Hallo zusammen,
ich komme im Moment nicht so viel zum lesen wie ich es mir wünsche, der Kopf ist so voll! Ich hoffe, da kehrt bald wieder mehr Ruhe ein.
Mit
“Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz komme ich somit nur gemächlich vorwärts, aber das macht nichts, denn für solche Bücher nehme ich mir immer gern ein bisschen Zeit. Ich möchte das alles auf mich wirken und sacken lassen können. Ein sehr gutes Buch, das das Leben in Buchenwald sehr lebendig werden lässt (nicht verwunderlich, denn Bruno Apitz war ja selbst dort Häftling), und einem somit beklemmend nahe rückt. Auch die Positionen in solch einem Lager, das Gefüge, die Abläufe sind mir viel klarer geworden. Und die Geschichte der Widerstandsgruppe innerhalb des KZ Buchenwald ist sehr interessant. Bewundernswert, wie tapfer auch die Menschen waren. Auch wenn es sich hier um einen Roman handelt, so verarbeitet Bruno Apitz darin ja auch viele seiner eigenen Erlebnisse und Erinnerungen in dem Buch. Und dass einige dieser tapferen Romanfiguren im realen Leben im Lager Entsprechung finden, lässt Bruno Apitz in seiner Widmung den Leser wissen. Denn er hat einigen Figuren die Namen toter Kampfgenossen gegeben, das berührt mich sehr, und die Figuren (stellvertretend für die Menschen) haben meinen vollen Respekt!
Erschütternd, was man den Menschen angetan hat! Die Entmenschlichung (Nummern, nicht Namen, Sträflingskleidung um allen das Gesicht zu nehmen, Betitelung mit „Schweine“ anstatt „Menschen“) und die unsagbaren Foltern. Schon beim lesen wurde mir an mancher Stelle übel, dabei geht Bruno Apitz gar nicht unnötig ins Detail. Unvorstellbar was Menschen Menschen antun! Und wie kurz das alles erst her ist.
Interessant ist auch die Neuausgabe (die ich lese) mit den Kennzeichnungen an welchen Stellen und in welcher Form der Ursprungstext von Bruno Apitz geändert worden ist. Sehr deutlich wird, dass man die kommunistischen Häftlinge freisprechen wollte von dem Wissen, dass die Menschen, die auf Transport geschickt wurden, in den sicheren Tod gingen. Denn das Wort Bergen Belsen wurde aus dem Buch schön herausgestrichen, und durch vage Umschreibungen (man schickt sie ins
Ungewisse, anstatt in den sicheren Tod) ersetzt. Dabei ist es rein menschlich betrachtet ja nicht die Schuld der Häftlinge, denn sie haben eine gewisse Zahl auf den jeweiligen Transport zu schicken. Es blieb ihnen ja nichts anderes übrig. Mit der Auswahl bewusst Menschen in den Tod geschickt zu haben, ist somit ja relativ. Dennoch sollte selbst dieser kleine Schmutz weggewaschen werden. Interessant, diese Ausgabe! Und ich freue mich schon sehr auf das Nachwort, das mit 100 Seiten sehr umfangreich ist, und auch sechs Texte von Bruno Apitz über den Aufenthalt in Buchenwald enthält. Das wird die Realität noch mal deutlicher hervortreten lassen, und auch ein klareres Bild über den Roman geben.
Aber erst mal lese ich das letzte Viertel des Romans, und hoffe und bange mit den Kampfgenossen. Es wird jetzt ernst, Himmler hat die Evakuierung des Lagers befohlen. Und es wird klar: Es geht jetzt auf Leben und Tod. Die Widerstandsorganisation ist jetzt in Handlungszwang.
In meinem ebook
“Der Sportreporter“ von Richard Ford“ komme ich gerade gar nicht weiter. Die ganze Woche hat mich wegen des Wetterwechsels Migräne geplagt. Lesen am Abend war unmöglich. Schade, denn das Buch gefällt mir sehr, und ich möchte wissen, wie es mit Frank Bascombe weitergeht. Ich bin erst 50 Seiten weit gekommen, und es ist mein erstes Buch von Richard Ford. Aber ich merke jetzt schon, dass er ein herausragender Schriftsteller ist, der meinem Lesegeschmack entgegen kommt.
Eure Leseerlebnisse habe ich hier interessiert mitverfolgt. Zu einigen hier kurz noch etwas:
@Steffi: Deine Eindrücke zu „Geheimer Ort“ interessieren mich sehr! Ich lese die Bücher von Tana French ja auch sehr gerne! Mir haben die ersten beiden am besten gefallen, der dritte war auch toll. Den vierten fand ich deutlich schwächer. Ich glaube das ging aber nicht vielen so. Meine Frage wäre: Wie würdest Du „Geheimer Ort“ im Rang ansiedeln? Beim vierten (also „Schattenstill“) fand ich auch, dass es sich zieht, und dass Tana French die immer und immer wieder das gleiche erzählt hat. Als müsse sie ihre Seitenvorgabe erfüllen. Das empfand ich bei den ersten drei Bänden überhaupt nicht. Deshalb macht mich Dein Hinweis, dass es sich etwas zieht, vorsichtig. Ich bin mir nicht sicher ob ich es lesen oder hören möchte. Vielleicht helfen mir Deine Gedanken dazu.
@Barbara: Dass Dich Modiano mit „Im Café der verlorenen Jugend“ trotz des guten Stils nicht so richtig packen konnte, ist schade. Ich werde auch irgendwann was von ihm lesen. Aber ich glaube da brauche ich den richtigen Zeitpunkt für.
Was liest Du als nächstes?
@Maria: Ian McEwan schätze ich sehr. Freut mich, dass er in „Kindeswohl“ auch wieder seine Stärken zeigt, und die Komplexität des Lebens nicht außer acht lässt.
@Didonia: Du erinnerst mich daran, dass ich „Tender Bar“ noch als Hörbuch liegen habe. Sollte ich doch mal hervorholen.
@Bonny: Dass Deine Freundin so gut war, Dir den Film schon mitzugeben, finde ich klasse! So brauchst Du Dir diese tolle Verfilmung nicht entgehen zu lassen!

Ah, Mr. Darcys Interesse wird gerade spürbar. Ich fand das herrlich, weil er in seinem Stolz das nicht zeigen will und kann, es aber doch herausblitzt. Jane Austen hat das in meinen Augen so wunderbar eingefangen ohne es auszusprechen!
Oh ja, die Bingley-Schwestern sind fürchterlich.
Dass Du mehrfach schmunzeln musstest, während des Dialogs zwischen Miss Bingley und Mr. Darcy, als er einen Brief an seine Schwester schreibt, freut mich. Mir ging es in dem Buch an einigen Stellen so, dass ich schmunzeln musste. Eine so herrliche Geschichte. Durch Dich erlebe ich sie hier gerade noch mal ein bisschen mit.
