Sherwood Anderson, Winesburg Ohio

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Re: Sherwood Anderson, Winesburg Ohio

Beitragvon JMaria » Mo 15. Mär 2010, 17:37

steffi hat geschrieben:
Loneliness - diese Erzählung fand ich sehr spröde, ich habe sie einmal gehört und zweimal gelesen, aber so richtig klick hat es nicht gemacht. Die ganze Sache mit dem Zimmer, das immer so betont wird, ist für mich nicht richtig greifbar. Enoch hat sich in der Fremde wohlgefühlt und ist doch dort so allein wie in Winesburg.



Hallo Steffi,

"Allein" habe ich schlicht weg nicht verstanden. Ich verstehe den Sinn dahinter nicht, finde keinen Bezug. Passiert mir eher selten und lässt mir im Grunde keine Ruhe.

du gibst mir ein wichtiges Stichwort, nämlich "Zimmer". Darüber muß ich nochmals nachdenken.

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Re: Sherwood Anderson, Winesburg Ohio

Beitragvon JMaria » Fr 19. Mär 2010, 12:12

Hallo Steffi,

das Unvermögen sich durch Sprache verständlich zu machen, hebt sich in den folgenden Kapitel wieder deutlicher hervor.

Die unausgesprochene Lüge:
würde ich jetzt eher als "die zwei Wahrheiten" betiteln, denn im Leben gibt es durchaus manchmal zwei Seiten die in einem kämpfen. Die Erinnerung und die Gegenwart im Zwiespalt, wie es diesem Ray erging, nachdem Hal sich zur Heirat entschloß, war auch sein Leben nicht mehr so trostlos in der eigenen Ehe, sondern er erinnerte sich an heitere Abende.

Betrunken:
fand ich etwas schwieriger zu verstehen. Was hat denn die Trunkenheit Tom Foster nun wirklich gelehrt? Ich sah jetzt nicht, dass er etwas kennlernen konnte in diesem Rauschzustand. Alles nur Illusion?

Beide Kapitel handeln von Selbsttäuschung, oder was meinst du?

Ich komme zum Kapitel "Tod".

Grüße von
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Re: Sherwood Anderson, Winesburg Ohio

Beitragvon steffi » Fr 19. Mär 2010, 15:34

JMaria hat geschrieben:
Beide Kapitel handeln von Selbsttäuschung, oder was meinst du?

Ich komme zum Kapitel "Tod".


Sehe ich genauso - Selbsttäuschung oder auch eine Art passives Leben, ohne irgendetwas zu hinterfragen. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein wichtiger Aspekt in Andersons Leben war, wenn man seine Radikalumwandlung bedenkt.

Inzwischen bin ich auch fertig mit den Erzählungen. Death war nochmal ein Highlight für mich, einfach schrecklich, wie sich die Mutter nicht aus ihrer Situation befreien konnte, bis zum Tod hin nicht. Sophistication ist quasi die Vorstufe zur letzen Erzählung, in der, wie du schon richtig vermutet hast, George Willard Winesburg verlässt. Diese Erzählung finde ich merkwürdig emotionslos, man könnte ja denken, dass gerade bei so einem Abschied viel mehr Gefühle auftreten und mitspielen. Aber es wird sehr klar und distanziert geschildert, ob der Autor da nicht zu tief in alte Wunden graben wollte ?
Gruss von Steffi

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Re: Sherwood Anderson, Winesburg Ohio

Beitragvon JMaria » Sa 20. Mär 2010, 12:25

steffi hat geschrieben: Inzwischen bin ich auch fertig mit den Erzählungen. Death war nochmal ein Highlight für mich, einfach schrecklich, wie sich die Mutter nicht aus ihrer Situation befreien konnte, bis zum Tod hin nicht. Sophistication ist quasi die Vorstufe zur letzen Erzählung, in der, wie du schon richtig vermutet hast, George Willard Winesburg verlässt. Diese Erzählung finde ich merkwürdig emotionslos, man könnte ja denken, dass gerade bei so einem Abschied viel mehr Gefühle auftreten und mitspielen. Aber es wird sehr klar und distanziert geschildert, ob der Autor da nicht zu tief in alte Wunden graben wollte ?


Hallo Steffi,

in bin nun auch durch und der Autor spannt den Bogen gekonnt zuende; die Entwicklung George Willards, der Dichter in "Tod" (Arzt), eine Traumfrequenz (in "Abreise"); wenn man dies mit dem 1. Kapitel vergleicht, finden wir hier einen passenden Abschluß zu den Einzelgeschichten und die Gegenstücke dazu.

Mir ist durch Sherwood Anderson die (moderne) amerikanische Literatur näher gekommen, begreiflicher geworden. Diese neue Strömung in die Moderne, weg von der "genteel tradition" eines Henry James oder O.Henry.

Andersons Beobachtungsgabe fand ich beeindruckend.

das war wieder eine sehr schöne Leserunde mit dir. Vielen Dank :-)

Liebe Grüße
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Re: Sherwood Anderson, Winesburg Ohio

Beitragvon steffi » Mo 22. Mär 2010, 09:30

JMaria hat geschrieben:die Entwicklung George Willards, der Dichter in "Tod" (Arzt), eine Traumfrequenz (in "Abreise"); wenn man dies mit dem 1. Kapitel vergleicht, finden wir hier einen passenden Abschluß zu den Einzelgeschichten und die Gegenstücke dazu.


Ach ja, jetzt wo du es schreibst, fällt es mir auch auf !

Danke für den interessanten Gedankenaustausch - wie immer hat es sehr viel Spaß gemacht !
Gruss von Steffi

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