Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Sa 7. Feb 2026, 12:45

Ignaz Denner
Neben der Haupthandlung, die sehr spannend verläuft, gibt es nun auch eine Nebenhandlung, die auf frühe Geschehnisse in Italien weist.

Insgesamt eine grausame, schaurige Geschichte. Aber auch eine bunte Handlung. Ich habe so manche Überraschung erlebt. ETA Hoffmann lässt auch einiges offen, das der Leser manchmal erst im Nachhinein versteht (wie das zweite Kind von Andres und Giorgina, das auf grausame Weise umkommt).

In dieser Geschichte ist wirklich viel Nacht und Düsternis und Geheimnisse.

Andres Gottesglaube und seine Beichten beim Richter, seinem Herrn und dem Neffen seines Herren strapazieren etwas meine Geduld als Leser. Dennoch ist er zum Töten bereit als es um seinen Erstgeborenen geht und tötet seinen Widersacher.

Was für eine Geschichte! Sie nimmt einen echt den Atem.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Sa 7. Feb 2026, 19:19

Ignaz Denner

Was mir besonders an der Erzählung gefallen hat, ist der Gegensatz der beiden Protagonisten. Denner ist böse, gierig, aber auch geheimnisvoll, vielleicht könnte man sogar dämonisch sagen. Andres ist ehrlich, genügsam und fleißig. Das Böse ist aber nicht so offensichtlich, sondern schleicht sich in das gutbürgerliche Leben ein. Und trotz seiner guten Absichten gerät Anders in diese Lage. Seine Moral schützt ihn nicht, die Rechtsprechung schützt ihn nicht. Moralisches Handeln bietet keine Sicherheit. So kann auch die Aufklärung also das Rationale allein die Welt nicht erklären und sicher machen.

Eine tolle Erzählung, die auch wirklich spannend war.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » So 8. Feb 2026, 15:07

Die Jesuiterkirche in G.

Eine leichte Erzählung im Künstlermilieu, die eigentlich so gut wie keine dunklen Anklänge hat. Eine gewisse Kritik an den Jesuiten ist spürbar, arbeiten sie doch mit Illusionen. Diese vorgetäuschte Architektur, die Illusion, wird aber dann uninteressant, wenn man die Erklärung dafür weiß. Berthold will aber nicht die Realität abbilden, sondern eine Emotion ausdrücken. Erst als er diese Emotionen abrufen kann durch den Traum, werden seine Bilder überragend. Seine subjektiven Empfindungen stehen über der objektiven Realität. So soll Kunst ein Erlebnis werden. Man sieht wieder die Abgrenzung der Romantik zur Aufklärung.

Ich finde, Hoffmann hat das sehr schön ausgedrückt und verpackt.
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » So 8. Feb 2026, 19:30

steffi hat geschrieben:Ignaz Denner

Was mir besonders an der Erzählung gefallen hat, ist der Gegensatz der beiden Protagonisten. Denner ist böse, gierig, aber auch geheimnisvoll, vielleicht könnte man sogar dämonisch sagen. Andres ist ehrlich, genügsam und fleißig. Das Böse ist aber nicht so offensichtlich, sondern schleicht sich in das gutbürgerliche Leben ein. Und trotz seiner guten Absichten gerät Anders in diese Lage. Seine Moral schützt ihn nicht, die Rechtsprechung schützt ihn nicht. Moralisches Handeln bietet keine Sicherheit. So kann auch die Aufklärung also das Rationale allein die Welt nicht erklären und sicher machen.

Eine tolle Erzählung, die auch wirklich spannend war.



Und ich finde, das hast du sehr treffend erkannt und auf den Punkt gebracht :daumen_hoch:

Bitte nicht ganz so schnell weiter. Ich habe das 3. Nachtstück gerade erst begonnen, aber werde heute nicht sehr weit kommen.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Mo 9. Feb 2026, 14:00

In meinem Literaturkalender steht dieser Wochenspruch:

Es ist doch etwas Schönes, Herrliches, Erhabenes um das Leben ! E. T. A. Hoffmann


Die Jesuiterkirche in G.

in G. bedeutet in Glogau. Dorthin wurde Hoffmann zu Verwandten geschickt, weil es großen Aufruhr gab wegen seiner Liebesgeschichte zu Dora Hatt, einer verheirateten Frau. Der Maler Bernhard ist wohl eine reale Person namens Alois Molinary nachempfunden, den Hoffmann dort kennenlernte und hatte unter seiner Anleitung tatsächlich auch beim Ausmalen der Jesuiterkirche am Ort mitgewirkt.

Hoffmann beschreibt den Miniaturmaler Molinary „schön gebaut wie der vatikanische Apoll“.

Das mal als Allgemeine Beigabe. Ich hoffe ich habe bis morgen die Erzählung gelesen.
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Di 10. Feb 2026, 09:10

Danke, sehr interessant! Hoffmann hat sich wohl gerne bei realen Personen bedient.

Lass dir Zeit, ich habs nicht eilig.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Mi 11. Feb 2026, 15:28

Die Jesuiterkirche in G.

Wieder begegnet uns ein erklärender Einschub in die Erzählung, diesmal geschrieben von einem jungen Studenten im Jesuiter Collegia.

Der reisende Enthusiast ( = ein erzählerisches Ich und eine Kunstfigur in E. T. A. Hoffmanns Werken, insbesondere in den Fantasiestücken in Callots Manier) bekommt es von diesem Professor zu lesen. Darin erleben wir die Vorgeschichte Bertholds. Es thematisiert den Künstler als Außenseiter und wie fragil diese Existenz ist zwischen einer idealistischen Kunstwelt und der Wirklichkeit. Bezeichnend ist, wie Berthold verschwindet, man möchte eher sagen entschwindet als er seine Aufgabe erledigt hatte. Auch wenn man vermuten könnte, dass Selbstmord im Spiel ist, sehe ich auch einen religiösen Aspekt. Die Kunst glorifiziert als Religion(?)

Die einzige dunkle Stimmung fand ich in seiner Furcht vor der Natur, weil er sie nur leblos darstellen konnte und sich von ihr nun bedroht fühlte. Seine Zerrissenheit als Künstler hat auch was dunkles. Aber du hast recht, die Erzählung kommt leichter daher als die Vorgänger.

Interessant die Rangordnung unter den Malstilen: Historienmaler, Landschaftmaler, Wandmaler.
Nochmals zur Religion:
Interessant fand ich dass der Erzähler den gotischen Stil dem italienischen Stil (Barock nehme ich an) vorzieht.
Heiliger Ernst versus Pracht.

Für die Romantiker galt Gotik als der Inbegriff des christlich-deutschen Geistes. Die Bauweise strebt in die Höhe und verbindet den Menschen mit dem Transzendenten.

Die Antike/Barock wird als kalt und weltlich empfunden.

Mir hat die Erzählung sehr gut gefallen.

Hier noch ein Link:
https://www.planet-wissen.de/kultur/lit ... index.html

Edit:
Auch den Landschaftsmaler Hackert gab es (1737-1807)
Goethe lernte ihn 1787 auf seiner Italienreise kennen und hat über den Maler eine biographische Skizze erstellt, deren sich Hoffmann u.a. bediente.
Schöne Grüße, Maria
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