Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

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Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon steffi » Do 21. Feb 2019, 17:08

In nächster Zeit wollen JMaria und ich Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov gemeinsam lesen. In dem Roman geht es um eine Geschwisterliebe, die im 19. Jahrhundert in einer Alternativwelt spielt. Eines der fünf Meisterwerke Nabokovs (Pnin, Lolita, Fahles Feuer, Das wahre Leben des Sebastian Knight).

Hier auch noch ein interessanter kritischer artikel darüber !

Ich würde mich freuen, wenn sich uns noch jemand anschließen möchte !
Gruss von Steffi

:lesen:
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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » So 24. Feb 2019, 11:08

Hallo Steffi,

ich freu mich, dass wir wieder ein interessantes Buch gefunden haben. Und es geht in Ada um Geschwisterliebe , wie ja auch in Musils MoE, wenn auch nicht ausschließlich. Somit passt es doch gut als nächstes Leseprojekt. Dass das Buch so kritisch in dem Artikel besprochen wird, überrascht mich, macht mich aber auch neugierig.

Wie wärs wenn wir am 01.03 beginnen?



Ich würde mich freuen, wenn sich uns noch jemand anschließen möchte !





Dito :winkt_lieb:
Schöne Grüße
Maria



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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon steffi » Mo 25. Feb 2019, 18:50

01.03. passt :breit_grins: Ich werde wahrscheinkich das ebook lesen. Eigentlich gefällt mir die aktuelle Taschenbuchausgabe auch sehr gut ( die Werkausgabe ist mir zu teuer), aber bei den vielen Seiten ist das Taschenbuch wahrscheinlich nicht ideal.
Gruss von Steffi

:lesen:
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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » Mo 4. Mär 2019, 13:29

Hallo Steffi,

ich habe eine sehr schöne Ausgabe übersetzt von Uwe Friesel und Marianne Therstappen, leider nicht die redigierte Ausgabe von Dieter E. Zimmer, und habe festgestellt (durch @Shaftoes Beitrag im Forum), dass darin die Landkarte von Antiterra fehlt.

https://www.amazon.de/Ada-oder-Das-Verl ... way&sr=8-1

diese fand ich auf der Homepage von Dieter E. Zimmer (im englischen Teil):
http://www.dezimmer.net/ReAda/AntiterraGeography.htm


hier noch weitere Infos zum Buch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ada_oder_Das_Verlangen

Deutschlandfunk empfiehlt die ersten vier Kapitel wegen Schwülstigkeit zu überspringen :breit_grins:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/am ... _id=139640


Mit den doch reichlichen Querverweisen wäre das ebook praktisch ! Ich bin noch am überlegen ob ich 'aufrüste' ;-)
Schöne Grüße
Maria



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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon steffi » Di 5. Mär 2019, 13:43

Ja, das ebook ist sehr praktisch ! Schön, dass es die kommentierte Ausgabe ist. Am Anfang war ich doch sehr verwirrt, bis ich kapiert habe, dass es in Antiterra spielt :breit_grins: Der Stammbaum zu Beginn ist auch nützlich, aber am besten sind tatsächlich die Kommentare ! Erstaunlich, was für Wortspiele und Anspielungen es gibt.

Prima, die ersten drei Kapitel habe ich schon gelesen ! :zwinker: Das Erzähltempo fand ich atemberaubend, durch die langen Sätze und die Struktur kam es mir vor wie ein Rausch ! Toll gemacht !

Diese englischsprachige webseite enthält jede Menge Anmerkungen und Vor- und Nachbemerkungen zu den einzelnen Kapiteln:
http://www.ada.auckland.ac.nz/
Zuletzt geändert von steffi am Di 5. Mär 2019, 14:17, insgesamt 1-mal geändert.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon Shaftoe » Di 5. Mär 2019, 13:49

steffi hat geschrieben: Das Erzähltempo fand ich atemberaubend, durch die langen Sätze und die Struktur kam es mir vor wie ein Rausch ! Toll gemacht !



Balsam für meine Seele - ich lese bei euch mit, erspare ich mir einige Zeit :-)
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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon steffi » Di 5. Mär 2019, 14:38

Shaftoe hat geschrieben:
steffi hat geschrieben: Das Erzähltempo fand ich atemberaubend, durch die langen Sätze und die Struktur kam es mir vor wie ein Rausch ! Toll gemacht !



Balsam für meine Seele - ich lese bei euch mit, erspare ich mir einige Zeit :-)


:breit_grins: das ist schön ! Natürlich sind deine Anmerkungen jederzeit willkommen und erwünscht, dafür musst du nicht extra nochmal lesen .

Ich wollte ja auch noch was zu den ersten drei Kapiteln schreiben:
Neben meiner Erleuchtung mit Antiterra :breit_grins: gaben mir die etwas verzwickten Familienverhältnisse Rätsel auf. Ich habe daher die ersten beiden Kapitel nochmal gelesen. Mir kommt es vor, als ob Aqua ( was für ein schönes Wortspiel mit Aquamarine) sich nur einbildet, dass sie die Mutter von Van ist und in Wirklichkeit Marina die leibliche Mutter ist. Jedoch war Aqua in dem Schweizer Sanatorium, wo ich den Eindruck gewann, dass sie ein Kind (evtl. unehelich?) geboren hätte. Neben all den überwältigenden Bildern ( das Blumenalbum, das Theater, das Duell) ist für mich eines herausgestochen: die beiden nackten Kinder auf dem Dachboden, Van und Ada. Da kehrte plötzlich eine Ruhe ein.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » Di 5. Mär 2019, 19:51

Hallo Steffi, hallo Shaftoe

wie schön uns hier zu treffen. Mir gefällt es bereits sehr gut. Überrascht war ich, dass ich mich etwas im Wahnwitz von Doderers „Merowinger“ fühlte :breit_grins:

Die Wortspiele sind ja klasse. Nicht nur Aqua und Marina (Aquamarin), sondern den Ausspruch von Dollys Mann, warum sie die Kinder nicht Aqua und Tofana nannte, aber dann war es ihm doch zu mulmig, nicht dass die Gattin nicht noch auf abwegige Gedanken kommt, denn Aqua Tofana war eine chem. Giftmischung die man gern mal benutzte um sich von den Fesseln der Ehe zu befreien ;-) (dazu gibt es einen informativen Wikipedia Eintrag).

Schon der erste Satz in „Ada“ muss man blinzelnd mehrmals lesen. Diese freche Parodie auf Weltliteratur ist schon einzigartig.


Bei Tolstoi:
Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Art“. –

Bei Nabokov:
Alle glücklichen Familien unterscheiden sich mehr oder weniger; alle unglücklichen ähneln sich mehr oder weniger, -



Ich frage mich, wer der Erzähler ist, .... Kapitel 3.... Der bescheidene Erzähler muß den Wiederleser an all dies erinnern, denn im April (mein Lieblingsmonat) 1869 ..... heiratete Demon Veen Aqua Durmanov... aus Trotz und Mitleid, ...


De Erzähler benutzt ein Material in dem handschriftliche Notizen und Bemerkungen von Ada vorhanden sind, die in Klammern (...) stehen. Ist Van der Erzähler?


Familienverhältnisse interpretiere ich so, dass Van‘s Mutter Aqua ist, und Marina ist die Mutter von Ada, Vater der Beiden ist Demon Veen.


Ich komme zum 5. Kapitel.
Schöne Grüße
Maria



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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon Shaftoe » Fr 8. Mär 2019, 13:27

durch Zufall gefunden, mit hunderten von Bildern

http://www.ada.auckland.ac.nz/

Grüße
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Re: Leserunde - Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov

Beitragvon JMaria » Sa 9. Mär 2019, 11:59

Danke, Shaftoe und Steffi,
der Link ist ja ein weites Feld. Sehr schön das ursprüngliche Cover mit der Cattleya , hat sogar die Farbe (geranienrot) der Herzogin von Guermantes.

Van fühlt sich von Ada stark angezogen. Mit 14 Jahren hat er schon sehr ausgeprägte Begierden. Ada sammelt Schmetterlingslarven und beobachtet fasziniert den Übergang von der Larve zum Schmetterling. Allerdings kann es durch die Schlupfwespe auch vereitelt werden. Alles sehr Symbolschwanger!

Ich komme zum 14. Kapitel.

Mir fallen die Bezüge zu Proust auf. Ein paar mal wird es auch in den Anmerkungen erwähnt. Am auffallendsten die Kutschfahrt im Kapitel 13. Ada auf Vans Knie, der erste körperliche Kontakt. Mit dem Kapitel 8 wo der Cattleya Schwärmer und die Sphinx Odette erwähnt werden, kommt einem schon der Zusammenhang zu „Eine Liebe Swanns“ , darin Swann auf der nächtlichen Kutschfahrt der Odette de Crecy die Cattleya im Dekolleté richtet.

Adas Laborium:
Am besten finde ich die Beschreibung...die Sphinx Odetta hatte sich in eine elephantoide Mumie verwandelt mit einem ulkig vermummten Rumpf von guermantoider Art. :breit_grins:

Auch interessant die Warnung dass der Erzähler ein alter Flunkerer ist. (Kapitel 8 “Was für ein Flunkerer dieser alte V. V.“ = Van Veen als Erzähler hochbetagt in den 90er und wohl auch Vladimir Vladimirovich (Nabokov)


Edit:
@Steffi
...kommt es vor, als ob Aqua ( was für ein schönes Wortspiel mit Aquamarine) sich nur einbildet, dass sie die Mutter von Van ist und in Wirklichkeit Marina die leibliche Mutter ist. Jedoch war Aqua in dem Schweizer Sanatorium, wo ich den Eindruck gewann, dass sie ein Kind (evtl. unehelich?) geboren hätte.



Ich habe diese Szenen nochmals gelesen und ich neige dazu dir zuzustimmen!
Was mir zeigt, dass man auch den Stammbaum kritisch betrachten muss und dem Erzähler auch nicht alles glauben sollte. Ich bin gespannt, je tiefer man im Roman eintaucht, wieviel er preisgibt.
Schöne Grüße
Maria



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