Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder

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Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder

Beitragvon Didonia » Sa 31. Aug 2019, 09:30

Sophie Caroline Pataky wurde am 5. April 1860 in Podiebrad, Kaisertum Österreich, geboren. Mit ihrem zweibändigen „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ erschien 1898 das erste von einer Frau herausgegebene deutschsprachige Schriftstellerinnenlexikon.
Sie war mit Carl Pataky verheiratet, der 1875 in Wien einen Fachverlag für Metalltechnik gründete. Ab Ende der 1870er Jahre lebte das Paar gut zehn Jahre in Berlin.

Im Sommer 1896 nahm Sophie Pataky im Berliner Rathaus an einem Internationalen Frauen-Kongress teil. Die im Allgemeinen als „Frauenfragen“ behandelten Fragen interessierten sie sehr. Um sich mit derlei zu beschäftigen, hatte sie bisher zu viel zu tun: Haus- und Familienpflichten und die Mitarbeit in dem Fachverlag ihres Mannes. Die geistige Tätigkeit für die Frau war ihr zwar nicht ganz unbekannt, doch wurde es bisher von ihr nicht allzu sehr gewürdigt. Doch auf diesem Kongress wurde ihr bewusst,

„wieviel Intelligenz, Wissen, Energie und zielbewusstes Streben, Eigenschaften, die man nur bei Männern zu finden gewohnt ist, auch bei Frauen vorhanden sind“.

Nun schaute sie genauer hin und sie sah, dass innerhalb der letzten 30 Jahre viel von und über Frauen geschrieben wurde. Nur ein Nachschlagewerk gab es darüber nicht. Es gab zwar verschiedene die gesamten Schriftsteller umfassende Lexika, in denen sich auch weibliche Autoren finden, doch waren die meisten nicht unter ihrem eigenen Namen gelistet. Und es waren nur die enthalten, die Bücher veröffentlicht haben. All die Frauen der Feder, die bei Zeitschriften aller Art, als Übersetzerinnen, Redaktricen usw. tätig waren, waren nicht berücksichtigt.
Unterstützung vonseiten eines Verlages gab es kaum, obwohl es seit 70 Jahren kein aktuelles biografisches Lexikon der Frauenliteratur mehr gab. Doch die guten Erfahrungen, die sie mit den Frauen der Feder hatte, wog diesen Ärger auf. Sie hat von den Frauen so viel Anregungen bekommen und interessante Autobiografien, die sie leider aus Platzgründen nicht ungekürzt in ihre Arbeit einbeziehen konnte. Viele Frauen fühlten sich nicht berufen zu schreiben, hatten keinen inneren Drang, schriftstellerisch tätig zu werden. Sie taten es aus purer

„Not, die Sorge um die darbende Familie, den siechen Gatten, die vaterlosen Kinder oder die der Unterstützung bedürftigen Geschwister, welche der Tochter, der Gattin, der Mutter oder Schwester die Feder in die Hand drückten, um das in ihr schlummernde Talent auszumünzen“.

Gut zwei Jahre arbeitete Sophie Pataky an diesem zweibändigen Lexikon. Es wurde im Verlag ihres Mannes 1898 rausgebracht, doch da es thematisch nicht passte, wurde es schon 1899 vom Verlag Schuster & Löffler übernommen.

Eigentlich hatte sie als Titel „Lexikon deutscher Schriftstellerinnen“ im Sinn, doch da protestierten viele Frauen, weil sie sich nicht als Schriftstellerin sahen. 6000 Namen sind in beiden Bänden aufgelistet, teilweise nur mit Namen und Adresse. Dadurch, dass sie Kochbuchautorinnen, Journalistinnen, Herausgeberinnen u. a. aufnahm, ergab sich das umfassendste Bild der schreibenden Frauen.

„Überraschende Enthüllungen wird dieses Werk vielen Buchrecensenten bringen, die das Werk eines männlichen Autors zu recensieren glaubten, während es von einer Frau geschrieben wurde.“

Als Vorstandsmitglied im Deutschen Schriftstellerinnenbund (1898) begann sie mit dem Aufbau einer Bibliothek mit Werken deutschsprachiger Autorinnen. Von Frauen, die sie in ihr Lexikon aufgenommen hatte, ließ sie sich deren eigene Werke zusenden und nahm sie in die „Bibliothek deutscher Frauenwerke“ auf. 1000 Bücher sollten es im selben Jahr schon werden. Die Autorin Anna von Krane unterstellte ihr, dass sie sich mit den Büchern bereichern wollte.

Das Ehepaar lebte ab 1907 in Meran. Carl Pataky nahm K. J. Müller als stillen Teilhaber in den Verlag auf, der diesen dann nach dem Tode Patakys im August 1914 übernahm.

Sophie Pataky starb am 24. Januar 1915 in ihrem Hause am Untermais an einem Gehirnschlag und wurde zwei Tage später auf dem katholischen Friedhof begraben.
Lesende Grüße, Anne

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