichen)
Ignaz Denner
Die Jesuiterkirche in G.
Das Sanctus

Zweiter Teil (1817):
Das öde Haus
Das Majorat (eine Schauergeschichte über ein verfluchtes Familienerbe)
Das Gelübde
Das steinerne Herz

Wir beginnen mit „Der Sandmann“.
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Mo 2. Feb 2026, 13:29

Sehr interessant !

Neben seiner Juristenkarriere versuchte sich Hoffmann als Musiker. Kurz hatte er sohar eine Stelle als Musikdirektor. Daher seine Affinität zur Musik. Er hat sogar eine Oper „Undine“ geschrieben. Außerdem hat er seinen dritten Vornamen von Wilhelm zu Amadeus abgewandelt. Nicht zu vergessen, die Oper von Jacques Offenbach „Hoffmanns Erzählungen“, eine meiner Lieblingsopern. In dieser kommt übrigens auch die Erzählung Der Sandmann (Olympia) vor ! Tschaikowskis Nußknacker beruht ebenfalls auf einer Erzählung von Hoffmann.

Neben seinem Einfluß auf die Musik hat er auch Künstler zb Paul Klee oder Schriftsteller zb Poe inspiriert.

Der SWR hat anlässlich des 250. Geburtstags eine Sendung aufgenommen:

https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/ ... 1-100.html
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Mo 2. Feb 2026, 15:31

Das ist interessant was du über Hoffmann und seine Musikalität schreibst. War mir nicht bewusst.
Als er Ende des 18. Jahrhundert nach Berlin kam um eine Referendarstelle zu besetzen, kam er mit den jungen wilden Romantiker in Berührung, die Schlegels, Novalis, Tieck, Brentano, Arnim… Sie waren recht lautstark und eckten in der Gesellschaft an. Friedrich Schlegel musste sogar aus Jena weg, weil er sich mit Schiller zerstritt. Aber das Geheimnisvolle, die Andeutungen, die machten eine Leserschaft auch neugierig.

Danke für den Link. Safranskis Biographie über ETA Hoffmann habe ich mir auch rausgesucht. Er hat auch ein Buch über „Romantik“ geschrieben.

Im Ausland war ETA Hoffmann sehr viel bekannter und geschätzter als in D.
Walter Scott las Hoffmann und erst seine Kritik über Hoffmanns „krankhafte Fieberträume“ machten ihn in Frankreich und Russland bekannt und ruhmreich.

Goethe wiederum übernahm Scotts kritische Beurteilung und negative Sichtweise. Das war wohl auch der Grund warum Hoffmann es in Deutschland schwer hatte.
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Di 3. Feb 2026, 11:12

Der Sandmann

Ich bin überrascht wie modern diese Erzählung rüberkommt. Aberglaube, Ängste, Psychologie, Technik (Maschine, heute wäre es ein Roboter), man könnte sagen, der Mensch ist auch heute noch gerne in neblige Verschwörungstheorien verhangen wie vor 250 Jahren.

Nathanaels Ich ist zweigeteilt. Er bekommt sein Inneres nicht mit dem Äußeren zusammen. Seine Angst dass der Sandmann ihm die Augen nimmt, wenn er nicht einschläft koppelt er mit den Zusammenkünften seines Vaters mit dem Alchimisten Coppelius. Als sein Vater bei einem dieser Experimente stirbt, verfolgt ihn das Erlebte als Trauma.

Das Augen-Motiv ist schon brillant. Auch die Namen, besonders des Alchimisten Coppelius bzw Copula, sind augenfällig.

coppo = ital. Augenhöhle
copplare = einschmelzen
Copula = lat. verbinden

Ein häßlicher Mensch mit einem großen Mund. Da fällt mir Cipola ein aus „Mario und der Zauberer“, auch ein Scharlatan und Manipulator. Überhaupt kam mir Thomas Manns sehr frühe Kurzprosa in den Sinn, in der auch unheimliches vorkommt, oder missgestaltete Menschen.

Ich bin ganz begeistert von dem 1. Nachstück.
Da steckt so viel drin.

Clara als Beispiel die bereits erkennt dass all das Entsetzlich nur in Nathanaels Innern vorging, „die wahre wirkliche Außenwelt daran wenig Teil hatte“.

Während Coppelius mit Nathanaels Vater alchimistische Experimente durchführte, ist Copula mit Prof. Spalanzani zugange einen Automatenmenschen zu kreieren: Olimpia

Im 18. Jahrhundert waren Automaten tatsächlich ein Thema, besonders in der Romantik.
https://etahoffmann.staatsbibliothek-be ... -romantik/

Und diese ARTE Doku sah ich vor einiger Zeit und kann ich empfehlen

https://www.arte.tv/de/videos/101944-01 ... schreiben/
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Di 3. Feb 2026, 14:12

Ich sehe auch die Augen als das Hauptmotiv. Zusammen mit den Ängsten bzw. dem Trauma durch den Tod des Vaters wird das sehr spannend dargestellt. Vorallem, da sich dann durch das Hindurchsehen durch das Glas sich sein Wahnsinn manifestiert. Bei den Augen ist mir noch aufgefallen, dass ja der Sandmann die Augen entfernt, vielleicht hier schon die Angst, die Realität nicht mehr erkennen zu können. Ich frage mich, ob Hoffmann das aus eigener Sicht geschrieben hat.

Nathanael kann nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Das passt auch zu den Leitmotiven der Romantik, wo ja den Gefühlen viel Raum gegeben wird und der Gegensatz zur Naturwissenschaft und Aufklärung steht. Kunst und Literatur sollen zweckfrei sein, der Phantasie entspringen und nicht an Konventionen gebunden sein. Man sieht das an der interessanten Konstruktion, zuerst die Briefe, also ohne Erzähler. Dann tritt plötzlich der Erzähler auf und wendet sich an den Leser. Später rückt er dann doch wieder ein wenig in den Hintergrund.

Auch modern war die Wirkung des Automaten auf die Gesellschaft, da hat Hoffmann noch eine kleine Kritik eingebaut, was mich schmunzeln ließ. Passt aber natürlich zum äußeren Schein des Automaten.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Di 3. Feb 2026, 16:58

Nathanael kann nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Das passt auch zu den Leitmotiven der Romantik, wo ja den Gefühlen viel Raum gegeben wird und der Gegensatz zur Naturwissenschaft und Aufklärung steht. Kunst und Literatur sollen zweckfrei sein, der Phantasie entspringen und nicht an Konventionen gebunden sein. Man sieht das an der interessanten Konstruktion, zuerst die Briefe, also ohne Erzähler. Dann tritt plötzlich der Erzähler auf und wendet sich an den Leser. Später rückt er dann doch wieder ein wenig in den Hintergrund.


Der Künstler als Außenseiter. Das ist auch ein Thema bei Thomas Mann. ETA Hoffmann könnte durchaus TM beeinflusst haben.

Es ist sehr interessant was du über Kunst und Literatur in der Romantik schreibst. Ist dann die Romantik nicht eher ein Rückschritt in der Gesellschaft gewesen?

Es erblühte wieder die Sehnsucht nach alten Traditionen, der Aberglaube war vermutlich nie ganz überwunden, aber tritt wieder mehr ans Licht. Man trug auch wieder gerne alte Trachten. Mit Gefühlen konnten viele Menschen eher was anfangen als mit Naturwissenschaften, der man vielleicht misstraute.

Das mit dem Erzähler ist mir auch aufgefallen.

Auch modern war die Wirkung des Automaten auf die Gesellschaft, da hat Hoffmann noch eine kleine Kritik eingebaut, was mich schmunzeln ließ. Passt aber natürlich zum äußeren Schein des Automaten.


Was ließ dich schmunzeln? Da entging mir wohl etwas, vielleicht ein ironischer Ton?

Übrigens den Prof. Spalanzani gab es tatsächlich: Lazzaro Spallanzani. Hoffmann interessierte sich für seine Forschungen.


Und hier noch ein paar schöne Wortschöpfungen:

Vorzuquinkelieren

Nebler und Schwebler

Magdalenenhaar


Sind dir die schönen Wortmalereien aufgefallen. Alles dunkel und düster, wie in einem Gemälde. Da fallen Beschreibungen wie z. B. Wolkenschatten…

Wenn Nathanael durch die Gläser sah, fand er Olimpia seelenvoll poetisch und Clara kalt prosaisch.

Das sind so Dinge die mir sehr gut gefallen.

Wie bizarr war doch die Ballszene mit Olimpia und wie dramatisch die Turmszene mit Clara!
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Mi 4. Feb 2026, 14:39

Ich glaube, die Romantik war eher die Weiterentwicklung bzw. Gegenentwicklung, indem man sich von den klassischen Idealen mehr der Natur und dem Inneren des Menschen zuwandte. Vielleicht, um die Napoleonkriege zu kompensieren, aber sicher auch um etwas der aufkommenden Industrialisierung entgegenzuhalten. Über die Märchen richtete sich der Blick auch auf das Unterbewusstsein. Ich würde eher sagen, dass die Romantik die Probleme der Aufklärung aufzeigt. Denn neben rationalem und logischem Denken bestehen wir auch aus Gefühlen, aus Kreativität, aus Fantasie. Und diese Werte versuchte die Romantik aufzuzeigen oder Aufmerksamkeit darauf zu erzeugen. Spannend finde ich die Wirkung der Romantik. Z.B. dass die Romantik das Unbewusste sozusagen entdeckt hat und Freud dies dann wissenschaftlich erforscht hat.

Die Besinnung zum Volkstümlichen hin trug sicher zu einem nationalen Bewussten bei, was im Sinne der späteren Revolution gut war.


Schmunzeln musste ich über die Reaktionen, als Herauskam, dass Olimpia ein Automat ist. Die Frauen mussten taktlos singen oder beim Vorlesen sticken oder gähnen, um zu beweisen, dass sie echt sind. Interessant, dass es Spalanzani wirklich gab. Er war ja glücklicherweise schon tot, so dass er seine Darstellung nicht mehr mitbekam. Eigentlich ziemlich respektlos von Hoffmannm den echten Namen zu verwenden.

Bizarr und dramatisch trifft es genau. Die schönen Wortspiele und Bilder sind mir auch aufgefallen, auch die intensiven Gefühle beschreibt Hoffmann sehr gut.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Mi 4. Feb 2026, 14:46

Ignaz Denner

Ich bin mittendrin und habe fast atemlos gelesen. Eine wunderbare Räubergeschichte bislang, schön im Wald, ein etwas naiver, passiver Jäger und dem Denner ist ja nicht zu trauen. Ich frage mich, ob sich ein gutes Herz und Aufrichtigkeit durchsetzten werden. Gleichzeitig ist Andres auch obrigkeitshörig und leichtgläubig. Spannend !
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Mi 4. Feb 2026, 16:50

Schmunzeln musste ich über die Reaktionen, als Herauskam, dass Olimpia ein Automat ist. Die Frauen mussten taktlos singen oder beim Vorlesen sticken oder gähnen, um zu beweisen, dass sie echt sind. Interessant, dass es Spalanzani wirklich gab. Er war ja glücklicherweise schon tot, so dass er seine Darstellung nicht mehr mitbekam. Eigentlich ziemlich respektlos von Hoffmannm den echten Namen zu verwenden.


Ja, das stimmt, da musste ich auch lächeln.

Ich glaube, die Romantik war eher die Weiterentwicklung bzw. Gegenentwicklung, indem man sich von den klassischen Idealen mehr der Natur und dem Inneren des Menschen zuwandte. Vielleicht, um die Napoleonkriege zu kompensieren, aber sicher auch um etwas der aufkommenden Industrialisierung entgegenzuhalten. Über die Märchen richtete sich der Blick auch auf das Unterbewusstsein. Ich würde eher sagen, dass die Romantik die Probleme der Aufklärung aufzeigt. Denn neben rationalem und logischem Denken bestehen wir auch aus Gefühlen, aus Kreativität, aus Fantasie. Und diese Werte versuchte die Romantik aufzuzeigen oder Aufmerksamkeit darauf zu erzeugen. Spannend finde ich die Wirkung der Romantik. Z.B. dass die Romantik das Unbewusste sozusagen entdeckt hat und Freud dies dann wissenschaftlich erforscht hat.

Die Besinnung zum Volkstümlichen hin trug sicher zu einem nationalen Bewussten bei, was im Sinne der späteren Revolution gut war.


Gegenentwicklung wohl aus einem Bedürfnis des Volkes heraus. Du hast treffende Gedanken. Und wie man sieht sind diverse gesellschaftlichen Strömungen weitreichend auf zukünftiges. Und wie meist birgt der Vorteil in sich auch eine Gefahr, wenn man an ein nationales Bewusstsein in noch späteren Jahrhunderten denkt, wie dem Nationalismus. Dein Gedanke zu Freud hin, finde ich interessant.

steffi hat geschrieben:Ignaz Denner

Ich bin mittendrin und habe fast atemlos gelesen. Eine wunderbare Räubergeschichte bislang, schön im Wald, ein etwas naiver, passiver Jäger und dem Denner ist ja nicht zu trauen. Ich frage mich, ob sich ein gutes Herz und Aufrichtigkeit durchsetzten werden. Gleichzeitig ist Andres auch obrigkeitshörig und leichtgläubig. Spannend !


Oja , ich bin auch atemlos schon nach wenigen Sätzen. Denner mit seinen Augen und seinem Grinsen ist dem Leser von Anfang an suspekt, aus seinen Arcanum, dem großen Geheimnis, zückt er ein Tränkchen um Andres Frau zu retten. Es schaudert einem wenn man Andres Schwur liest, denn man weiß bereits, dass daraus nichts Gutes erwächst.

Sehr spannend.

Und der Wald wurde in der Romantik ein mystischer Sehnsuchtsort aber auch als ein bedrohliches dunkles Gebiet. Vermutlich auch eine Gegenwelt zur Industrialisierung.
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