Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

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Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon Trixie » Fr 1. Jan 2021, 17:49

Maria und ich beginnen ein neues Lesejahr manchmal mit M. M. Kayes Vollmond über Kaschmir - weil wir beide die Autorin so lieben und dieser Krimi so schön passt, da die Handlung darin ebenfalls im Januar einsetzt.

Für diesmal haben wir uns auf ein neues Buch geeinigt, mit dem wir unser Lesejahr 2021 gemeinsam einläuten. Aber so gänzlich anders ist dieses Buch nun doch nicht, denn es ist ein Krimi, spielt ebenfalls in Indien und beginnt am Morgen nach dem Neujahrsball 1909...

Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Hier ein wenig, um das Buch vorzustellen:

Der Inder Arjun Raj Gaind hat sich bisher vor allem einen Namen mit Graphic Novels gemacht. A Very Pukka Murder ist der erste Band einer historischen Krimiserie, die bisher drei Bände umfasst, und in denen der indische Maharadscha von Rajpore, Farzand-i-Khas-i-Daulat-i-Inglishia Mansur-i-Zaman Maharaja Sikander Singh, kurz: Sikander Singh, sich für das Aufklären von geheimnisvollen Kriminalfällen begeistert.

Dieser erste Fall beginnt, wie erwähnt, am Tag nach dem Neujahrsball der Briten 1909, als Major William Russell, der Resident der britischen Kolonialverwaltung in Rajpore, tot aufgefunden wird. Dieser mysteriöse Vorfall ist genau das, was der derzeit stark gelangweilte Maharadscha von Rajpore, Sikander Singh, braucht. Fasziniert beginnt er, sich um die Aufklärung des Verbechens zu kümmern...

Startschuss für das gemeinsame Lesen ist der kommende Sonntag, 3. Januar.
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon JMaria » So 3. Jan 2021, 13:20

Hallo Trixie,

Danke fürs eröffnen des Threads. Ich freu mich auf unsere Leserunde. Ich finde die Ära des British Raj (Britisch-Indien 1858-1947) spannend. Ich glaube es war tatsächlich M. M. Kaye mit „Palast der Winde“ die mich für dieses Thema in jungen Jahren sensibilisierte. Raj bedeutet übrigens u.a. Herrschaft.

Dass der Autor Arjun Raj Gaind aus dem Comic-Bereich kommt merkt man, wie ich finde, im 1. Kapitel. Er „zeichnet“ auch in Prosa sehr genau den Pukka Sahib und der Humor steckt auch im Detail wenn man liest wie schwerfällig, zeitraubend, aber auch Schicksal ergeben die Dienerschaft zuerst reagiert, als Major Russell am Neujahrstag nicht seinem strikt eingeteiltem Leben nachgeht. Der Bursche, der sein Frühstück bringt, klopft eine 1/2 Std lang immer wieder an die abgeschlossene Tür, geht aber dann in die Küche und ißt das Frühstück des Majors.

Erst einer seiner Minister trifft dann die Entscheidung, aber auch er umgeht das Eintreten der Tür, und zieht Captain Fletcher von der Kavallerie hinzu. Die Rangordnung ist eindeutig und wird eingehalten. Aber wie viel Zeit draufgeht !

Man sieht das alles plastisch vor Augen!

Hier ist eine Karte von Britisch-Indien von 1909
https://de.wikipedia.org/wiki/Britisch- ... _India.jpg


Ich komme zum 2. Kapitel.

Schöne Grüße
Maria

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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon JMaria » So 3. Jan 2021, 22:11

Ich habe erst jetzt, nach drei Kapiteln, verstanden, dass „State of Rajpore“ ein fiktiver Fürstenstaat ist. Ich war am Anfang gedanklich schon in der richtigen Richtung, im Norden Indiens.
Aber als ich Rajpur suchte fand ich mich in Westbengalen. Ups !

Unser fiktives Rajpore liegt in the North West Frontier Province von Britisch-Indien.

Jetzt bin ich wieder auf der richtigen Spur :breit_grins:

Schöne Grüße
Maria

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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon Trixie » Mo 4. Jan 2021, 00:23

Ich bin noch im zweiten Kapitel, wo Sikander Singh ausführlich vorgestellt wird. Schon rein optisch habe ich ihn mir vor der Lektüre, basierend auf den Einbandtext, eigentlich ganz anders vorgestellt - eher wie eine jüngere Version seines Leibdieners, Charan Singh - hochgewachsen, imposant gebaut. So aber huschten mir beim Lesen seiner Beschreibung vage die Worte einer Agatha Christie durch den Hinterkopf, wie sie ihren Detektiv Hercule Poirot beschrieb, wodurch jedem Leser schnell klar war, dass hier die physische Erscheinung und die manchmal schwer nachvollziehbaren Eigenarten dieses unbritischen Zeitgenössen überhaupt keine Rückschlüsse auf den scharfen Verstand, der in ihm steckt, geben.

Gleiches gilt, wenn Gaind den Palast des Maharadschas beschreibt, und es klar ist, dass Sikander Singh hier kein unverändertes, uraltes Gemäuer seiner Ahnen bewohnt, sondern im Jahre 1909 schon so einiges aus der westlichen Hemisphäre zur Steigerung des Komforts in seiner Residenz importiert (für Barock- und Rokoko-Möbel scheint er eine besondere Vorliebe zu haben) oder übernommen hat. Und dann fiel mir ein, dass er damit kein Einzelfall gewesen sein dürfte: Viele indische Fürsten in den kommenden Jahrzehnten bis zum Zweiten Weltkrieg haben tatsächlich ihre historischen Paläste von westlichen Architekten und Künstlern entweder modernisieren lassen oder gleich ganz neue Bauten errichtet, auch wenn sie sich dann an moderneren Stilrichtungen als Sikander orientierten. Falls du das von dir bestellte Indian Interiors bereits erhalten und darin geblättert hast, wirst du sicher auch schon so einige Beispiele entdeckt haben - Art-Deco-Ausstattungen, wie man sie in Europa kaum noch findet, ausgestattet mit eigens dafür angefertigten Arbeiten von europäischen Künstlern wie Stefan Norblin. Interessant, wie dieser "Austausch" in beide Richtungen lief: Die Europäer waren ganz scharf auf Möbel und Ausstattungsgegenstände aus Tropenhölzern aus Indien oder auf die prächtigen Textilien, und umgekehrt ließ sich, wer es sich leisten konnte, den Carrara-Marmor für seinen Badesaal ("Zimmer" kann ich es nach der Beschreibung kaum nennen) über Venedig aus dem schönen Italien kommen.

Achja, "Rajpur" - das scheint ein gar nicht so seltener Ortsname in Indien zu sein, obwohl du natürlich Recht hast - im Roman ist dieser Staat sicher fiktiv. Aber immerhin: Wenn Sikander aus seinem Bad ein Panorama auf den Himalaya haben kann, dann ist er natürlich im Norden, vielleicht sind wir ja wieder in der Nähe Kashmirs. Im weiteren Verlauf der Handlung wird sich das möglicherweise genauer bestimmen lassen.

Soweit liest sich der Krimi sehr angenehm. Kurzweilig, fließend und unterhaltsam, und allein schon durch die indischen Begriffe, Anreden und Eigennamen fühle ich mich ein wenig wie bei Kaye, die dieses exotische Flair auch dadurch immer so schön nebenbei vermittelt konnte. Wenn es so weitergeht, werde ich mich flott durch die Geschichte lesen. Aber vorerst komme ich mal zu Kapitel 3.
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon Trixie » Mo 4. Jan 2021, 16:06

Kapitel 3 habe ich auch durch, sind ja recht kurz bislang, die Kapitel.
Hier erfahren wir wieder etwas über die Stadt Rajpur, seine Gliederung und Lage - wie du schon schriebst, liegt es im Nordwesten und grenzt unter anderem an Kaschmir. Außerdem ist mir mal wieder deutlich geworden, dass man sich unter den Bungalows, die in Britisch-Indien und anderen kolonialen Regionen entstanden sind, nicht das gleiche verstehen darf wie heutzutage bei uns unter einem "Bungalow". Diese historischen Bauten sind oft eher das, was wir als "Villa" bezeichnen würden - mehrstöckig und weitläufig (hier gibt es sogar einen ganzen Artikel über Bungalows in Kerala: Understanding British and Native Bungalows of Travancore).

Auch Sikanders Automobil ist nicht wenig imposant: ein Rolls Royce Silver Ghost. Was für ein Gerät für 1909! Ich konnte mir beim Lesen richtig vorstellen, wie irre Sikander mit ihm über das eigene Palastgelände ebenso wie durch die Straßen der Stadt saust. Sikanders Begeisterung für die Maschine und noch mehr für das Fahren zeugt von seiner progressiven Einstellung im Vergleich zu seinen Untertanen und sogar im Vergleich zu anderen indischen Fürsten der Zeit, die sich alle eher durch müßigen bis liderlichen Lebenswandel hervortun, während es für Sikander kaum etwas Schöneres gibt, als sich mit dem Klären von Rätseln und Verbrechen zu beschäftigen.

Sein Verhältnis zur Kolonialverwaltung scheint eher wechselhaft zu sein: Mit Major Russells Vorgänger, Sir James Foote, einem offenbar ziemlich jovialen und -wie wir heute vielleicht sagen würden- "entspannten" britischen Vertreter, verstand er sich sehr gut und pflegte sogar eine Art Freundschaft. Major Russell mit seiner britischen Überheblichkeit, Pedanterie und dem "Dienst nach Vorschrift" hingegen war von Anfang an ein rotes Tuch, und sein Ableben wird von Sikander ziemlich trocken kommentiert mit: Still (...), the Major Could not have chosen a more opportune time to kick the bucket, denn Sikander war schon selbst halb zu Tode gelangweilt in Rajpur. Jetzt aber hat er ein richtig interessanten Mord aufzuklären.
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon JMaria » Mo 4. Jan 2021, 16:19

Hallo Trixie,

Vergiß nicht den Bart zu erwähnen, der gewachst wird, bis seine Enden schön nach oben stehen. Seine Augen sind seltsam blass, grau wie ein Gewitter. Und seine Nase! Mit seiner Nase wurde er als Unglücksrabe in jungen Jahren betitelt (Corvo), aber er hat es dann als Privileg seines königlichen Geschlechts gesehen.

Ich sag’s mal mit den Worten Salman Rushdies in „Mitternachtskinder“... sie bürgt für die Echtheit der Nachkommen. :breit_grins:

Hat mich irgendwie daran erinnert.

Er nennt sich selbst ein Ratiocanist im Zusammenhang mit dem lösen von Kriminalfällen (Kapitel 3 ?)
Ratio, Vernunft oder Logik, ist klar. Aber sonst finde ich nichts zur Wortklärung. Außer vielleicht ein „Körbchen voll Logik“, (Canistrum) wo wir wieder bei Selbstironie sind?


Und dann fiel mir ein, dass er damit kein Einzelfall gewesen sein dürfte: Viele indische Fürsten in den kommenden Jahrzehnten bis zum Zweiten Weltkrieg haben tatsächlich ihre historischen Paläste von westlichen Architekten und Künstlern entweder modernisieren lassen oder gleich ganz neue Bauten errichtet, auch wenn sie sich dann an moderneren Stilrichtungen als Sikander orientierten. Falls du das von dir bestellte Indian Interiors bereits erhalten und darin geblättert hast, wirst du sicher auch schon so einige Beispiele entdeckt haben - Art-Deco-Ausstattungen, wie man sie in Europa kaum noch findet, ausgestattet mit eigens dafür angefertigten Arbeiten von europäischen Künstlern wie Stefan Norblin. Interessant, wie dieser "Austausch" in beide Richtungen lief: Die Europäer waren ganz scharf auf Möbel und Ausstattungsgegenstände aus Tropenhölzern aus Indien oder auf die prächtigen Textilien, und umgekehrt ließ sich, wer es sich leisten konnte, den Carrara-Marmor für seinen Badesaal ("Zimmer" kann ich es nach der Beschreibung kaum nennen) über Venedig aus dem schönen Italien kommen.



Ja. Ich habe schon fleißig in „Indian Interiors“ geblättert und gelesen. Inspirierend. Ziemlich am Anfang des Buches sind wir auch sogleich in Punjab, Kashmir und Ladakh.

Schöne Grüße
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon JMaria » Mo 4. Jan 2021, 16:37

Kapitel 3 habe ich auch durch, sind ja recht kurz bislang, die Kapitel.
Hier erfahren wir wieder etwas über die Stadt Rajpur, seine Gliederung und Lage - wie du schon schriebst, liegt es im Nordwesten und grenzt unter anderem an Kaschmir. Außerdem ist mir mal wieder deutlich geworden, dass man sich unter den Bungalows, die in Britisch-Indien und anderen kolonialen Regionen entstanden sind, nicht das gleiche verstehen darf wie heutzutage bei uns unter einem "Bungalow". Diese historischen Bauten sind oft eher das, was wir als "Villa" bezeichnen würden - mehrstöckig und weitläufig (hier gibt es sogar einen ganzen Artikel über Bungalows in Kerala: Understanding British and Native Bungalows of Travancore).



Danke für den Link !
Wobei die frühen Bungalows in den Garnisonen eher karg und einstöckig waren und für die Soldaten gedacht waren. Sikander Singh fällt auch das weiß der Häuser auf, im Gegensatz zur Altstadt, wo es ganz anders aussieht.

Ich glaube in dem Krimi „ Das Geheimnis der Kaschmir-Rose“ von Barbara Cleverly spielt die Handlung in so einer Garnison.


Später gingen Bungalows in Richtung Statussymbol.

https://www.architectural-review.com/pl ... w-in-india


Kipling Bungalow in Mumbai

https://www.pinterest.de/pin/335025659765647132/

Schöne Grüße
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon JMaria » Mo 4. Jan 2021, 17:00

Im Kapitel 3 erfahren wir, dass seine Mutter eine leidenschaftliche Leserin von Krimis und wahre Verbrechen ist.

Ihre Lieblingsautoren sind:

Paul Feval (1816-1887)
Ein franz. Schriftsteller, der damals so bekannt war wie Balzac und Alexandre Dumas.

Emile Gaboriou (1832-1873)
Vorreiter des Detektivromans mit seinem Inspector Lecoq

Arthur Conan Doyle (1859-1930)
Der „Vater“ des berühmten Sherlock Holmes
Und der einzige englische Krimi-Schriftsteller unter all den französischen.


Pierre du Terrail (1829-1871)
Pierre Alexis Ponson du Terrail
mit seinem Schurken Rocambole

Bis auf letzteren gibt es ohne größeren Aufwand deutsche Übersetzungen zu finden.


Seine Mutter wird übrigens einmal Maharani Ayesha Devi und dann Amrita Devi genannt. Da ist dem Autor wohl ein Schnitzer untergekommen, bzw. beim Korrekturlesen nicht bemerkt.

Schöne Grüße
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon JMaria » Mi 6. Jan 2021, 12:13

Sikander Singh kommt nun an den Ort des Verbrechens.
Und er ist gut ausgerüstet. Er ist nicht nur ein Hobby-Detektiv, sondern hat in Europa sich einige Fähigkeiten angeeignet.

Er geht auch sehr gewissenhaft vor, als er erst das Zimmer untersucht und dann das Opfer.


Ich komme zu Kapitel 6.

Schöne Grüße
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Re: Arjun Raj Gaind: A Very Pukka Murder

Beitragvon Trixie » Mi 6. Jan 2021, 16:59

Ja, er hat ein richtiges Schema, dem er folgt, angefangen mit dem Aufbau eines "Gefühls" für den Tatort, wenn er sich im Bungalow des Majors umsieht und nicht sofort die Leiche untersucht.
Und seine Ausstattung ist erste Sahne - Koffer, Lupen, Kuverts für die Spuren, Gläschen für Proben... alles zum Teil speziell für Sikander angefertigt von den Meistern ihres Faches wie Carl Zeiss u.a..
Überhaupt wird mit Markennamen ganz schön um sich geworfen in dem Buch. Mangelnde Recherche bzw. Hintergrundwissen zu der Epoche kann man Gaind nicht vorwerfen. Ausßerdem zeigt es natürlich auch, wie ernst es seinem Romanhelden mit der Kriminalistik ist, es ist keine kurzlebige Laune.

In den folgenden Kapiteln kommt Sikanders "Schulung" auf dem Gebiet durch vor allem französische Fachleute der Zeit mehrfach durch, zur großen Verärgerung von Superintendent Jardine, der für die Erkenntnisse irgendwelcher "Frogs" weder Zeit noch Sinn hat.

Jardine wird durch sein Verhalten und seine Äußerungen ganz schnell zum typischen Vertreter für die chauvinistischen britischen Kolonialherren, und ich kann mir gut vorstellen, dass sehr viele in ihrer Geisteshaltung so eingestellt waren: Man weiß natürlich alles besser als die Einheimischen (und die Franzosen!), braucht weder Beweise noch eine logische Grundlage für einen Verdacht - und vielleicht sogar für eine Verurteilung-, den "Blackies" ist ja schließlich alles zuzutrauen. Was mich beim Lesen aber dann doch gewundert hat, war, dass Jardine sich solche Entgleisungen auch gegenüber dem Maharadscha erlaubt. Der ist immerhin das Landesoberhaupt, ein gekröntes Haupt und Jardine, beim besten Willen, lediglich ein Polizeibeamter, der noch nicht einmal besonders weit oben in der Hierarchie rangiert. Dass er Sikander mehrfach nur mit "Sir" oder sogar "Mister" anspricht, finde ich dann geradezu rüpelhaft - wobei ich sogar vermute, er macht das nicht mal mit Absicht, um den Maharadscha zu brüskieren, sondern schlicht, weil ihm der nötige Schliff fehlt (heutzutage würden wir eher sagen "soziale Kompetenz").

Eine Ungereimtheit ist mir aufgefallen, als in Kapitel 7 Sikander den Magistrat Lowry über Major Russell ausfragt: Lowry erzählt zunächst, dass sie im Alter nur wenige Monate auseinander lagen und er im Sommer dreiundvierzig werden würde, dann, dass Russells Vater bei Sebastopol starb, als jener noch ein kleines Kind war. Also, wenn sich die Aussage auf die Belagerung Sebastopols während des Krimkrieges bezieht, dann haut das rechnerisch nicht hin, Russell und Lowry dürften erst gut zehn Jahre später geboren worden sein.

Sikander Singh schwankt bisher in meiner Wahrnehmung ständig zwischen einer für seinen Stand und für die Zeit absoluten Ausnahmerscheinung und andererseits einem Musterbeispiel für die klassischen Detektive in der Art eines Sherlock Holmes oder Hercule Poirot: von Logik dominierte Ermittlungsweise und persönlich eine mehr als gesunde Portion Selbstbewusstsein mit einem Anflug von Unfehlbarkeitsglauben. Trotzdem nicht unsympathisch.

Ich beginne heute Abend mit Kapitel 8.
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