Ja, der Herbst, der hier angesprochen wurde, ist ja auch wieder meine Zeit, in der ich mich am wohlsten fühle. Es ist wieder kühler, die Bäume schütteln ihre Blätter ab (Schwiegermuttern stöhnt schon wieder

), der Wind weht, herrlich.
Ich habe mir jetzt ein richtiges Herbst-Winter-Projekt vorgenommen. Und zwar werde ich hauptsächlich "Bücher über Bücher" lesen. Eine Ausnahme wird immer zum Monatsanfang sein, wenn ich mit meiner Freundin zusammen ein Buch lese. Obwohl, ich habe schon gesehen, in unserem gemeinsamen SuB liegt auch das ein oder andere "Buch über Bücher"
Ich werde aber nicht schnell vorankommen, weil ich mir außerdem alle schönen Passagen rausschreiben werde. Diese werde ich dann irgendwann mal zu einem Buch binden oder heften lassen.
Für dieses Projekt werde ich auch die Bücher lesen, die ich schon kenne (wegen des Rausschreibens", allerdings ziehe ich die unbekannten Bücher vor.
Begonnen habe ich gestern mit
Das Labyrinth der Welt von Ross King. Vor über fünf Jahren (da habe ich noch kein Lesetagebuch geschrieben) habe ich es schon mal gelesen. Weil es eines meiner ersten Buch über Bücher war und weil ich mich erinnere, es ganz toll gefunden zu haben, darf es den Reigen jetzt anführen.
London, 1660. Isaac Inchbold ist einer von sechs Buchhändlern auf der London Bridge.
Da sich das Angebot dieser Läden nicht auf die Bedürfnisse von Vikaren, Anwälten oder sonstwem beschränkte, boten sie eine breitere Auswahl als diejenigen in den anderen Bezirken, daher konnte man in ihren Regalen so ziemlich alles finden, was jemals auf ein Stück Pergament gekritzelt oder gedruckt und zwischen zwei Buchdeckel gepreßt worden war. Das größte Angebot von allem barg die Buchhandlung im Nonsuch House, etwa auf halber Höhe der London Bridge gelegen, über deren grüner Tür und den beiden blankgeputzten Schaufensterscheiben ein Schild hing, dessen verwitterte Inschrift folgendes besagte:
NONSUCH BOOKS
Ankauf und Verkauf sämtlicher Titel
Isaac Inchbold, Inhaber
Isaac Inchbold erzählt hier seine Geschichte. 1635 ging er mit 14 Jahren in diesen seinen Buchladen in die Lehre, nachdem sein Vater bei einer Pestepidemie starb. Wegen der Schulden, die dieser der Familie hinterließ, nahm sich seine Mutter das Leben. Mit seinem Eintritt als "freier Bürger in die Zunft der Papierhändler" starb auch sein Lehrmeister an der Pest.
Und so wurde ich an diesem folgenschweren Tag Eigentümer von Nonsuch Books, wo ich seither im Durcheinander mehrerer tausend in Saffianleder und Leinen gebundener Gefährten meine Zeit verbracht habe.
Isaac war ziemlich weltfremd, auch wenn er sich als Mensch der Großstadt bezeichnet. Eine enge Wohnung hatte er über seinem Buchladen und er verließ das Haus nur, wenn es unbedingt nötig war. Er war kurzsichtig, hatte Asthma und einen Klumpfuß.
Am liebsten hätte Isaac sein beschauliches Leben bis an sein Lebensende weitergeführt. Doch dann flatterte ihm eines Tages eine Einladung einer Lady Marchamont ins Haus. Sie bat um sein Kommen.
An dieser Einladung fiel Isaac etwas Eigenartiges auf. Das "ursprüngliche Wassersiegel schien abgepaust, aufgebrochen und später mittels eines gefälschten Stempels mit Schellack wieder verschlossen" worden zu sein.
Bei Lady Marchamont angekommen, ließ man ihn in einem ziemlich dunklen Zimmer warten.
Als ich mich umdrehte, knarrte eine Diele unter meinem Stiefel. Dann stieß der Zeh meines verkrüppelten Fußes gegen ein Hindernis. Ich senkte den Blick [...]
Aber dann... etwas Vertrautes. Ich bemerkte, daß der Geruch nach etwas Altem den Raum durchzog, ein Geruch, den ich besser kannte und mehr liebte als jedes Parfüm. Ich drehte mich nochmals um, hob den Blick und sah eine Regalreihe voller Bücher neben der anderen, die augenscheinlich jeden Zoll der Wände bedeckten. Über der auf halber Höhe angebrachten, mit einem Geländer versehenen Galerie erstreckten sich weitere Bücherwände bis zur unsichtbaren Decke empor.
Eine Bibliothek...
Im Weiteren beschreibt Isaac noch diese Bibliothek, aber das muss ich mir für die private Sammlung aufheben, da es hier zu viel werden würde.
Das Buch liest sich sooo toll
