Alles, was ist von James Salter gefällt mir immer noch sehr gut.
Der Anfang des Romans, auf einem Kriegsschiff im Pazifik, und das Überleben des Protagonisten Bowman, ist im Grunde der Höhepunkt in dessen Leben. Mich hat die Beschreibung des Kriegsschauplatzes tief beeindruckt, kommt mir in seiner Intensität so mancher Kriegsbeschreibung Hemingways gleich. Auffallend dass Bowman in Summit aufgewachsen ist, den Ort, wo Hemingway "Die Killer" spielen lässt. Und wie der Schwede wusste, unbeweglich auf dem Bett liegend, dass er irgendwann von Ihnen, den Killern, erwischt wird, so weiß auch Bowman, dass ihn irgendwann der Tod erwischt, aber auch er hat keine bedeutsamen Höhepunkte mehr im Leben. Nichts kann ihn mehr erfüllen.
Zu anfangs, nachdem er aus dem Krieg zurückkommt, erkämpft er sich noch ein oder zweimal seinen Platz in der Gesellschaft; den Studienplatz in Havard, die Heirat mit der ersten Frau, die seinen Träumen noch so nahe kommt. Aber kampflos lässt er sich von den Hindernissen ausbremsen. Nachdem der (Traum) Job bei der
Times nicht klappt, wird er Lektor bei einem kleinen unbekannten Verlag. Die erste Ehe geht klanglos und unspektakulär zuende. Von da an treibt es ihn dahin, von Affäre zu Affäre, von Amerika nach Europa und wieder zurück.
Ich finde es mutig vom Autor dieses Nahtoderfahrung als Anfang seines Romans herzunehmen und das Leben dann ohne weitere Höhepunkte zu beschreiben. im Grunde geht Bowman traumatisch durchs Leben ohne es selbst zu wissen und das, gibt widerum dem Leser viele Raum, die Lücken zu füllen, und das beeindruckt mich stark.
Alles, was ist !
Eigentlich ist der Roman die
Bilanz eines traurigen Lebens.
Hier mal ein Ausschnitt, der mir sehr gut gefallen hat, ...
Beatrice hatte, vielleicht wegen des Todes ihres Vaters, der ihr klar in Erinnerung blieb, schon immer eine schleichende Furcht vor dem Herbst. Es gab einen Moment, meist spät im August, wenn der Sommer mit gleißender Kraft auf die Bäume traf, Bäume in vollem Laub, und dann kam ein Tag, merkwürdig still, wie in Erwartung, sich des Moments bewusst. Und sie wussten Bescheid, alle wussten Bescheid, die Käfer, die Frösche, die Krähen, die feierlich über den Rasen schritten. Die Sonne stand im Zenit und umarmte die Welt, aber es ging zu Ende, alles, was man liebte, war in Gefahr.Eine Beschreibung zum niederknien.
Wie wohl seine anderen Romane sind?
Petra hat geschrieben:Dass „Alles, was ist“ von James Salter Dir gefallen könnte, hatte ich schon beim lesen geahnt. Freut mich, dass meine Ahnung richtig war, und Du sobald dazu gegriffen hast
Deine Ahnung erwies sich als richtig.