Aravind Adiga: Zwischen den Attentaten

Hier können registrierte und mitdiskutierende Mitglieder Buch-Rezensionen schreiben.
Forumsregeln
Hier können registrierte und mitdiskutierende Mitglieder Buch-Rezensionen schreiben. Die Moderatoren behalten sich vor, anderweitige und kommerzielle Einträge ohne Kommentar zu löschen!

Aravind Adiga: Zwischen den Attentaten

Beitragvon Doris » Fr 31. Jul 2009, 12:06

Kurzbeschreibung
Als würde man an einer siebentägigen Erkundung der Stadt Kittur und ihrer Besonderheiten teilnehmen, so führt Aravind Adiga in seinem neuen Buch, einem Zyklus von Geschichten, den Leser durch diese brodelnde fiktive Stadt, die deutlich erkennbare Züge Bangalores trägt. Wie in Adigas preisgekröntem Debüt „Der weiße Tiger“ werden mit Witz und Furor, Mitgefühl und Humor, Mut und Leidenschaft Geschichten erzählt, in denen die unbarmherzigen Gegensätze und der unbeugsame Überlebenswille im heutigen Indien plastisch werden.
Da ist der zwölfjährige Ziauddin, der in einem Teehaus in der Nähe des Bahnhofs aushilft und, weil er einem hellhäutigen Fremden vertraut, einen großen Fehler macht. Da ist ein privilegierter Schuljunge, der aus Protest gegen das Kastenwesen an seiner Schule Spreng-stoff zündet. Und da ist George D’Souza, der Moskitomann, der sich bei der reizenden, jungen Mrs Gomes zum Gärtner und dann zum Chauffeur hocharbeitet und alles verliert, als er die strengen Grenzen zu überschreiten versucht.
Aravind Adiga, dessen „Weißer Tiger“ den bedeutenden Booker-Prize gewann und zum Weltbestseller wurde, ist ein begnadeter Erzähler und Menschenkenner, und in dem reichen Panaroma von Figuren und Geschichten aus Kittur, die kunstvoll miteinander verwoben sind, erkennen wir fasziniert eine fremde Welt, die doch auch unsere ist, blicken in Abgründe menschlicher Kämpfe und lesen von Hoffnungen und Wünschen, die uns vertraut sind.

Über den Autor
Aravind Adiga wurde 1974 in Madras geboren, wuchs zeitweise in Sydney, Australien, auf, studierte Englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Er arbeitete als Korrespondent für die Zeitschrift Time und für die Financial Times. Er lebt in Mumbai, Indien. Sein erster Roman „Der weiße Tiger“ (C.H.Beck 2008) gewann den Booker Prize und erschien in fast 40 Ländern.

Übersetzer
Klaus Modick, geb. 1951, wurde für sein umfangreiches literarisches Werk u. a. mit dem Bettina-von-Arnim-Preis und dem Nicolas-Born-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm der Roman „Die Schatten der Ideen“. Er ist auch als Übersetzer von William Gaddis, Charles Simmons (C.H. Beck) und John O’Hara (C.H.Beck) hervorgetreten.

http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&keywords ... bucherf-21

Originaltitel
Between the Assassinations, erschienen bei Free Press New York, 2009


Meine Meinung:
Wie auch schon in seinem Buch "Der weiße Tiger" erzählt Adiga in Abschnitten über die verschiedenen Gesellschaftsschichten einer Stadt in Indien. Auch hier geht er mit einem schonungslosen Blick auf die unschönen Seiten seines Landes ein und einmal mehr hat man den Eindruck dass Indien im allgemeinen und die Einwohner im besonderen kein nettes und freundliches Volk sind. Jeder ist sich hier selbst der Nächste.

"In drei Disziplinen, er zählt sie auf, Schwarzmarkt, Produktfälschungen und Korruption sind wir Weltmeister. Wenn die zu den Olympischen Spielen zugelassen wären, würde Indien in allen drei Gold, Silber und Bronze gewinnen"

Ein jeder verflucht die Korruption, aber keiner findet einen Weg auf seinen eigenen Anteil an den korrupten Geschäften zu verzichten.
Es sind keine übergreifenden Geschichten die hier erzählt werden und doch gibt es schlußendlich ein Ganzes. Die Erzählungen sind geprägt vom "Kastendenken" und den Verschiedenheiten der religiösen Gruppierungen, die wiederum in Untergruppen aufgeteilt sind. Das war für mich manchmal etwas rätselhaft und verwirrend.

"Er ist aus einer höheren Kaste als ich, dachte Shankara, aber er ist arm. Was bedeutet das überhaupt - Kaste?"

Adiga zeigt uns eine Welt neben all dem Bollywood-Glamour. Ein Indien ohne koloniale Romatik und wehenden Saris. Er läßt uns einen ungeschönten Blick auf die Bettler und Leprakranken werfen. Auf Kinder die ihr Leben auf der Straße verbringen. Auf Männer die nur durch Korruption ihr Geschäft betreiben können.
Ist man bereit sich auf diese Geschichten einzulassen, spürt man nach kurzer Zeit die Ungeheuerlichkeit derselben. Und das wirkt noch lange nach.
Hat man das Buch "Der weiße Tiger" gelesen, kommt einem das eine oder andere schon bekannt vor, deswegen bekommt das Buch von mir 8 Punkte.


Zwischen den Attentaten
C.H.Beck
376 Seiten, € 19,90
"Das richtige ist das intensive Buch. Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt und nicht mehr los läßt - bis zum Ende nicht, lies oder stirb! Dann liest man lieber." Kurt Tucholsky
Doris
 
Beiträge: 1277
Registriert: Fr 10. Okt 2008, 14:38

Zurück zu Rezensionen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast