Hallo alle,
ich war in letzter Zeit eine Leseschnecke, hauptsächlich, weil ich auf die von mir begonnenen Bücher doch nicht so recht Lust hatte. Irgendwie hat mich nichts gefesselt. Jetzt könnte sich das ändern, denn ich habe zu einer meiner Lieblings-Krimiserien gegriffen, die mich bislang noch nie enttäuscht hat, und lese gerade
Patricia Wentworth: Das alte Haus am Meer,
einen frühen Band aus der Miss-Silver-Reihe von 1942. Er beginnt mit einer Zugfahrt Richtung London, an einem Julitag des Jahres 1939 - also schon mal ein perfektes Setting für meinen Geschmack. Krimis in Zügen, selbst wenn nur teilweise der Handlungsort, liebe ich.
Außerdem kommt schon auf der ersten Seite Miss Silvers Faible für Dichtung zum Ausdruck, denn während sie das Kommen und Gehen auf dem Bahnhof beobachtet, kommt ihr eine Passage von Henry Wadsworth Longfellow in den Sinn, aus Tales of a Wayside Inn:
Ships that pass in the night, and speak each other in passing,
Only a signal shown and a distant voice in the darkness;
So on the ocean of life we pass and speak one another,
Only a look and a voice, then darkness again and a silence
Im Buch rezitiert Miss Silver (nicht ganz werksgetreu):
Schiffe gleiten durch die Nacht und,
im Vorübergleiten reden sie.
Nur eine Stimme und ein Ruf,
dann wieder Dunkelheit und Stille.
Die Tales of a Wayside Inn sind, wie ich nach oberflächlicher Recherche herausfinden konnte, offenbar eine Sammlung von Novellen, teils in gebundener Sprache, entfernt vergleichbar mit der Machart des Dekameron. Dieses Werk Longfellows wurde wohl nie ins Deutsche übersetzt (ich habe jedenfalls nichts gefunden), aber das Bild von den vorüberziehenden Schiffen hat trotzdem auch bei uns seinen Eingang in die Sprache gefunden.
Aber nun mache ich mich wieder an Miss Silvers neuen Fall. Den scheint sie während der Zugfahrt von ihrer jungen Mitreisenden erzählt zu bekommen...
Gruß,
Trixie

